Leben in Armut mitten in Klagenfurt

Wilburg Köchl aus Klagenfurt lebt in einer kalten und dunklen Wohnung in Klagenfurt, sie lebt von Notstand und Mindestsicherung. Sie kocht und duscht in der Wohnung ihres behinderten Sohnes. Sie ist einer von 58.000 Menschen in Kärnten, die arm sind.

Wilburg Köchl ist 59 und arm. Sie wandte sich mit ihren Problemen an die „Aufgezeigt“-Redaktion. Strom gibt es in ihrer Wohnung schon eine Zeitlang nicht mehr, ebenso wenig wie warmes Wasser. Das sei schwierig, sagte sie. „Wenn ich sehe, wie andere Menschen in Saus und Braus leben können.. Ich habe immer versucht, mit dem geringen Einkommen ein Dach über dem Kopf zu haben und das beste draus zu machen.“

Aufgezeigt Armut Wilburg Köchl

ORF

Frau Köchl mit ihrem Sohn beim Einkauf im Sozialmarkt

400 Euro monatlich

Trotz Wohnbeihilfe bleiben ihr knapp 400 Euro monatlich, davon muss sie noch Strom zahlen. Aber Armut ist Wilburg Köchl gewöhnt: „Ich habe vier Kinder alleine groß gezogen. Zum Wohle der Kinder habe ich als Mutter gern zurückgesteckt.“ Es gebe auch einen Schuldenberg, der zustande kam, weil nötige Sachen eingekauft wurden und das Geld nicht gereicht habe. „Das ist mir über den Kopf gewachsen, irgendwie verdränge ich auch die Situation.“

Obwohl das Aufgezeigt-Team sich bemühte, war nicht zu erfahren, wie hoch die Schulden sind. Wilburg Köchl selbst hat schon lange keine Ahnung mehr, die Schreiben legt sie ungeöffnet in eine Schublade. Im Nachhinein wurde ihr bewusst, dass sie auch ein bisschen selbst schuld sei, sagte sie. Sie versuche nun, die Schulden kleinweise abzustottern, nun, da die Kinder außer Haus seien.

Aufgezeigt Armut Wilburg Köchl

ORF

v.l. Gudrun Maria Leb vom ORF, Jasmin Klösch-Bergthaler vom Mieterschutzverband, Monika Skazedonig vom Netzwerk Armut und Wilburg Köchl

Schulden wuchsen durch Nichtstun an

Im Alltag improvisiert sie, duscht und kocht bei Johann, ihrem behinderten Sohn, in dessen Wohnung. Sie weiß, dass sie allein überhaupt keine Chance mehr hat. Mit dem „Aufgezeigt“-Team kam auch Monika Skazedonig mit, sie ist Sprecherin des Armutsnetzwerks und studierte die offenen Rechnungen. In einem Brief fand sie eine Auflistung alter Schulden von der Bevorrechteten Schuldnerberatung.

Sendungshinweis:

Radio Kärnten Aufgezeigt; 9.5.2017

Ein horrender Betrag, der sich inzwischen sicher verdoppelte, weil Frau Köchl bisher nicht einmal den Privatkonkurs finanzieren konnte. Das sind Fakten, die dem Armutsnetzwerk vertraut sind, so Skazedonig: „Wenn man nichts dergleichen tut, läuft alles weiter. Sobald man ein Konkursverfahren einleitet, wird alles ruhend gestellt. Dann laufen keine Zinsen mehr weiter. Das Problem beim derzeit gültigen Privatkonkursgesetz ist, dass die Hälfte der Gläubiger zustimmen müssen.“ Beim neuen Gesetz brauche man keine außergerichtliche Einigung, es gebe auch keine Mindestquote. Aber fünf bis sieben Jahre müsse man am Existenzminimum leben. Da ist Frau Köchl ohnehin schon.

Hoffnung auf neues Privatkonkursgesetz

Das neue Gesetz wäre eine Chance, damit auch Frau Köchl wieder Licht am Ende des Tunnels sieht. In einem Jahr bekommt sie eine Pension, finanziell wird sich trotzdem nichts ändern, so Skazedonig. Sie sei ein typischer Fall einer Frau ihrer Generation. Sie zogen Kinder auf, waren viel Zuhause, haben wenig gearbeitet und sehen im Alter, dass sie davon nicht leben können. Sie habe 20 Jahre lang gearbeitet, die Kindereziehungszeiten werden nicht eingerechnet und schlagen sich nicht finanziell nieder, so Skazedonig. Es gebe hier ein strukturelles Problem im System, das die Frauen treffe.

In jedem Fall brauche Wilbur Köchl jemanden, der sie sozialarbeiterisch begleite, so die Expertin. Es müsse eine konstante Hilfe für Monate geben, der mit ihr gemeinsam den großen Problemberg angehen könne. Darum kümmert sich das Armutsnetzwerk. Wichtig sei, dass nicht jemand für Frau Köchl die Dinge erledigt, sondern sie unterstützt, damit sie sich selbst kümmern könne.

Stadtwerke halfen beim Strom

Sechs Monate lange zahlte Frau Köchl keinen Strom mehr. In einem Gespräch mit den Stadtwerken zeigt sich, dass man helfen wolle. Helge Spendier sagte, man habe den jährlichen Hilfsfonds angezapft und die Schulden erlassen. Dann kann der Strom angestellt werden. Nach einem Anruf von „Aufgezeigt“ kam ein Installateur und richtete den Boiler, damit es wenigstens heißes Wasser gibt. Der Boiler sei nicht gewartet worden, das sollte man alle zwei Jahre tun, so der Installateur.

Vermieter muss sich um Boiler kümmern

Jasmin Klösch-Bergthaler vom Mieterschutzverband wurde von der Redaktion ebenfalls geholt, um zu klären, für welche Reparaturen Frau Köchl zuständig ist und was die Hausverwaltung, die Immobilien Klagenfurt, tun müsste. Frau Köchl sagte, sie habe dem Vermieter gesagt, dass es Probleme mit der Elektroinstallation gebe und ihr sei gesagt worden, sie müsse das als Mieterin selbst reparieren lassen. Das stimme nicht, entgegnete die Hausverwaltung IVK. Man habe vor dem „Aufgezeigt“-Anruf keine Ahnung von Frau Köchls Schwierigkeiten gehabt und ihr auch nicht gesagt, dass sie selber für die Reparatur aufkommen müsse.

Zumindest beim Boiler ist die Gesetzeslage klar, sagte Klösch-Bergthaler vom Mieterschutz. Frau Köchl müsse den Boiler nur noch entkalken. Seit 1.1.2015 sei der Vermieter auch für Reparaturen, Erhaltungsarbeiten und eventuelle Erneuerungen zuständig. Auch beim Mieterschutzverband sind Probleme, wie jene von Wilburg Köchl trauriger Alltag. Derzeit hapere es vor allem beim Geld, viele Mieter haben Schulden und können Nachzahlungen nicht leisten, so Kösch-Bergthaler.

Link: