Politik

Gemeinsames Gedenken der Volksabstimmung

Wien und Ljubljana wollen 2020 gemeinsam des 100. Jahrestags der Kärntner Volksabstimmung gedenken. Dafür plädierten Bundespräsident Alexander Van der Bellen und sein slowenischer Amtskollege bei einem Treffen am Donnerstag. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) steht einer Beteiligung Sloweniens an den Feiern offen gegenüber.

„Ich denke, dass es gut wäre, über den Vorschlag nachzudenken, eine gemeinsame Manifestation zu haben“, sagte Sloweniens Präsident Borut Pahor am Donnerstag nach einem Treffen mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen in Wien. „Ich sehe das genauso wie Präsident Pahor“, ergänzte dieser.

Landeshauptmann offen für gemeinsames Gedenken

Landeshauptmann Kaiser sagte dazu: „Wir haben bereits Kontakt mit den beiden Präsidentschaftskanzleien aufgenommen, um gemeinsam Möglichkeiten, beispielsweise in Form einer gemeinsamen Festsitzung im Kärntner Landtag, zu klären“, teilte Kaiser am Donnerstag mit.

Die beiden Präsidenten verwiesen bei ihrem Treffen in diesem Zusammenhang auf die gemeinsame EU-Mitgliedschaft Österreichs und Sloweniens. Bei der Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 hatten sich die Bewohner des damals überwiegend slowenischsprachigen Südkärnten mit deutlicher Mehrheit für den Verbleib bei Österreich und damit gegen den Anschluss an das spätere Jugoslawien ausgesprochen. In Slowenien wird dieses Votum verbreitet als Niederlage und Verlust empfunden.

Kaiser: „Einmalige Chance“

Kaiser bezeichnete das Jubiläums-Gedenken als „einmalige Chance, unsere Toten gemeinsam zu ehren, und zu zeigen, wie und dass aus einstigen Feinden durch gegenseitiges Zuhören, Verstehen und Verzeihen nicht nur Nachbarn und Freunde, sondern eine Familie wurde“. Deutsch und Slowenisch sprechende Kärntnerinnen und Kärntner seien „die lebendige Verkörperung des europäischen Grundgedankens ‚In Vielfalt geeint‘“, so Kaiser.

Pahor: Erhalt der deutschen Minderheit in Slowenien

Der SPÖ-Politiker begrüßte auch die Signale der beiden Präsidenten in der Frage der Minderheitenpolitik. Das Lob Pahors und Van der Bellens, die Kaiser als „Freunde Kärntens“ bezeichnete, wertete er als „Bestätigung unseres Kärntner Versöhnungsweges, der schon unter meinem Vorgänger Gerhard Dörfler begonnen hat und von mir konsequent fortgesetzt wird“.

Kaiser zeigte sich auch besonders erfreut über das Versprechen Pahors, sich für den Erhalt der Identität der deutschsprachigen Minderheit in Slowenien einzusetzen. „Wenn Borut Pahor sagt ‚Das bereichert uns‘, dann lässt das darauf hoffen, dass das jahrelange Bemühen zur Verbesserung der Situation der deutschsprachigen Minderheit Früchte tragen wird“, so Kaiser.

Darmann: Anerkennung der Minderheit als Gastgeschenk

Kritisch beurteilt Kärntens FPÖ-Landesparteiobmann Gernot Darmann die Ergebnisse des Gespräches zwischen dem Österreichischen Bundespräsidenten und Sloweniens Staatspräsidenten. „Beim Pressetermin mit Bundespräsident Van der Bellen forderte Pahor die österreichische Regierung mit Blick auf die Volksabstimmungsfeier zu einer Geste zugunsten der Kärntner Slowenen auf und nannte konkret die Finanzierung von Kindergärten oder slowenischen Wochenzeitung Novice. Dabei vergisst Pahor wohl, dass die Kärntner Volksgruppenpolitik beispielgebend auf europäischer Ebene ist und die Kärntner Slowenen zu jenen Volksgruppen in Europa zählen, die finanziell ab besten gefördert werden", so Darmann.

"Anstatt weitere maßlose Forderungen zu stellen, soll Pahor endlich dafür sorgen, dass die Altösterreicher in Slowenien anerkannt werden. Wenn also Pahor zu einem gemeinsamen Volksabstimmungs-Gedenken nach Kärnten kommen will, soll der die Anerkennung der deutschsprachigen Volksgruppe als autochthone Minderheit als Gastgeschenk mitbringen“, sagt Darmann.