Portrait einer Eselin vor rotem Hintergrund
Michael Seyer
Michael Seyer
Kultur

„Roter Teppich“ für Tiere vom Gnadenhof

Die Tiere in den Mittelpunkt zu stellen und einzigartige Aufnahmen zu machen, war Ziel des Fotografen Michael Seyer. Das Fotoprojekt „Red Carpet Gnadenhof“ zeigt Tiere des Melcherhofes mit tierischem Blickwinkel. Am Montag wurde die Ausstellung in der Studiogalerie des Stadthauses eröffnet.

„Die Grundintention ist die, einmal Tiere in den Mittelpunkt zu setzen, in den Fokus zu setzen und parallel dazu kam der Gedanke, den Roten Teppich zu wählen. „Rot steht für mich für Wertigkeit, für Exklusivität, aber auch für etwas Besonderes, Exklusives“, so Seyer über sein Projekt. Für den Melcherhof in Grafenstein entschied er sich, nachdem er erfahren hatte, dass es den Tieren dort gut gehe.

Portrait einer Ziege
Michael Seyer
Die Tiere bekommen am Melcherhof eine zweite Chance

Er konnte sogar beim ersten Shooting Freundschaften schließen. Nach eigenen Angaben hätte er erkannt, dass diese so genannten Nutztiere sehr wohl Persönlichkeit hätten. „Man kann ein Tier, das quasi als Nutztier etikettiert war, als eigenständiges, freies und selbstbestimmtes Lebewesen im hohen Alter erleben, das ist für mich etwas absolut Besonderes“, sagte Seyer.

Auf Vertrauen bauen

Bis es aber zum Fotografieren kam, dauerte es etwas, da laut Seyer die Tiere nicht immer motiviert seien und genau wie Menschen auch Launen hätten. Dann kam noch eine andere Komponente ins Spiel. Die Tiere am Melcherhof erlebten in der Vergangenheit schon Schlimmes, es ist etwas Besonderes, ihr Vertrauen zu bekommen.

Michael Seyer beim Fotografieren einer Ziege
ORF
Michael Seyer setzte beim Fotografieren auf Vertrauen der Tiere

„Ich habe aber das Glück gehabt, ganz wunderbare Pflegerinnen auch zu bekommen, die schon Vertrauen zu den Tieren aufgebaut haben über die Jahre. Und dieses Vertrauen wurde dann auch im Zuge der fotografischen Aufnahmen sichtbar“, so Seyer über seine Arbeit mit den Tieren. Das bestätigt auch die Leiterin des Melcherhofes Willemine van Ee: „Mich überrascht das zeitweise, dass ein Tier eine echt schlimme Vergangenheit hat und dann trotzdem bereit ist, wieder Vertrauen zu fassen, sich wieder einzulassen auf Menschen und das geht überraschend schnell.“

Tiere reagierten unterschiedlich

An vier Terminen wurden Fotos gemacht, am ersten Shootingtag entstanden nach vier Stunden die ersten Fotos. Ausgewählt wurden nur jene Tiere, die Vertrauen zeigten, da die Reaktionen der Tiere sehr unterschiedlich ausfielen. Von geschmeichelt fühlen bis bockig, war alles mit dabei. „Der rote Teppich wurde durch den Gnadenhof getragen, der wurde auf ein Holzmodell montiert so war es uns möglich, den Teppich durch den Gnadenhof zu tragen und vor dem jeweiligen Tier auszurollen, ohne dass das Tier geholt und positioniert werden musste", so Seyer.

Portrait einer Eselin vor rotem Hintergrund
Michael Seyer
Eselin Fiona hatte Spaß beim Shooting

Mit viel Einfühlungsvermögen und Geduld machte der Fotograf seine Aufgaben. Der erste Star war eine Eselin namens Fiona, die sichtlich Spaß am Shooting hatte. Seyer dazu: „Man hat gemerkt und gespürt, sie ist auf unserer Wellenlänge. Und sie hat dann tatsächlich posiert und hat auch quasi aus der Bewegung heraus signalisiert, es geht ihr gut bei den Aufnahmen und das sieht man auch an den blitzenden Augen und dem Strahlen in den Augen, dass es dem Tier gut geht.“

„Tiere sind die Stars“

Für Seyer sei es ein absolutes Highlight gewesen, die Schönheit der Tiere vor dem roten Teppich zu sehen. Und auch van Ee freut sich über die Tierportraits, sie ließen ihre Tiere zu leuchtenden Stars werden: „Die Tiere da sind ja auch die Stars, alle miteinander. Sie haben durch die Reihe eine Geschichte, die geht von ganz schlimm zu naja geht so. Da haben sie jetzt auch die Möglichkeit, die Stars zu sein. Die Menschen, die uns besuchen, kommen auch um diese Tiere zu besuchen und anzusehen und somit sind sie auch absolut die Stars“.

Portrait eines Pferdes mit rotem Hintergrund
ORF
Das Highlight für Seyer: die Schönheit der Tiere am „Red Carpet“ zu sehen

Einzigartige Momentaufnahmen

Und natürlich hielten sich die Tiere nicht an das Konzept des Fotografen. So wurde beispielsweise ein Lamm kurz nach der Geburt fotografiert, natürlich nach Rückfrage. „Da haben wir uns gedacht, das ist ein absolut besonderer berührender Moment“, so Seyer. Bei der Ausstellung im Stadthaus Klagenfurt in der Studiengalerie sind alle Tiergattungen des Gnadenhofes vertreten. Unter den Tieren sind auch die vor einigen Jahren ausgesetzten Schweine vom Dobratsch.

schlafende Schweine und Katze
ORF
Den Schweinen, die am Dobratsch ausgesetzt wurden, geht es heute wieder gut

Aus dem Blickwinkel der Tiere

Bis 2. Oktober sind 20 Tierportraits in unterschiedlichen Größen zu sehen, zusätzlich gibt es noch Naturstudien aus dem Blickwinkel der Tiere. Seyer über sein Projekt: „Ich habe mir das so vorgestellt, wie kann der Blick eines Tieres in die Natur ausschauen? Das heißt Seitenwechsel und man versetzt sich in ein Tier und versucht einmal in das Umfeld in die Natur zu blicken".

Verschwommenes Bild eines Waldes
Michael Seyer
Naturstudie von Michael Seyer

Weiter ergänzt Seyer: „Ich freue mich schon, dass man die Gattung Tier mit anderen Augen sieht. Mit einer Wertschätzung, mit einem Respekt und mit einer Nachhaltigkeit.“