Vom „Etablissement“ im Villacher Kirchturm

Um den Kirchturm der Stadtpfarrkirche St. Jakob in Villach ranken sich viele kuriose Geschichten. Die Stadt dachte, er gehöre ihr, schenkte ihn aber der Kirche. Die Nazis nahmen ihn der Kirche wieder weg. Später wollte die Stadt im Turm ein „Etablissement“ erlauben.

Die Villacher erheben den Anspruch, Kärntens höchsten Kirchturm zu besitzen, er soll mit 94 Metern um exakt zwei Meter höher als der des Erzrivalen Klagenfurt sein. Gesichert ist auf jeden Fall, dass der Villacher Turm etwas Besonderes ist so Chronist Gernot Rader: „Er ist ein Campanile. Wie in Italien üblich, steht der Turm getrennt vom Kirchenschiff.“

Schenkung der Stadt an die Kirche

1936 begann mit dieser Tatsache eine kuriose Geschichte, so Rader: „Die Stadtverwaltung hat den Turm der Kirche geschenkt.“ Zwei Jahre später übernahmen die Nationalsozialisten die Macht und nahmen den Turm der Kirche wieder weg. Nach dem Krieg verlangte die Kirche den Turm nach dem Rückstellungsgesetz zurück. Der damalige SPÖ-Bürgermeister von Villach, Viktor Petschnik, sagte, das komme gar nicht in Frage.

Stadtpfarrkirche Villach St Jakob

ORF/Petra Haas

Kirchenschiff und Turm sind voneinander getrennt, ein überdachter Gang verbindet sie

Der Streit kam vor Gericht: "Die Kirche hat gewonnen. Als der Generalvikar 1950 in Villach mit den Stadtvätern über eine Lösung verhandelte stellte sich heraus, dass die Stadt im Turm die Konzession für ein so genanntes „Etablissement" erteilt hatte.“ Der Generalvikar war über diese Sünde so erbost, dass er die Verhandlungen abgebrochen habe, so Rader.

Unrechtmäßig der Stadt überschrieben

Diese ganzen Streitigkeiten wären aber gar nicht nötig gewesen, denn „bei genauerer Prüfung stellte sich später heraus, dass der Turm sei eh und je der Kirche gehört hatte. 1884 hat ihn jemand einfach der Stadt als Eigentum überschrieben, der Täter wurde nie ausgeforscht.“ In seiner heutigen Form ist nur noch der untere Teil aus dem Mittelalter, wegen Brand- und Erdbebenschäden wurde er öfter umgebaut.

Villach Innenstadt Blick Kirchturm

ORF/Petra Haas

Blick vom Turm auf Villach - während des Kirchtags

Die Stadt investierte mit Erlaubnis der Pfarre St. Jakob in den Turm, damit er besichtigt werden kann und man auf die Aussichtsplattform gelangt. Man sieht in alle Richtungen weit über die Stadt, was viele Touristen gerne nützen. Allerdings gehört nicht der ganze Turm der Kirche: „Die Turmuhr hat immer schon der Stadt gehört.“

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