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DI | 09.02.2010
geburtstag
Otto Scrinzi wird 90
Otto Scrinzi feiert am 5. Februar seinen 90. Geburtstag. Der gebürtige Osttiroler, Wahlkärntner, Psychiater und Publizist war viele Jahre lang ein äußerst umstrittener Politiker und wird in vielen Lexika als rechtsextrem beurteilt.
Drei politische Kräfte wiederherstellen
Otto Scrinzi promovierte 1941, mitten im Krieg, war SA-Sturmführer (Schutzabteilung) und Mitglied der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter Partei). Nach dem zweiten Weltkrieg arbeitete er als Nervenfacharzt. Er war Primararzt an der psychiatrischen Männerabteilung des Landeskrankenhauses Klagenfurt 1955 und Lehrbeauftragter an der Universität Graz 1973.

Weitere Aufgaben: Funktionär der Ärztekammer 1949, Abgeordneter zum Kärntner Landtag 1949 bis 1956, Obmannstellvertreter des Klubs der FPÖ 1977.

Politisch startete Scrinzi seine Laufbahn nach dem Krieg als Geburtshelfer der VdU (Verein der Unabhängigen), die Vorgängerpartei der FPÖ. Wie er es heute sieht, eine seiner wichtigsten politischen Maßnahmen.

Scrinzi: "Wir hatten damals vor allem die Aufgabe gehabt, die fast 3,25 Millionen österreichischen Bürger wieder ins politische Leben einzugliedern…und die drei tragenden politischen Kräfte, die Christlich-Konservativen, die Sozialdemokraten und die sogenannten Nationalen wieder herzustellen."
"Immer gegen Kollektivschuldthese"
Dass er selbst durch seine politischen Aussagen und seine Publikationen als rechtsextrem beurteilt wird, stört Scrinzi, der auch zurückweist, jemals eine Generalamnestie für NS-Verbrechen gefordert zu haben. "Ich war immer der Meinung, dass dort, wo persönliche Schuld vorliegt, wo kriminelle, verbrecherische Dinge geschehen sind, die Betreffenden zur Verantwortung zu ziehen wären. Ich habe mich immer nur gegen die Kollektivschuldthese gewandt."

Als aktiver Politiker habe er sich gegen den Vorwurf, er sei rechtsextrem, immer gewehrt, ebenso in seinen Publikationen. Er sehe sich einfach als rechten Politiker. Otto Scrinzi war Ende der 60er Jahre FPÖ-Spitzenpolitiker, Abgeordneter und stellvertretender Parteiobmann. 1984 gründete er die National-Freiheitliche Aktion, kandidierte 1986 bei der Bundespräsidentenwahl, erreichte aber nur 1,2 Prozent der Stimmen.
"Haider versetzte dritten Lager fast Todesstoß"
Als Jörg Haider 1986 die FPÖ übernahm, kehrte Scrinzi zur FPÖ zurück. Haider sei sicher das größte politische Talent des dritten politischen Lagers. Mit seiner Abspaltung im Jahre 2005 habe er der dritten Kraft in Österreich aber fast den Todesstoß versetzt, kritisierte Scrinzi seinen langjährigen Parteifreund.

"Er hat offenbar doch aus einem sehr starken Machtstreben heraus eine Politik um den Preis der Aufgabe von grundsätzlichen Positionen, die das dritte Lager, verteidigt, gemacht. Er hat sich als das erwiesen, was man ihm heute nachsagt: Er ist ein genialer Populist. Wobei sein Populismus von seinen persönlichen Zielsetzungen getragen wird."
BZÖ lebt nur durch Haider
Auf die Frage, ob er Jörg Haider zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen habe, sagte Scrinzi, das habe er nicht getan. Das wäre Heuchelei.

Scrinci glaubt auch nicht an eine Zukunft der neuen Haider Partei, des BZÖ. "Für das BZÖ ist das Ablaufdatum jener Tag, an dem Jörg Haider als Kärntner Landeshauptmann ausscheidet oder sich vielleicht überhaupt aus der Politik zurückzieht."

Das dritte Lager, die FPÖ, werde sich aber wieder stabilisieren und alte Stärke erreichen, sagte Scrinzi. Man werde sechs bis acht Jahre dazu benötigen.
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