Streitkultur: Bundesheer-Reform dringend nötig

„Bundesheer - freiwillig oder Pflicht?“, das war das Thema der „Radio Kärnten Streitkultur“ am 22. Oktober. Dass es ohne Reformen im Bundesheer nicht weitergehen könne, darüber waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig.

Am 20. Jänner ist das österreichische Volk am Wort. Soll es bei der etablierten Form der allgemeinen Wehrpflicht samt Wahlmöglichkeit zum Zivildienst bleiben - oder soll künftig ein Berufsheer in die österreichischen Kasernen einziehen?

Der Chef des Militärkommandos Kärnten, Militärkommandant Walter Gitschthaler, ist für ein künftiges Freiwilligen-Heer mit gut ausgebildeten Profis. Die Grundwehrdiener seien künftigen Kernaufgaben des Heeres, wie der Terrorismusbekämpfung, nicht gewachsen: „Ein Rekrut mit sechs Monaten Ausbildung wird diese Aufgabe nicht bewältigen können. Sechs Monate Ausbildung sind definitiv für die künftigen Herausforderungen zu kurz.“ Aufgaben und etwa auch Waffensysteme seien komplexer geworden.

Grüne für Ende der „Zwangsverpflichtung“

Die derzeitige Zwangsverpflichtung junger Menschen zum Grundwehrdienst müsse ein Ende haben, sagte der Grüne Landessprecher Frank Frey. Die Menschen müssten die Wahlmöglichkeit haben, ob sie einen Teil ihrer Berufszeit als Soldat verbringen wollen.

Kaiser: Brauchen mehr Professionalität

Auch SPÖ-Chef Peter Kaiser ist für die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht. Er erwartet sich durch ein Berufsheer eine deutliche Qualitätssteigerung. Es brauche im Katastropheneinsatz höchste Qualität, diese sei durch Professionalität eher als durch eine Grundausbildung gegeben. Auch zur Bekämpfung neuer Bedrohungen, wie Terrorismus und Internetkriminalität, brauche es eine gute Ausbildung.

Dörfler: Brauchen keine schießenden Cowboys

Anders als Grüne und SPÖ sind FPK und ÖVP für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht, nötig seien aber Reformen. So meinte Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK): „Ein Heer, das sich aus einem Querschnitt der Bevölkerung zusammensetzt, ist mir lieber als die schießenden Cowboys. Wir brauchen keine GIs, sondern Soldaten, die große Verantwortung tragen.“

Sendungshinweis:

Radio Kärnten Mittagsjournal,
23. Oktober 2012

Auch ÖVP-Chef Gabriel Obernosterer will die Wehrpflicht nicht einfach abschaffen, sondern der Neuzeit anpassen. Sinnvoll wäre, den Grundwehrdienst für junge Menschen „so zu gestalten, dass sie für ihr tägliches Leben etwas mitnehmen.“

Zivildiener würden Lücke hinterlassen

Ein Problem könnte eine mögliche Wehrdienstabschaffung im Bereich des Zivildiensts darstellen. Vor allem Blaulichtorganisationen bauen auf Zivildiener. Doch zumindest das System in den Caritas-Pflegeheimen werde ohne Zivis nicht vollständig zusammenbrechen, sagte der Kärntner Caritas-Direktor Viktor Omelko.

Zivildiener seien aber sehr wohl eine „Zugabe für die Tätigkeit in unseren Heimen“. Damit könne man in den Heimen einiges mehr realisieren, deswegen seien Zivildiener für die Caritas wertvolle Mitarbeiter.

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