Landesgericht Klagenfurt außen im Sommer
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Chronik

Dealer-Ehepaar gemeinsam angeklagt

Wegen Suchtgifthandels muss sich seit Dienstag ein Ehepaar vor einem Schöffensenat im Klagenfurter Landesgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, über Jahre mit Drogen im großen Stil gehandelt zu haben.

Wegen Suchtgifthandels haben sich am Dienstag ein 39-jähriger Kärntner und seine 40-jährige Ehefrau am Landesgericht Klagenfurt verantworten müssen. Ihnen wird vorgeworfen, jahrelang mit verschiedenen Drogen gehandelt und dabei rund 60.000 Euro verdient zu haben. Der Schöffensenat unter Vorsitz von Richter Dietmar Wassertheurer vertagte den Prozess.

Turbulenter Prozessverlauf

Es war ein turbulenter Prozesstag: Der Erstangeklagte – er ist achtfach einschlägig vorbestraft und Rentner – wollte zwar zu den Vorwürfen nichts sagen, unterbrach den Prozessverlauf aber immer wieder mit Zwischenrufen. Richter Dietmar Wassertheurer warf ihn deshalb aus dem Gerichtssaal.

Seine Frau war vor Gericht teilweise geständig, sie bestritt in einzelnen Fällen die ihr angelasteten Mengen und erklärte etwa, dass sie nie mit Ecstasy gedealt hätte. Wesentlich schwieriger gestaltete sich die Einvernahme des 39-Jährigen: „Ich sage erst einmal nichts aus“, erklärte er nach längerem hin und her – später versuchte er auch noch, seine Ehefrau von ihren Aussagen abzuhalten: „Wer ist dein Mann, der da vorne (Richter Wassertheurer, Anm.) oder ich?“ Schließlich verlangte er von den beiden Justizwachebeamten, die ihn begleiteten, abgeführt zu werden – nicht ohne seiner Anwältin, wie er es formulierte, „das Mandat zu entziehen“: „Ich habe schon gesagt, dass ich nicht aussagen werde. Fürs Schweigen brauche ich keine Rechtsanwältin, Sie brauchen nicht nur fürs Dasitzen und Schönsein Geld kassieren.“

Lange Liste an Drogen

Die Liste der gedealten Stoffe ist lang: Heroin, Kokain, kiloweise Cannabis, hunderte Extacytabletten und fast dreitausend Benzodiazepine, das sind Beruhigungsmittel, soll das Ehepaar in den letzten 3,5 Jahren verkauft haben.

Konkret wirft die Staatsanwaltschaft dem Ehepaar den Verkauf von 366 Gramm Heroin, 40 Gramm Kokain und 2,7 Kilogramm Cannabis sowie 650 Stück Extacy und 2.800 Stück Benzodiazepinen vor.

Dazu kommen Vergehen nach dem Waffengesetz: Der Ehemann habe ein halbautomatisches Sturmgewehr und zwei Pistolen widerrechtlich besessen, sagt Staatsanwalt Marcus Pacher. Die 40 Jahre alte Ehegattin zeigt sich teilweise geständig, die Mengen und der Zeitraum seien aber kleiner gewesen.

Schizophrenie?

Beim Prozess kam auch zur Sprache, dass der Erstangeklagte an einer Schizophrenie leiden soll – Gutachten dazu gibt es aber keines. Möglicherweise wird deshalb ein Experte zu Rate gezogen werden.

Zeugen widerriefen erste Aussagen

Als Zeugen geladen waren mehrere Drogenkonsumenten, die sich bei dem Ehepaar mit Suchtgift eingedeckt hatten. Mehrere Konsumenten schwächten ihre Aussagen ab, die sie noch vor der Polizei gemacht hatten. Einige von ihnen bestritten plötzlich die damals angegebenen Mengen, andere erklärten schließlich, sich an gar nichts mehr erinnern zu können. Gleich drei Zeugen kündigte Pacher an, Verfahren wegen falscher Beweisaussage in die Wege zu leiten.

Ehepaar könnten 15 Jahre Haft drohen

Der Prozess wurde vertagt, am nächsten Verhandlungstermin sollen noch weitere Konsumenten als Zeugen einvernommen werden. In der Causa geht es nämlich um die Drogenmenge, die tatsächlich verkauft wurde, und damit auch um die Strafhöhe. Dem Ehepaar drohen aktuell zwischen einem und 15 Jahren Haft – kann ihnen vor Gericht nur der Verkauf von geringeren Mengen nachgewiesen werden, liegt der Strafrahmen bei einem bis zehn Jahren.