Schrotturm mit Nebengebäuden
ORF/Ernst Janesch
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„Kennst Du Kärnten“

Der Schrotturm von Krumpendorf

Der Schrotturm zwischen Krumpendorf und Klagenfurt an der Bundesstraße ist mit seinen 67 Metern weithin sichtbar. Er zählt zu den Wahrzeichen am Wörthersee und war bis 1970 ein beliebtes Ausflugslokal. Außerdem zeugt er von der industriellen Vergangenheit Kärntens.

Kärnten-Guide Astrid Legner kennt die Geschichte des Schrotturms genau. Der Turm wurde zwischen 1818 und 1824 von friulanischen Steinmaurern erbaut. Auftraggeber war Ritter Johann von Rainer Harbach, so Legner: „Die Familie Harbach ist ein typischer Industrieadel in Kärnten gewesen, sie wurden für ihre wirtschaftlichen Dienste vom Kaiser geadelt und haben am Wörthersee Industriestandorte begründet.“

Schrotturm mit Nebengebäuden
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Man kann in der Mitte noch die Terrasse erkennen, auf der man Kaffee trinken konnte

Wichtige Standorte in der Monarchie

Der Turm, der mit seinen Nebengebäuden von den Einheimischen Schrottenburg genannt wird, war einer von sechs Standorten in Kärnten, an denen man Gewehrschrot erzeugte. Die Standorte waren laut Astrid Legner die einzigen in der Donaumonarchie, an denen Gewehrschrot erzeugt worden sei. „Kärnten war hier herausragend.“ Mit dem Turm führte Rainer-Harbach das in England übliche Fallsystem ein. Flüssiges Blei wurde aus großer Höhe in verschieden große Siebe gegossen, es nahm beim Fallen durch ein Gussrohr Tropfenform an und härtete in kaltem Wasser aus. Dann wurde das Blei gewalzt und so bekam man Kugeln in verschiedenen Größen.

Weitere Türme

Einen weiteren Schrotturm gab es in Federaun bei Villach (erbaut von der Firma Moritsch 1824), der zum Fallen eine Felswand nutzte, einer steht in Arnoldstein-Gailitz, erbaut von Simon Wallner 1814. Auch in Judendorf bei Villach soll es einen gegeben haben, dieser ist aber nicht mehr erhalten.

Schrotturm von unten
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Bis 1970 beliebtes Cafe

Bis 1893 war der Turm in Betrieb, dann wurde ein Ausflugsgasthaus daraus gemacht und wurde rasch beliebt. Damals sei das ein beliebter Ausflugsort für Sonntagnachmittage gewesen, so Legner. Es gab auch eine Aussichtsterrasse, bis 1970 war der Betrieb geöffnet. Heute hat der Turm keine Funktion mehr. Auf den ersten Blick wirkt er baufällig, auch wenn damals sehr massiv gebaut wurde, sagte Legner. Man kann den Turm auch nur noch von außen besichtigen.

Terrasse und Schild Cafe
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Auch die Beschriftung ist noch zu sehen

Ein paar Kilometer weiter, in Saag, steht noch die alte Miniumfabrik. Im Inneren befindet sich eine bekannte Diskothek. Bis 1991 war die Fabrik in Betrieb und gehörte lange der Bleiberger Bergwerksunion (BBU). Nachfolgebetriebe gibt es noch in Arnoldstein, die Minium zum Rostschutz erzeugen.