Künstlerin Barbara Essl fotografiert ein verlassenes und verfallenes Zimmer
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Kultur

„Lost Places“: Die Magie verlassener Orte

Verlorene und von den Menschen verlassene Orte üben einen gewissen Reiz auf ihren Betrachter aus. Die Kunstfotografin und ehemalige Fernsehjournalistin Barbara Essl beschäftigt sich beruflich mit den verlassenen Orten und versucht, ihnen durch ihre Fotos wieder Leben einzuhauchen.

Es sind Stätten der Vergangenheit, die Barbara Essl faszinieren. Dort, wo das Leben weit zurückliegt, findet sie Details, die die Erinnerung wecken. Hier macht sie sichtbar, was einst lebendig war und dokumentiert zugleich Vergängliches.

Verlassene Katakomben mit einem zurückgelassenen Koffer im Vordergrund
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Kunstfotografin Barbara Essl ist europaweit unterwegs, um verlassene Orte mit ihrer Kamera einzufangen

Orte werden von der Natur zurückgenommen

Wo Menschliches vergangen ist und die Zeit sich überholt, stecken für die Fotografin Zauber und Magie. „Diese Räume sind von Menschen verlassen und je länger sie das sind, desto öfter merkt man, dass die Natur sich das alles wieder zurücknimmt. Das ist ganz eine eigene Atmosphäre und Stimmung. Das ist das tollste Projekte, das ich verfolge, weil ich in ganz Europa unterwegs bin und diese verlassenen Plätze fotografiere“, so Essl.

Foto eines verlassenen Theaters in der Ausstellung
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Auch verlassene Konzerthallen und Theater zählen zu den Motiven

Kein Widerspruch zwischen Fotografie und Malerei

Eine ehemalige Psychiatrie, verlassene Fabrikgebäude, alte Häfen und Theater, Privathäuser und historische Bäder. Essl bringt mit den Bildern ihrer verlorenen Orte die weite Welt nach Hermagor. Zusammen mit dem Maler Markus Wagenhofer belebt sie in diesem Sommer den Antoniushof. „Der Kontrast aus Fotografie und Malerei ist in diesem Fall überhaupt kein Widerspruch, sondern sie werten sich gegenseitig auf“, so Wagenhofer. „Markus hat immer schon gemalt, schon von klein auf. Ich kenne ihn gar nicht anders als malend. Ich bin zur Fotografie etwas später gekommen“, sagte Essl.

Der Antoniushof in Hermagor mit den Bildern der Künstler Barbara Essl und Markus Wagenhofer
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Die Ausstellung von Barbara Essl und Markus Wagenhofer ist im Antoniushof in Hermagor zu sehen

Der Zyklus der Heilung

Ihre fotografische Ausbildung machte Essl in Paris. Die Betrachtung des Verfalls vergessener Orte, Figuren und Objekte ist einer der Schwerpunkte ihrer Arbeit. Der nächste Schritt ist die Erneuerung. Eine Serie aus Blumen- und Pflanzenkompositionen verbindet unterschiedliche Techniken der Fotografie und Malerei. „Was mich speziell fasziniert, ist es wenn eine Fotografie eine gewisse tiefe Durchschichtung bekommt. Eben durch verschiedene Materialien“, so Essl.

Blumenkomposition aus Fotografie und Malerei der Künstlerin Barbara Essl
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Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Blumenkompositionen

„Zyklus der Heilung“ nennt sie die Serie, in der das Aufblühen und Absterben der Natur zum Symbol für den Kreislauf des Lebens wird. „Es war so, dass mehrere Personen, die mir sehr nahe gestanden sind, plötzlich erkrankt sind. Ich habe gearbeitet und eine meiner Freundinnen, die eben so schwer erkrankt war, hat mir dann einmal gesagt, wenn sie meine Blumenbilder ansieht, dann geht es ihr gleich besser“, so Essl.

Ein Bild eines verlassenen Schwimmbades
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Die Ausstellung ist bis 27. Juli im Antoniushof in Hermagor zu sehen.