Überaltete Autos als Umweltlast

Autofahrer zeigen sich angesichts der Diesel-Verbotsdiskussionen zwar verunsichert, auf die Umsätze der Autohändler scheint das jedoch keine Auswirkungen zu haben. Die Händler sehen in den 1,4 Millionen überalteten Autos das größere Umweltproblem.

Am Dienstag lädt Verkehrsminister Jörg Leichtfried die heimischen Automobilimporteure zu einem Dieselgipfel. Wie in Deutschland soll es auch in Österreich Nachbesserungen für alte Diesel-Pkws geben, um den Schadstoffausstoß zu senken und für bessere Luft zu sorgen. Die Erwartungen an den Gipfel sind - auch beim Autofahrerclub ÖAMTC, der zu diesem Treffen nicht geladen ist - gering. Der Sprecher der Kärntner Autohändler Hubert Aichelseder hofft auf „Teilnehmer, die von Technik eine Ahnung haben“.

Benzin oder Dieselprozess?

Der Dieselprozess sei - weil er mit einem minderwertigeren Kraftstoff auskommen müsse - das bessere und effizientere Brennverfahren, als jenes des Ottomotors, so Aichelseder. Bei den Kohlenmonoxidwerten sei der Dieselmotor besser als der Benzinmotor. Bei den Stickoxiden sehe es anders aus, diese müssten nachbehandelt werden. Die Labortests bei Standardsituationen seien hier zwar in Ordnung, bei bestimmten Temperaturen habe das System jedoch EU-weit nicht mehr funktionieren müssen. Diese Möglichkeiten würden nun eingeengt, um sauberere Fahrzeuge zu schaffen.

Die mediale Berichterstattung vor allem in den deutschen Medien habe zur Folge, dass das Thema „sehr aufgebauscht“ werde. Aichelseder: „Dennoch sollte man die Kirche wirklich im Dorf lassen. Wir haben in den letzten 15 Jahren laufende Verschärfungen der Abgasnormen gehabt und haben diese auch weiter.“

Gesetzgeber müsse Anreize schaffen

Von den 4,8 Millionen Fahrzeugen auf Österreichs Straßen würden 1,4 Millionen „nicht einmal EURO 3 (Abgasnorm, die seit dem Jahr 2000 gilt; die Red.) erfüllen“, so Aichelseder. Hier müsse der Gesetzgeber etwas tun, wie schon 2009 bei der Ökoprämie, um überaltete Fahrzeuge die zu viel Schadstoffe emittierten, aus dem Verkehr zu ziehen, so Aichelseder.

Was bei der jetzigen Diskussion „hochkoche“ sei, dass der Industrie „sehr weite Grenzen“ in Bezug auf Temperatur und Höhenmeter gelassen worden wären, die Abgaswerte nach den Normen nicht zu erfüllen. Mit 1.9.2017 werde ein neuer Verfahrenszyklus in Gang gebracht, dieser enthalte auch „Real Drive“-Komponenten, werde also auch im Normalbetrieb getestet.

Händler: Keine Umsatzeinbrüche

Insgesamt sei die Diskussion „überzogen“, so Aichelseder. „Es wird ohne Benzin- und Dieselfahrzeuge in den nächsten 20 bis 30 Jahren nicht gehen.“ Antriebe würden sich immer weiter elektrifizieren und damit Elektrokomponenten enthalten, das heiße jedoch nicht, dass alle Verbraucher in Zukunft auf Elektrofahrzeuge umstellen werden.

Die Verkaufszahlen für dieselgetriebene Autos blieben von der jetzigen Diskussion unbeeinflusst. Aichelseder: „Wir merken nicht, dass sich das Verhalten der Kunden gravierend geändert hätte.“ Es gebe aber eine vermehrte Diskussion mit Kunden und Interessenten zum Diesel und Benzin.

Global 2000: Gesundheit in Mittelpunkt stellen

Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 fordert anlässlich des Dieselgipfels eine völlige Neuausrichtung der Mobilitätspolitik in Österreich. Durch die „schamlose Manipulation bei Abgaswerten“ würden Autokonzerne die Gesundheit der Bevölkerung gefährden und Fortschritte beim Klimaschutz behindern, sagte der Klimasprecher von GLOBAL 2000, Johannes Wahlmüller.

Betroffenen Modelle müssten auf Kosten der Hersteller nachgerüstet werden. Die Gesundheit der Bevölkerung und Klimaschutz müssten „Vorrang vor den Profitinteressen einiger weniger haben“, sagte Wahlmüller.

Überschreitungen auch in Klagenfurt

Insbesondere Dieselmotoren würden zu hohen Stickoxidemissionen führen, heißt es in der Aussendung von Global 2000. Jede fünfte Messstation in Österreich zeige Überschreitungen an. Besonders betroffen seien die Städte Wien, Linz, Graz, Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt, St. Pölten, Hallein, Lienz, Lustenau und Feldkirch.

Stickoxide könnten die Lungenfunktion beeinträchtigen und zu Asthma und Herz-Kreislauferkrankungen führen. Besonders gefährdet seien Kinder. Die Europäische Umweltagentur (EEA) schätzt, dass in Österreich 920 vorzeitige Todesfälle durch Erkrankungen in Folge von Stickoxidemissionen auftreten, warnt Global 2000.

So werden in Norwegen ab 2025 keine neuen PKW mit Diesel- oder Benzinmotoren mehr neu zugelassen, in Frankreich und Großbritannien sind ähnliche Schritte in Vorbereitung.

Team Kärnten: Klimapolitik ohne Hausverstand

Keine neuen Dieselautos ab 2030 oder 2040 bedeute, so Landesrat Gerhard Köfer vom Team Kärnten, „dass die Klimapolitik drauf und dran ist, sich völlig vom gesunden Hausverstand zu verabschieden“. Es sei „wirtschaftlich höchst schädlich, aus Umweltgründen unnötig und aus der Sicht vieler Experten eigentlich unmöglich“.

Die Diskussion und die Forderungen in diese Richtung seien ideologisch motiviert und führten in eine wirtschafts-und umweltpolitische Sackgasse. Die Mehrheit der in Österreich zugelassenen Fahrzeuge sei dieselbetrieben. Bei Lkw werde fast ausschließlich auf Diesel gesetzt.