Orientteppiche
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Chronik

Betrügerische Teppichhändler vor Gericht

Am Landesgericht Klagenfurt hat am Dienstag der Prozess über gewerbsmäßig schweren Betrug begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft drei Männern vor, Teppich-Reinigungen und Reperaturen zu überhöhten Preisen durchgeführt zu haben. Der Schaden soll mehr als eine halbe Million Euro betragen.

Teppichreinigung günstig angepriesen, in Wahrheit aber zu einem zigfach überhöhten Preis – das wird den drei Männern – zwei Franzosen und einem Wiener – vorgeworfen. Sie sollen österreichweit Inserate geschaltet und mit Flugzetteln für ihre Dienste geworben haben. Laut Anklage wollten sie vor allem leicht beeinflussbare oder ältere Menschen erreichen.

Angeklagte Teppichhändlerprozess
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Die Angeklagten

Mindestens 150 Geschädigte

Bei mindestens 150 Teppichbesitzern waren die Betrüger mit ihrer Masche erfolgreich. Der Schaden, den die Betrogenen durch die zu teure Reinigung erlitten haben, beträgt 300.000 Euro. Das war offenbar nicht genug, denn die Angeklagten hatten einige Orientteppiche auch einfach bei sich behalten. Nach einer Anzeige flüchteten die Männer, die Polizei durchsuchte zwei Wohnsitze in Wien und in Lienz und fand 250 Teppiche.

Laut Anklage wollten die Männer die teuren Stücke weiterverkaufen und das Geld in die eigene Tasche stecken. Dutzende Teppiche waren bereits verschwunden und laut Gericht verkauft. Die Einnahmen der Betrüger belaufen sich österreichweit auf mehr als eine halbe Million Euro. In Kärnten erstatteten 14 Opfer Anzeige. Ihr Schaden beläuft sich auf etwa 165.000 Euro.

Konfiszierte Teppiche von Teppichhändlerprozess
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Beschlagnahmte Teppiche

Anwältin ortet Schlamperei

In Klagenfurt sind insgesamt 72 Personen als Zeugen geladen sind. Richterin Sabine Rossmann leitet den Prozess. Weil die heute Angeklagten, sie sind 27, 49 und 57 Jahre alt, mittels Fahndungsfotos in Zeitungen und Medien gesucht worden seien, hätten sich dann auch viele Zeugen oder auch Opfer gemeldet, die aus Sicht der Anwältin Christine Lanschützer aber nicht betrogen worden seien. Sie ortet auch Schlamperei bei den polizeilichen Ermittlungen. Beschlagnahmungen seien ohne Anwesenheit von den Beschuldigten durchgeführt worden – die Teppiche seien dann auch an Kunden ausgegeben worden, ohne das diese einen Eigentumsnachweis erbracht hätten. Sie fordert einen Freispruch. Auch die drei Angeklagten bekennen sich heute nicht schuldig.

Mehrere Prozesstage anberaumt

Am ersten Prozesstag wurde vorerst nur der Erstangeklagte befragt. Der 57-Jährige ist gebürtiger Franzose und lebt in Deutschland. Er gab an, aus einem traditionsreichen Teppichknüpfunternehmen mehrerer Generationen zu kommen. Gemeinsam mit seinem Sohn – er sitzt auch auf der Anklagebank – betrieb er Unternehmen in Wien und Lienz. Zuvor war der 57-Jährige auch in Deutschland tätig. Der Prozess ist für mehrere Tage angesetzt. Die Geschädigten werden als Zeugen im Herbst einvernommen. Für die Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.​