Bischof Alois Schwarz in der Kirche
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Religion

Viele Fragezeichen zu Causa Schwarz

In der Causa rund um den ehemaligen Kärntner und nunmehrigen St. Pöltener Bischof Alois Schwarz ist es ruhig geworden. Weiter ist unklar, ob gegen den früheren Bischof von Gurk Anklage erhoben oder ob die Untersuchungen eingestellt werden. Welche Konsequenzen die päpstliche Visitation haben könnte, ist ebenso offen.

50 Wochen dauert mittlerweile die Sedisvakanz in Kärnten. Der Visitationsbericht liegt in Rom, der Akt, den der Richter im Zuge eines Arbeitsgerichtsprozesses im letzten Herbst an die Staatsanwaltschaft übermittelt hat, ist mittlerweile durch viele Instanzen und Ämter gewandert.

Am Anfang stand das Ende eines Dienstverhältnisses. Die Vertraute des Bischofs will ihre Kündigung nicht hinnehmen und befasst das Arbeitsgericht. Der Klagenfurt Richter Helfried Kandutsch verhandelt und handelt: Wegen des Verdachtes der Untreue übermittelt er die Unterlagen an die Staatsanwaltschaft. Diese gibt den Akt wegen möglicher Befangenheit in Kärnten nach Graz weiter. Dort gibt die zuständige Staatsanwältin den Fall bald wieder ab – wegen eines Naheverhältnisses zu einer Anwaltskanzlei, die vom Salzburger Erzbischof im Zuge seiner Apostolischen Visitation beauftragt wurde, Akteneinsicht zu nehmen.

Bischof Alois Schwarz in der Kirche
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Oberstaatsanwaltschaft Wien mit Causa befasst

Wochen später kam es wieder zu einer Änderung und einen neuen Schauplatz: wegen der Komplexität des Verfahrens und der Stellung der Person, wie es von der Staatsanwaltschaft Graz heißt, ist nun die Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien zuständig. Nach Medienberichten über Jagdeinladungen und verschenkte Abschüsse in Kärntner Wäldern steht der Korruptionsvorwurf im Raum.

Es bleibt aber nicht in dieser Instanz, der Akt zur Causa rund um Bischof Schwarz zieht samt Vorhabensbericht weiter zur Oberstaatsanwaltschaft Wien. Auch da, so sagt deren Sprecher, ist noch nicht Endstation.

Noch keine Reaktion aus Rom

Die Sachlage wird geprüft, der Akt mit einer Stellungnahme ergänzt und an das Justizministerium übermittelt. Dort wird der Weisungsrat befasst. Dieser nimmt die Sachlage zur Kenntnis, heißt es. Der Akt sei zurück an die Oberstaatsanwaltschaft bzw. Korruptionsstaatsanwaltschaft geschickt worden. Von dort ist am Mittwoch zu hören, dass es im Zusammenhang mit den Jagdeinladungen keine Ermittlungen mehr geben wird.

Noch im Laufen sind Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue gegen den Bischof, offen ist auch noch die Frage, ob es ein Vergehen im Zusammenhang mit dem Verkauf einer Wohnung gegeben hat. Was die Finanz- und Steuerangelegenheiten betrifft wird es einen erneuten Vorhabensbericht geben, der dann wieder durch die Instanzen geht. Ob überhaupt etwas passiert, ob es zu einer Anklage kommt oder die Untersuchungen eingestellt werden, will zu jetzigen Zeitpunkt niemand kommentieren.

Warten muss man auch auf eine Reaktion aus Rom. Nach Übermittlung des Berichtes des Apostolischen Visitators vor Ostern ist auch nach Pfingsten nicht klar, wie die römische Bischofskongregation und letztlich der Papst entscheiden werden und ob es Konsequenzen in Niederösterreich und Kärnten gibt oder der Bericht zur sicheren Verwahrung in den Vatikanischen Archiven landet.

Spekulationen über mögliche Bischofsnachfolge

Ob es zeitnahe einen neuen Bischof für Kärnten geben wird lässt sich schwer abschätzen. Möglicherweise möchte Pedro Lopez Quintana, der neue Nuntius in Österreich, zuerst klare Verhältnisse zur Vergangenheit haben, bevor er dem Papst einen Dreiervorschlag für einen neuen Oberhirten in Gurk-Klagenfurt vorlegt. Spekuliert wird weiter, bestimmt auch bei der nächsten Vollversammlung der Bischofskonferenz, die nächste Woche in Marizell tagt.