„Aufgezeigt“: Kampf um Lift

Maria und Ernst Koraschnigg bemühen sich seit fünf Jahren um einen nachträglichen Lifteinbau in ihrem Wohnblock mit Eigentumswohnungen. Das „Aufgezeigt“-Team geht bei der Verwaltung der Frage nach, warum das bis jetzt nicht möglich war.

Vor knapp 50 Jahren kauften Maria und Ernst Koraschnigg eine Wohnung im dritten Stock einer Eigentums-Wohnanlage in Viktring. Inzwischen sind die Kinder erwachsen, Maria und Ernst Koraschnigg sind zu Oma und Opa geworden und längst nicht mehr gesund. Jede einzelne der 64 Stufen bis in ihre Wohnung ist für das Ehepaar eine Tortour.

Aufgezeigt Lift

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In dieser Wohnanlage in Viktring wohnt seit 50 Jahren Familie Koraschnigg.

Ernst Koraschnigg sagt, viele seiner ehemaligen Nachbarn seien weggezogen, weil sie es wegen ihrer körperlichen Gebrechen nicht mehr in ihre Wohnungen schafften: „Es wäre wünschenswert, wenn es gelänge, einen Lift nachträglich einzubauen.“ Seine Frau Maria ist momentan sehr krank und schwach. Sie selbst komme nur noch mit Schwierigkeiten über die Stiegen, räumt Maria Koraschnigg ein und erinnert sich, wie ihr schwer kranker und mittlerweile schon verstorbener Nachbar von der Rettung mühevoll ins Freie gebracht wurde: „Es wurden oft junge Mädchen oder Burschen hergeschickt, die dann diese 80 oder hundert Kilogramm schwere Person hinuntertragen mussten. Das schafft ja niemand.“

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Maria und Ernst Koraschnigg im Gespräch mit Gudrun Maria Leb von „Aufgezeigt“

Zwei-Personen-Lift ginge sich aus

Bei ihrem Besuch mit dem „Aufgezeigt“-Team maß Gudrun Maria Leb gemeinsam mit Ernst Koraschnigg nach, ob in das Stiegenhaus überhaupt ein Lift passt. Das Treppenauge, also der rechteckige freie Platz zwischen den Stiegen, misst 93 x 168 Zentimeter. Ein Zwei-Personen-Lift ginge sich tatsächlich aus. Als Hausvertrauensmann in seinem Block regte Ernst Koraschnigg den Liftbau vor fünf Jahren bei der Verwaltung: „Es gab einmal eine Abstimmung, die negativ ausgegangen ist. Seit dem haben wir nichts mehr gehört.“

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Der Lokalaugenschein zeigt: ein Zwei-Personen-Lift ginge sich in dem schmalen Schacht aus.

Hohe Förderungen wären möglich

Der Zwei-Personen-Lift würde ungefähr 100.000 Euro pro Stiegenhaus kosten. Der nachträgliche Einbau von Liften wird in Kärnten gerade jetzt bei Wohnanlagen mit mindestens sechs Wohnungen, die als Hauptwohnsitze bewohnt werden, hoch gefördert.

Laut Angelika Fritzl von der Wohnbauförderung betrage der Zuschuss 30 Prozent der Investitionskosten: „Maximal gibt es einen Zuschuss von 45.000 Euro pro Stiegenhaus.“ Dieser werde in Zehn-Jahres-Tranchen ausbezahlt und sei nicht rückzahlbar. „Entweder man wohnt als Eigentümer selbst in der Wohnung oder die Wohnung ist vermietet.“ Der Lift ist also technisch machbar und noch dazu - durch die Förderung - so günstig wie nie zuvor.

Lokalaugenschein: Mini-Lifte als Aufstiegshilfe

Auf Nachfrage des ORF zeigt Direktor Wolfram Stöby von der gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft Kärnten bestehende Mini-Lifte in den Stiegenhäusern einer Mietanlage im Stadtteil Welzenegg. 23 Stiegenhäuser wurden für die Mieter mit Liften nachgerüstet.

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80 x 80 Zentimeter - da muss man sich schon wirklich mögen, wenn man zu zweit einsteigt.

Mehrheit der Eigentümer muss für Lift stimmen

Auf die Frage, warum bei der Anlage in Viktring schon seit fünf Jahren nichts weitergehe, meinte Stöby: „Uns war nicht klar, welche Lifte wir dort einbauen können. Erst seit diesem Projekt wissen wir, dass es Spezialanfertigungen für so kleine Stiegenhäuser gibt.“ Außerdem handle es sich in diesem Fall um eine Wohnungs-Eigentumsanlage. „Dabei brauchen wir die Zustimmung aller Eigentümer, dass wir den Lift auf allgemeinen Flächen errichten dürfen. Wir haben das bereits probiert und sind bisher immer an der Mehrheit der Eigentümer gescheitert.“ Es bräuchte die Mehrheit der 160 Eigentümer der fünf Wohnblöcke. „Das heißt, mit 81 Eigentümern könnten wir das bei Gericht als einstimmig erklären lassen, wenn kein anderer Eigentümer Einspruch erhebt.“

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Lageplan der Viktringer Siedlung, wo der Lift eingebaut werden sollte.

Genossenschaft strebt neuerliche Abstimmung an

Grundsätzlich sei die Genossenschaft bestrebt, überall dort, wo es technisch machbar sei, Lifte einzubauen: „Wir werden versuchen, noch einmal eine Abstimmung in die Wege zu leiten und hoffen, dass wir dann die Mehrheit der Eigentümer davon überzeugen können, dass wir die Lifte nachträglich errichten.“ Es werde ein Rundschreiben hinausgegeben, um die Eigentümer zu informieren: „Wir hoffen auf zahlreiche Rückmeldungen von Eigentümern, die einen Lift haben möchten.“

Der Wille ist also durchaus vorhanden und die Förderung würde sicher auch klappen.

Für Maria und Ernst Koraschnigg heißt das jetzt: Unterschriften sammeln. Die Motivation bei den beiden stimmt jedenfalls: „Wenn ein Lift da ist, bedeutet das eine Aufwertung der Wohnung. Man kann es nicht immer nur negativ sehen.“

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Gudrun Maria Leb im Gespräch mit Angelika Fritzl.

Sendungshinweis:

„Aufgezeigt“ in Radio Kärnten/Kärnten heute; 25.9.2018

Mitdiskutieren und Fragen stellen

Am Dienstagnachmittag wird in „Radio Kärnten“ in der Rubrik „Aufgezeigt“ wieder live diskutiert. Angelika Fritzl von der Wohnbauförderung des Landes und Wolfram Stöby von der Gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft werden als Gäste im Studio erwartet. Sie können alle Fragen zum Thema Umbau in Wohnanlagenund im Eigenheim und Förderungsmöglichkeiten stellen. Ab 15.00 Uhr in der Radio Kärnten Family.