Aufgezeigt: Wer Wasser spart, zahlt drauf?

„Aufgezeigt“ beschäftigt sich mit folgendem Thema: Ein Witwer aus Sattendorf verbraucht sehr wenig Wasser, seit er alleine lebt. Zahlen muss er fast die doppelte Menge, weil ein Mindestverbrauch vorgeschrieben ist - kein Einzelfall.

Josef Kofler ist verwitwet und lebt sehr umweltbewusst in Sattendorf-Stöcklweingarten. Er spart Wasser und verbraucht daher nur 30 bis 35 Kubikmeter pro Jahr. Dasselbe gilt natürlich auch für den Kanal. Bezahlen muss Herr Kofler aber fast die doppelte Menge, nämlich 60 Kubikmeter an die Wassergemeinschaft Sattendorf.

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„Zahle 25 Kubik mehr, als ich verbrauche“

Grob gerechnet zahlt Herr Kofler 25 Euro pro Jahr für Wasser, das er nicht verbraucht hat. Und das ärgert ihn, weil er sich bemüht, verantwortungsvoll mit Wasser umzugehen. Schließlich sei es heutzutage ein Gebot der Stunde, Wasser zu sparen. Josef Kofler: „Ich sehe das nicht ein. Ich zahle 25 Kubik mehr, als ich verbrauche, und das jedes Jahr. Ich wasche mich genauso wie jeder andere, trotzdem verbrauche ich nicht mehr. Weil ich eben Wasser spare, ich habe Regentonnen im Garten, um die Blumen zu gießen usw.“

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Bürger fühlt sich bestraft

Seit 2015 verbraucht Josef Kofler nicht mehr als 35 Kubikmeter Wasser pro Jahr. „Aufgezeigt“ studierte seine Wasserrechnungen, er bezahlt die doppelte Menge des Verbrauchten an die Wassergemeinschaft Sattendorf-Stöcklweingarten. Josef Kofler verschwendet aber auch kein Wasser. Er nutzt es einfach sehr bewusst: „Es heißt immer sparen, wir bekommen sogar einen Massendruck, so wie voriges Jahr im Sommer, als es so wenig Niederschlag gab, mussten wir sparen. Aber warum soll ich dann 60 zahlen?“

Herr Kofler fühlt sich deshalb bestraft. Natürlich hat er versucht, sich dagegen zu wehren und mit dem Bürgermeister Kontakt aufgenommen: „Er hat gesagt, es tut ihm leid, aber er kann nichts machen. Es ist ein Gemeindebeschluss.“

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Wassergemeinschaft beruft sich auf Netzerhalt

Peter Martinschitz ist Sprecher der besagten Wassergemeinschaft. „Wir haben eine verpflichtende Mindestmenge von 60 Kubik. Diese ergibt sich aus dem österreichischen Durchschnittsverbrauch von 50 Kubik pro Kopf. Ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht 150 Kubik Wasser im Jahr.“ Und natürlich müsse auch das Wassernetz, die Leitungen und was sonst noch für die Versorgung notwendig ist, in den Wassertarif miteingerechnet werden, sagt Martinschitz.

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„Enormes Wassernetz“

Martinschitz: „Die Kosten sind enorm. Wir haben ein Wassernetz - es ist in Sattendorf sieben Kilometer lang - das erhalten werden muss. Wir haben eine 1,7 Kilometer lange Wasserleitung vom Berg ins Tal, die das Quellwasser ins Netz einspeist und dieser Differenzbetrag fließt genauso in das Wassernetz und in die Erhaltung. Dementsprechend ist das aus meiner Sicht gerechtfertigt.“

Wer spart, zahlt drauf - für die Allgemeinheit

Im Umkehrschluss bedeutet das also, dass diejenigen, die wenig verbrauchen am meisten draufzahlen oder eben den höchsten Anteil für die allgemeine Wasser-Versorgung tragen müssen. Das sind nicht in allen Fällen Wohlhabende mit Zweitwohnsitz, sondern oft alleinstehende Menschen wie Herr Kofler in großen Häusern am Land. Josef Kofler ist auch nicht der einzige Betroffene, wie er selbst weiß. „Die Seehäuser sind Zweitwohnungen und verbrauchen auch nicht mehr, zahlen aber auch 60 Kubik.“

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Sechs unterschiedliche Tarife in einer Gemeinde

Was dahinter steckt, ist hochinteressant. Alleine die Gemeinde Treffen mit ihren knapp 5.000 Gemeindebürgern hat sechs unterschiedliche Wasserversorgungsanlagen und sechs unterschiedliche Tarife. Auf der Kanzelhöhe ist Wasser z.B. viel billiger als im Tal. Eine Gemeinde und sechs Preise - ist das gerecht? fragt die Redaktion SPÖ-Bürgermeister Klaus Glanznig: „Gerechtigkeit wird es in dieser Angelegenheit nicht geben, weil wir - so wie sie es sagen - sechs verschiedene Wasserversorgungsanlagen betreiben, erhalten und sanieren müssen. Jede Anlage muss sich selber rechnen.“

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Bürgermeister: „Gerechtigkeit kann es nicht geben“

Für jede einzelne Anlage wird also extra kalkuliert.Der Wasserpreis besteht aus 1.) der Bereitstellung - das sind die Kosten für Anlage und Betrieb und 2.) der Benützung, also wieviel Wasser tatsächlich verbraucht wird. „Resultierend daraus, haben wir teilweise Hochbehälter, teilweise Quellfassungen mit langen Leitungsnotwendigkeiten, teilweise mit kurzen. Auch unterschiedlich ist, wie viele Benützer es gibt.“

Heißt das im Umkehrschluss, dass der einzelne Betroffene es gar nicht verstehen kann? Der Bürgermeister: „Schwer. Gerechtigkeit kann es nicht geben. Wenn jemand das Pech hat, an einer Leitung zu hängen, wo es eine geringe Abnahme gibt und die sich trotzdem rechnen muss, dann muss der Preis entsprechend angepasst werden.“

Treffen - Beispiel gilt für ganz Kärnten

Damit ist Treffen ein typisches Beispiel dafür, wie Wasser in Kärnten verrechnet wird. In den 132 Kärntner Gemeinden gibt es elf verschiedene Berechnungssysteme für Wasser. Verrechnet wird pro Haus, pro Grund, pro Haushalt, pro Anschluss, pro Bewertungseinheit oder pro Mindestabnahme. Die Gemeinden beschließen die Tarife völlig eigenständig, sagt Manfred Mertel von der Gemeindeaufsicht des Landes.

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Jeder Gemeinderat legt Wasserpreis selbst fest

Jede Gemeinde sei verpflichtet, die Kosten durch Gebühreneinhebungen abzudecken. Mertel: „Sei es jetzt eine Fremdenverkehrsgemeinde, wird man darüber nachdenken, wie kann man jene Wasserbenützer mit ins Boot nehmen, die tatsächlich sehr wenig Wasser in Anspruch nehmen. Andere Gemeinden überlegen natürlich wieder, sind es landwirtschaftliche Betriebe, die man entlasten muss? Gibt es andere soziale Aspekte, die man berücksichtigen müsste? So kommt es aufgrund der Gemeindeautonomie dazu, dass der Gemeinderat als politisches Gremium sehr wichtige Entscheidungen trifft.“

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Feldkirchner zahlen 317 Prozent mehr als Flattacher

Ein Beispiel, wohin das führen kann: Die Feldkirchner bezahlen pro Kubikmeter Wasser um 317 Prozent mehr als die Flattacher und das ganz legal, weil die Gemeinden eben völlig autonom berechnen. Josef Kofler kommt mit seinem Wassertarif vergleichsweise günstig davon. Er sagt dazu: „Die Gemeinde macht was sie will? Ist das nicht so?“

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