Bionik: Wenn Technik die Natur kopiert

Die Naturwissenschaftlerin Ille Gebeshuber hat in Villach ihr neues Buch „Wo die Maschinen wachsen“ vorgestellt. Die Expertin für Nanotechnologie beschreibt, wie man in Sonnenblumen giftige Metalle bindet oder schmutzabweisende Oberflächen gewinnt.

Die Wahlkärntnerin und Physikerin Ille Gebeshuber ist davon überzeugt, dass Villach die geheime Hochburg der Bionik in Österreich ist. In ihrem neuen Buch beschreibt sie, wie die Technik Natur als Vorbild für die Entwicklung von Materialien, Strukturen und Prozessen erforscht. Sie geht mit Kindern in Auwälder, um die vielen Wunder der Natur zu beobachten.

„Neugierige, interessierte Menschen“

Mit Wissenschaftlern besucht sie malaysische Regenwälder, um durch interdisziplinäre Forschung dazu beizutragen, dass Nützliches aus der Natur nachhaltig und umweltfreundlich produziert werden kann. Gebeshuber sagte, durch neugierige, interessierte Menschen, die weit weg vom Internet seien, fange man an, voneinander und miteinander zu lernen. Man schaffe eine neue Denkumgebung, die Voraussetzungen für das Finden von neuen und andersartigen Lösungen seien.

Ille Gebeshuber Buch Bionik Wo die Maschinen wachsen
Ille Gebeshuber

Inspiration Kohlweißling

Man entdeckte schmutzabweisende Oberflächen oder auch Bakterien, die Magnete erzeugen können. Man erkannte die Eigenschaften von so genannten Strukturfarben durch Beobachten eines Kohlweißlings: „Beim Kohlweißling war es so, dass ich ein rasterelektronenmikroskopisches Bild gesehen habe, wie er durch kleinste, regelmäßige, wunderschöne Strukturen sein Weiß macht, aber auch den schwarzen Punkt am Flügel.“ Die Farben entstehen durch winzigste Perlen, die das Licht in alle Richtungen streuen und weiß erscheinen lassen.

Pflanzen helfen beim Bergbau

Auch, dass man mit Pflanzen Bergbau betreiben kann, wurde inzwischen nachgewiesen. Oder dass Sonnenblumen bei der Reinigung von Metall verseuchten Böden einsetzbar sind: „Sie holen die Metalle aus dem Boden und lagern sie etwa in den Blütenblättern oder Stängeln ein und reinigen den Boden durch giftige Schwermetalle: Sie schrecken Fressfeinde ab und stellen für Menschen auch noch Metall zur Verfügung. Wenn man vertrocknete Blütenblätter verbrennt, entsteht Bioerz.“ Daraus könne man Kupfer oder Kadmium gewinnen.

Ein Freund pflanze mit seiner Firma in Indonesien auf Abraumhalden von Goldminen indischen Senf. Der Goldgehalt sei so niedrig, dass sich ein konventioneller Bergbau nicht auszahle, aber die Pflanzen ziehen soviel Gold aus dem Boden, dass man aus ihnen Gold gewinnen könne, so Gebeshuber.

Abstimmen im Internet

„Wo die Maschinen wachsen“ - Wie Lösungen aus dem Dschungel unser Leben verändern werden - steht derzeit auf der Shortlist für das Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Wissenschaft und Technik. Via Internet kann jeder bis zum 9. Jänner darüber mit abstimmen. Das Buch ist im ecowin-Verlag erschienen.

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