Fläschchen mit roter Flüssigkeit
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Chronik

Betrüger nutzen Hoffnungen aus

Das Prinzip Hoffnung lässt immer mehr Menschen in die Betrugsfalle tappen: Neben dubiosen Heils- und Glücksversprechen samt Zaubertränken mit einem Schaden von tausenden Euro floriert auch der Betrug mit Liebesfallen über soziale Plattformen.

Der jüngste Fall in Kärnten betrifft eine 53-jährige Bosnierin, die in Klagenfurt lebt. Sie war im Internet auf einer Website auf eine selbst ernannten serbischen Heilerin aus Novi Sad gestoßen. Sie vertraute sich der Frau an und erhoffte sich Hilfe bei ihren Eheproblemen. Mittels Voodoozauber sollte der Ex-Mann dazu gebracht werden, die Scheidung zurückzuziehen. Das „Heilwasser“ der „Heilerin“ sollte dazu in der Lage sein.

„Heilerin“ stand vor der Tür

Eines Nachts Ende Mai stand die Heilerin mit einer zweiten Frau plötzlich vor der Wohnung der Klagenfurterin und verlangt Geld. Als sich die Frau zuerst weigert, zu zahlen, drohen ihr die Frauen, den Voodoozauber gegen sie selbst anzuwenden. Also zahlt die 53-Jährige und übergibt den Betrügerinnen auch teuren Schmuck. Die beiden verschwinden, ohne ihren Voodoozauber gewirkt zu haben. Aufgrund der Schadenshöhe wird der Voodoo-Fall vom Kriminaldienst übernommen.

Um der Täterinnen habhaft zu werden, werden die Beamten mit dem Ausland zusammen arbeiten müssen. Die Justiz tut sich generell schwer mit Zauberern, Handauflegern oder Wahrsagern. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft,
Markus Kitz, sagte im Regelfall sei es Scharlatanerei. Aber wenn der Betroffene daran glaube, wirke es vielleicht. Mit dem Strafrecht komme man dem schwer bei, außer man könne den Tätern eine eindeutige Betrugs- und Täuschungsabsicht nachweisen.

Hinter Love Scam stecken Profis

Auch Liebesfallen im Internet, so genannte Love Scams, beschäftigen die Polizei, der Schaden geht auch hier in die Hunderttausende. Meistens stecken hier laut Polizei professionelle Banken aus Afrika dahinter. Sie stellen Beziehungen zu ihren Opfern her, oft über Monate. Irgendwann ist dann von Geld die Rede, um eine Krise zu überbrücken oder eine Operation zu bezahlen.

Erst am Donnerstag erstattete eine 25-jährige Frau Anzeige. Sie hatte sich vor zwei Monaten auf Instagram in einen angeblichen amerikanischen Militärangehörigen verliebt und Geld überwiesen, um ihrem angeblichen Freund finanziell auszuhelfen.

„Perfekt gemacht“

Cybercrime-Experte Reinholf Jank sagte, Liebe mache blind. „Aber hinter den Tätern stecken perfekte Betrüger mit gute Umgangsformen, die teilweise auch gestohlene Identitäten verwenden, die man recherchieren kann. Das wird perfekt gemacht und wenn Gefühl im Spiel sind, kann man sich vorstellen, dass Menschen da hineinfallen.“

Das Erfolgsgeheimnis der Täter liegt darin, dass massenweise über soziale Medien oder Email Kontakt aufgenommen wird, irgendjemand reagiert immer. Die Fälle von Cybercrime stiegen deshalb zuletzt stark um 9,5 Prozent. Allein im letzten Jahr gab es 980 Anzeigen. Weil sich viele Opfer schämen, zur Polizei zu gehen, ist die Dunkelziffer riesig.