Jazzmusiker Karlheinz Miklin beim Saxophonspielen
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Kultur

Jazzmusiker Karlheinz Miklin gestorben

Der gebürtige Kärntner Saxofonist, Komponist und Jazzpädagoge, Karlheinz Miklin, ist am Samstag im Alter von 72 Jahren gestorben. Er leitete von 1983 bis 2000 die Jazzabteilung der Grazer Kunstuniversität.

Miklin erlag Samstagmittag seinem zweiten Schlaganfall. Im Herbst wollte er mit seiner zweiten neuen Band mit dem Posaunisten Luis Bonilla debütieren. Der Kärntner Kulturreferent und Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) drückte Miklins Angehörigen und Wegbegleitern seine tiefe Anteilnahme aus. Kärnten habe einen die Menschen begeisternden Kulturbotschafter verloren.

In einem Interview mit dem ORF erzählte Karlheiz Miklin einmal, wie sich im Laufe der Jahrzehnte die Aufnahmetechnik bei den CD Produktionen geändert hat: „Der Idealfall ist, dass man im Studio ist und versucht, eine Livedarbietung zu simulieren – dass das Ganze ja nicht zu steril wirkt. Wenn man gut geprobt hat, gelingt es oft, dass man das Stück spielt und alle Soli passen. Man muss ein bisschen pragmatisch sein. Es kann sein, dass es vielleicht nicht mein bestes Solo war, aber wenn das ganze Stück passt, ist es ok. Man hat schon gewisse Korrekturmöglichkeiten jetzt in der neuen Technik. Am Anfang hat man wirklich nur das gehabt, was man in einem Stück gespielt hat. Man konnte ja nichts drüber spielen. Das kann man jetzt; man kann ein bisschen Fehler korrigieren. Es ist ein bisschen fehlerfreie als das, was live passieren kann. Aber man muss schauen, dass man das Ganze nicht zu steril macht.“

Viele Jahre international aktiv

Von 1983 bis 2000 leitete Miklin als einer der führende Jazzmusiker Österreichs die Jazzabteilung der Grazer Kunstuniversität. Mit zahlreichen internationalen Aktivitäten, unter anderen der legendären Reihe „Graz Meeting“, bei der internationale Starsolisten und Dozenten in Graz zu Gast waren, verschaffte er der Abteilung internationales Ansehen und öffnete die Kunstuniversität musikalisch und didaktisch. Er spielte mit Art Farmer, Slide Hampton und Mark Murphy und Bosko Petrovic und holte Sheila Jordan oder Jay Clayton um in seiner Klasse für „Jazz Vocals“ zu unterrichten.

Jazzmusiker Karlheinz Miklin beim Saxophonspielen
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Karlheinz Miklin 2017 bei einem seiner letzten Auftritte in Kärnten

Karlheinz Miklin wurde am 3. November 1946 in Klagenfurt geboren, wuchs in Bleiburg in einem musikalischen Umfeld auf und besuchte das Konservatorium in Klagenfurt. Vor seinem eigentlichen Musikstudium (Saxofon-Jazz) an der heutigen Kunstuniversität Graz studierte Miklin Geschichte und Germanistik an der Universität Graz. Dem Abschluss mit Auszeichnung im Jahr 1975 folgte unmittelbar der Würdigungspreis des Wissenschaftsministeriums.

Karlheinz Miklin als Kind beim Klavierspielen
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Karlheinz Miklin als Kind beim Klavierspielen

Weltreise statt Dissertation

Seine Dissertation in Geschichte brach er ab, um mit einer argentinischen Jazzgruppe auf Tour zu gehen. Daneben lehrte er als Gast u.a. in Boston, Seattle, Santiago de Chile und London. In Solokonzerten sowie als Gastmusiker trat er mit der ORF Big Band und der KUG Big Band auf.

Im Jahr 1975 erhielt Miklin den ersten Lehrauftrag an seiner ehemaligen Ausbildungsstätte. Von 1983 bis 2000 leitete er dort die Jazzabteilung. 1978 gründete er das legendäre Karlheinz Miklin Trio. 1984 startete er die erste von zahlreichen Touren mit dem – später fallweise zu einem Quarteto bzw. Quinteto erweiterten – Trio Argentina, das bei zahlreichen Jazzfestivals auf der ganzen Welt Konzertauftritte hatte. Er erarbeitete sich einen stark von der lateinamerikanischen Musik beeinflussten persönlichen Spielstil, der Latin-Elemente mit Bebop- und Avantgarde-Einflüssen, aber auch mit Einflüssen europäischer volksmusikalischer Tradition vermengt.

Vielfach ausgezeichnet

1993 holte Miklin den Weltgipfel der International Association of Schools of Jazz (IASJ) nach Graz, einer Vereinigung, zu deren Präsidenten er 2004 gewählt wurde.

Unter seinen Auszeichnungen ist neben dem Großen Josef Krainer Preis und dem Großen Goldenen Ehrenzeichen des Landes Steiermark vor allem der Karl-Böhm-Interpretationspreis zu erwähnen, den Karlheinz Miklin 2009 als erster Jazzmusiker erhielt. Am Grazer Jazzinstitut unterrichtete er auch nach seinem Rückzug aus der Leitungsfunktion bis ins Jahr 2015. Im selben Jahr wurde der Saxofonist vom deutschen Journal „jazzthing“ in die Liste der „European Jazz Legends“ aufgenommen und porträtiert.