Die „Herrin“ der Brummmis und Führerscheine

Gerti Krakolinig aus Villach dürfte mit rund 13 Stück die Kärntnerin mit den meisten Führerscheinen sein. Die Hobby-Truckerin musste schon als Kind im elterlichen Betrieb bei Transporten mithelfen. Hunderttausende Kilometer war sie mit Lkw und Bus unterwegs.

Bus, Lkw, Sattelschlepper - bei den großen Fahrzeugen denkt man erst einmal an eine Männerdomäne. Mittendrin die kleine, zarte Gerti Krakolinig, die hunderttausende Kilometer mit Bussen und Lkws unterwegs war. Den ersten Schein habe sie mit 18 gemacht, das war der kleine Lkw-Schein. Mit 20 folgte dann der große Lkw-Schein. Als Probleme aufgetreten seien, weil die Eltern nie einen Busfahrer fanden, habe sie den Busführerschein halt auch noch gemacht.

Lkw Gerti

Gerti Krakolinig

Alle Kinder halfen im Transportbetrieb mit

Im elterlichen Betrieb halfen die Kinder mit, auch mit den Transporten. Es sei selbstverständlich gewesen, dass sie und ihre Brüder alle möglichen Scheine gemacht hatten. Im Laufe ihres Lebens transportierte Gerti Krakolinig schon so ziemlich alles, darunter Möbel, Lebensmittel oder auch Holz. Wann immer die Eltern jemanden brauchten, sprang sie ein und wurde immer mehr zur Lkw- und Buslenkerin, erzählte sie.

Die Villacherin war viele Jahre Geschäftsführerin eines Fremdenverkehrsbüros. Ständig trudelten Seminargruppen ein, die in ihrer Freizeit bespaßt werden wollten: „Immer wieder haben wir dann Fünf-Seen-Rundfahrten oder Bergfahrten gemacht. Das Problem war immer, wir hatten einen Bus aber keinen Chauffeur und so habe ich den Schein auch gemacht.“

Lkw Gerti

Gerti Krakolinig

Prüfer piesakte Gerit Krakolinig

Die zierliche Allesfahrerin musste bei der Bus-Führerscheinprüfung starke Nerven beweisen: „Ich habe leider einen Prüfer gehabt, der mich gepiesakt hat. Drei von vier Prüflingen sind vor der praktischen Prüfung ausgefallen und so hatte er vier Stunden Zeit für mich. Das hat er voll ausgenützt.“ Sie habe sich nicht vor lauter Männern blamieren wollen und habe sich doppelt bemüht.

Vor allem Buben träumen davon, Lkw-Fahrer zu werden, wenn sie einmal groß sind. Gerti Krakolinig bremst hier die Vorstellung mit der Realität ein. Schöne Landschaften sehen kann man zwar, aber die Welt bereisen nicht wirklich: „Der Traum, dass man die Städte sieht, bleibt ein Traum. Die Ware wird eingeladen und muss zu einer bestimmten Zeit geliefert werden, dann ist man meistens zu müde, um Sightseeing zu machen.“

Fahrer helfen einander gegenseitig

Der Fahrersitz des Lkws ist für die Villacherin wie ihr zweites Wohnzimmer, auch die Schlafkajüte sei sehr bequem. Sie brauche sie aber nicht oft, weil sie nicht so lange Strecken fahre. Sie schalte gute Musik ein und genieße die Landschaft. Wer viele Jahre mit den großen Brummis auf den Straßen unterwegs ist, der erlebt viel. Einmal sei sie alleine mit Holz Richtung Florenz unterwegs gewesen. Im Navi habe sie Ort und Strecke eingegeben.

Sendungshinweis:

Guten Morgen Kärnten, 10. April 2017

In den toskanischen Hügeln seien die Straßen dann immer schmaler geworden. Bei einer Einfahrt sei sie mit dem Lkw nicht durchgekommen. Da war schon das ganze Dorf zusammengelaufen, sie konnte nicht mehr vor oder zurück. Sie habe zu weinen bekommen, habe sich aber dann zusammengenommen und per Funk einen Hilferuf ausgesendet. Binnen 20 Minuten seien drei Lenker vor Ort gewesen, die sie zuerst einmal ins örtliche Cafe gesetzt hätten und den Lkw „retten“ konnten. Das Problem war, dass es zwei gleichnamige Orte gegeben habe und sei den falschen erwischt habe.