Die Schweizerin Andrea Gerster, eingeladen von Hildegard E. Keller, war die letzte Autorin am ersten Lesetag und brachte ihren Text „Das kann ich“ mit nach Klagenfurt. Teilweise wurde er gelobt, er sorgte aber auch für kritische Kommentare, zum Beispiel wegen fehlender Provokationen im Text (Kastberger). Generell wurde er als „bieder“ eingestuft, was von manchen Juroren als positiv bewertet wurde, von manchen als negativ – mehr dazu in Jurydiskussion Andrea Gerster.
Neuer Zugang zu altbekanntem Thema
Vor ihr las Julia Jost, geboren 1982 in St. Veit an der Glan, lebt in Hamburg. Sie präsentierte auf Einladung von Klaus Kastberger den Text „Unweit vom Schakaltal“, in dem die Ich-Erzählerin ein Bild Kärntens zeichnet. Zwar voll geographischer Schönheit, doch voll persönlicher Tragik – mehr dazu in Text von Julia Jost.
@@tvthek:ODc4M2hqZDcyOTNrbWQxNDUxOTU2NA==@@
Sie bekam großteils begeisterte Rückmeldungen von den Juroren. Sie schätzten den „rotzigen Ton“ (Keller) und wie das schon bekannte Thema Nationalsozialismus und nazistisches Gedankengut mit einem neuen Zugang aufbereitet wurde – mehr dazu in Jurydiskussion Julia Jost.
Von „Heiliger Maria“ zu „Star Wars“
Katharina Schultens (D) war die erste Autorin, die den ersten Lesevormittag eröffnete. Sie wurde von Jurorin Insa Wilke zu den Tagen der Deutschsprachigen Literatur eingeladen und präsentierte ihren Romanauszug „Urmünder“. Ihr Blick in die Zukunft löste unter den Juroren eine „chimärenhafte Diskussion“ aus, wie Nora Gomringer sie bezeichnete.
„Hochkomplexe Texte – hochpräzise Kritik“, fasste Moderator Ankowitsch die Diskussion zusammen. Das gesamte ikonographische Gebiet von der heiligen Maria bis „Star Wars“ sei aufgezeigt worden – mehr dazu in Jurydiskussion Katharina Schultens.
Wipauers Familienaufstellung polarisierte
Als zweite Autorin ging Sarah Wipauer an den Start. Geboren 1986 in Wien, lebt sie noch heute in der Bundeshauptstadt. Die erste von insgesamt sechs österreichischen Teilnehmern las auf Einladung von Klaus Kastberger ihren Text „Raumstation Hirschstetten“. Darin unternimmt die Autorin, die bisher kein Buch veröffentlicht hat, aber auf Twitter und ihrem Blog publiziert, eine Art Familienaufstellung im Weltall. Alles dreht sich um Gespenster, historische Persönlichkeiten und eine Raumstation angesichts des Todes – mehr dazu in Text in Sarah Wipauer.
Zunächst waren sich die Juroren einig, dass es sich bei dem Text stilistisch um das Gegenteil des zuvor Gehörten von Katharina Schultens handelt. Das fanden einige gut, andere nicht – mehr dazu in Jurydiskussion Sarah Wipauer.
Familiengeschichte sorgte für Jury-Diskussion
Als dritte Autorin am ersten Lesevormittag ging Silvia Tschui an den Start. Sie las auf Einladung von Nora Gomringer in Klagenfurt und präsentierte einen Auszug aus dem Roman „Der Wod“ unter dem Titel „Der Hartmut am Buffet“. Einmal mehr eine Familiengeschichte, die von zahlreichen Rückblenden lebt und durch ihre betont kindliche Sprache ins Auge sticht – mehr dazu in Text von Silvia Tschui.
Harte Kritik kam von Winkels und Kastberger, die den sprachlichen Umgang mit der Kriegsthematik als nicht adäquat empfanden. Gomringer meinte, der Text erkläre, wie Härte und Abscheu entstehen und wie der Krieg Nebengeschichten entstehen lässt, die tief in Familien eingreifen und Strukturen für immer verändern. Für Michael Wiederstein spricht in dem Text eine Großmutter – mehr dazu in Jurydiskussion Silvia Tschui.
Am Freitag um 10.00 Uhr geht es weiter
Die Lesungen werden am Freitag um 10.00 Uhr fortgesetzt. Es stehen Lesungen von Yannic Han Biao Federer, Ronya Othmann, der Österreicherin Birgit Birnbacher, dem jungen Newcomer Daniel Heitzler und Tom Kummer auf dem Programm.
Die Reihenfolge der Lesungen wurde laut Statuten des Bewerbs am Eröffnungsabend vom Los bestimmt – mehr dazu in Lesereihenfolge 2019.
Insgesamt lesen wie immer 14 Autorinnen und Autoren – mehr dazu in Autoren 2019.
Die Jury bleibt gleich zusammengesetzt wie im Vorjahr, Vorsitzender ist wieder Hubert Winkels – mehr dazu in Jury 2ß19.
Berichterstattung
Kärnten heute und Radio Kärnten berichten bis 30. Juni täglich. Im Fernsehen überträgt 3sat live. Der Deutschlandfunk sendet den gesamten Bewerb im Internet als Livestream. Die sozialen Netzwerke sind mit Facebook, Twitter und Instagram wieder stark vertreten – mehr dazu in Tage der deutschsprachigen Literatur Medien. Alle Lesungen und Diskussionen werden live unter bachmannpreis.ORF.at