Nach Unfall: Keine Anklage gegen Polizisten

Ein mysteriöser Autounfall ohne scheinbaren Lenker hat die Klagenfurter Staatsanwaltschaft Monate beschäftigt. Wegen Amtsmissbrauch ermittelt wurde auch gegen einen Polizisten, der Onkel des Lenkers, diese Ermittlungen wurden nun eingestellt.

Am letzten Sonntag im Februar kam ein Autofahrer in Seeboden links von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Sockel. Das Auto wurde stark beschädigt. In dem Auto fand die Polizei am Beifahrersitz einen 26-jährigen, stark betrunkenen Mann. Das Auto gehörte seinem Vater. Der 26-Jährige gab an, nicht zu wissen, wer den Wagen gelenkt hatte - mehr dazu in Unfall: Betrunkener Beifahrer gibt Rätsel auf.

Auf der Suche nach dem Lenker startete die Polizei umfangreiche Ermittlungen. Fingerabdrücke wurden genommen, sogar DNA-Untersuchungen wurden durchgeführt. Der angebliche Beifahrer wurde auf dem Posten Seeboden einvernommen.

Onkel legte Beweisfoto vor

Bei der Polizeiinspektion abgeholt wurde der 26-Jährige damals von seinem Onkel, der selbst Polizist ist. Dieser Polizist brachte sich durch sein Verhalten selbst ins Visier der Ermittler – mehr dazu in Nach Unfall Ermittlungen gegen Polizisten. Er soll sich in die Amtshandlungen eingemischt und sogar Freunde des Neffen kontaktiert haben. Außerdem übergab er den ermittelnden Beamten ein Foto, auf dem eine Rötung rechts am Hals seines Neffen zu sehen ist. Nur der Gurt auf der Beifahrerseite könne eine Rötung der rechten Halsseite verursachen, schlussfolgerte der Polizist.

Unfalllenker muss vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft kam aber nun zu dem Schluss, dass der angebliche Beifahrer der Lenker gewesen sein muss. Die Rötung auf der rechten Halsseite kann nach Auswertung der DNA-Spuren nicht vom Gurt stammen - denn diesen hatte der 26-Jährige gar nicht angelegt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 26-Jährige nach dem Unfall ausstieg und über das Fenster auf der Beifahrerseite des Wagens kletterte. Wegen dieser Täuschung wird sich der 26-Jährige vor Gericht verantworten müssen, die Verhandlung gegen ihn wird am Bezirksgericht Spittal an der Drau stattfinden.

Disziplinarverfahren läuft

Die Ermittlungen wegen Missbrauchs der Amtsgewalt und Fälschung eines Beweismittels gegen den Polizisten wurden hingegen eingestellt. Es sei im Zweifel davon auszugehen, dass der Polizist nur als Onkel seinem Neffen habe helfen wollen, hieß es. Das Foto habe er von der Mutter des 26-Jährigen bekommen und nur weiter geleitet.

Die Suspendierung des Mannes vom Polizeidienst wurde vor einigen Tagen aufgehoben. Das Disziplinarverfahren gegen ihn läuft allerdings noch. Erst in einigen Wochen wird das Ergebnis feststehen.