Sechs Jahre Streit wegen 140 Euro

„Aufgezeigt“ beschäftigt sich diesmal mit Wildverbiss in einem Wald in Kreuth bei Kötschach-Mauthen. Seit sechs Jahren gibt es wegen zwei unterschiedlicher Gutachten über die Höhe des Wildschadens keine Einigung. Es geht höchstens um 140 Euro.

Der halbe Hektar Wald wurde schon 2011 durch Wildverbiss beschädigt. Normalerweise müssten die Jäger dafür eine Entschädigung bezahlen. Es gibt dazu aber zwei Gutachten mit zwei Meinungen. Beide Gutachter sind forstkundig. Die Landwirtschaftskammer, die Standesvertreung von Walsbesitzer „Rötelbauer“ Herbert Guggenberger, kommt auf null Euro Schaden, die Bezirksforstinspektion auf 69 Prozent.

Aufgezeigt Wildverbiss Wald

ORF

Lokalaugenschein im betroffenen Waldstück

Unterschiedliche Erhebungsverfahren?

Günther Kuneth von der Landwirtschaftskammer sagt dazu, man habe eine systematische Stichprobenerhebung in der Fläche gemacht. Die Forstinspektion habe sich nur eine Teilfläche angeschaut, das sei nicht für die gesamte Fläche repräsentativ.

Das stimme so nicht, heißt es bei der Bezirksforstinspektion. Forstdirektor Wilfried Strasser sagte, beide hätten annähernd dasselbe Verfahren. Die Probefläche werde hochgerechnet. Tatsächlich untersuchte der Bezirksförster den 69-prozentigen Verbiss auf 100 Quadratmeter, der Gutachter der Landwirtschaftskammer fand auf 560 Quadratmeter keine nennenswerten Schäden. Kuneth sagte dazu, man habe den Waldbesitzer nicht im Regen stehen lassen, sondern habe objektiv eine Erhebung durchgeführt. Der Schaden auf der Fläche sei geringer als 140 Euro, man hätte noch eine Erhebung machen können, samt neuem Gutachten.

Gemeinde würde Kosten übernehmen

Die Schlichtungsstelle bei der Gemeinde ist zuständig, wenn sich Jäger und Bauer nicht einigen können. Im Fall Rötenbauer holte die Schlichtungsstelle das Landwirtschaftskammergutachten ein. Die Fronten seien verhärtet, sagte der Bürgermeister von Kötschach-Mauthen, Walter Hartlieb. Es sei nicht nachvollziehbar, dass beide Gutachten so unterschiedlich seien.

Ein weiteres Gutachten einzuholen sei nicht zielführend gewesen, weil der Wildverbiss schon nachgewachsen sei. Die Kosten stünden ja in keiner Relation zum eigentlichen Schaden. Als möglichen Lösungsvorschlag nannte der Bürgermeister die Zahlung der 140 Euro von Jägerseite. Er sei aber auch bereit, dies aus der Gemeindekasse zu begleichen, denn die Schadenssumme stehe in keinem Verhältnis.

Bauer Guggenberger geht es längst nicht mehr um Geld. Er sagte, man müsse dem Bauern eine Möglichkeit bieten, zu einer Behörde zu gehen, der er vertrauen könne. Nicht nur die Landwirtschaftskammer. Man müsse doch niemanden teuer von Klagenfurt herholen. Er hätte mehr Vertrauen zu den eigenen Förstern gehabt.