Pettrailer suchen nach entlaufenen Haustieren

Immer wieder werden speziell ausgebildete Suchhunde nicht nur zur Suche von Personen, sondern auch von entlaufenen Haustieren eingesetzt. Für das Pettrailing ist ein intensives Training notwendig.

Es dauert mehrere Monate, bis die Spürnase eines Tiersuchhundes ausreichend geschult ist. Geübt wird ein- bis zweimal pro Woche. „Wir suchen entlaufene Tiere, Haustiere - also nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch Schafe, Ziegen, Kälber, Pferde“, sagt Markus Burkhardt. Er trainiert seit zwei Jahren Tiersuchhunde. Seine Crew umfasst alleine im Raum Klagenfurt 40 ehrenamtliche Mitglieder und acht Einsatzhunde für die Suche nach Tieren. In der Fachsprache ist dann von Pettrailing, dem Tierfährtenlesen, die Rede.

30.08.17 Pettrailer Tiersuche Suchhunde

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Bevor die Suche losgeht muss der Tiersuchhund die Fährte aufnehmen

Mitmachen kann grundsätzlich jeder Hund, so Burkhardt: „Jagdhunde sind ein bisschen triebiger und die Bloodhounds haben eine größere Nase und suchen etwas intensiver mit eher altem Geruch. Sonst sind alle Hunde dafür geeignet.“

Große Riechfläche und Talent gefragt

Hunde verfügen über circa 300 Millionen Riechzellen, während der Mensch nur ungefähr fünf Millionen hat. Entscheidend für den „guten Riecher“ der Tiere ist die Größe der Riechfläche ihrer Schnauze, aber auch Talent ist gefragt, sagt Burkhardt: „Nicht zwangsläufig ist der mit der größten Nase der beste Suchhund. Es gibt ja auch Retriever, die sehr gut riechen können oder Schweißhunde, die dafür trainiert sind. Die haben keine so große Nase, es funktioniert aber genauso. Sie sind halt gewissenhafter.“

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Jeder Hund kann lernen, seine Spürnase zu trainieren

Beschäftigung für Junghunde und Senioren

Je früher mit dem „Schnüffeltraining“ begonnen wird, umso größer sind die Erfolgschancen, sagt der Hunde-Coach: „Wir fangen frühestens mit zehn Wochen an, also im Welpenalter wäre es ideal, weil man einen Hund gut darauf konditionieren kann." Aber auch ein späterer Einstieg sei möglich: „Wir haben einen Hund, der ist 14 Jahre alt und hat erst dann zum Trailen begonnen. Man kann ihn nicht mehr auf steile Berge schicken, aber im ebenen Gebiet geht das immer.“

Die Ausbildungskosten belaufen sich auf mehrere tausend Euro. Aber nicht immer steht der professionelle Nutzen der Ausbildung im Vordergrund. Auch Hunde, die irgendwann zu alt für das Agility-Training werden, finden beim Pettrailing eine willkommene Beschäftigung, so Burkhardt: "Ich behaupte einmal: Wir sind das AMS für Hunde. Wir geben Hunden einen Job, weil jeder Hund das kann.“

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Markus Burkhardt trainiert seit zwei Jahren Tiersuchhunde

Iris Hafele trainiert mit dem ehemaligen serbischen Straßenhund Jary. Beide sind begeistert von dem Training: „Er ist sehr talentiert. Ich lerne wahnsinnig viel über meinen Hund - Bindungsarbeit ist ganz großartig und es macht Spaß.“ Werden sie von ihrem „Alltagshalsband“ auf das „Arbeitsbrustgeschirr“ umgeleint wissen die meisten Fellnasen, dass es für sie heißt: „An die Arbeit.“

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Iris Hafele mit ihrem Hund

Einsatzkosten: Zwischen hundert und 500 Euro

Wenn die Pettrailer zum Einsatz gerufen werden, fallen für die Tierbesitzer Kosten an - Kilometergeld und eine Einsatzpauschale. Zwischen hundert und fünfhundert Euro kostet ein Einsatz - je nachdem, wo und wie oft nach einem verloren gegangenen Tier gesucht wird. Für Mitglieder des Tiersuchvereins ist der Einsatz kostenlos.

140 Einsätze absolvierten die Pettrailer in der ersten Jahreshälfte - die Erfolgsquote ist groß, sagt der Initiator des Tiersuchvereins.

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Die Pettrailer kommen zum Einsatz, wenn ein Haustier verloren geht

Meist blütenförmiges Fluchtmuster

Von hundert Fällen würden zwei Drittel der entlaufenen Hunde ohnehin von alleine zurückkehren: „Wenn man sich richtig verhält und den Hund eben nicht sucht, sondern einfach stehen bleibt, wo der Hund entlaufen ist, kommt das immer wieder vor.“ Selten würden verschreckte Hunde die „Flucht nach vorne“, also einfach geradeaus, antreten. Forscher haben bemerkt, dass sie meist einem blütenartigen Muster folgen und daher meist - früher oder später - zum Ort ihres Verschwindens zurückkehren, als würden sie die Blätter einer Blüte ablaufen und immer wieder den Stempel als Mittelpunkt aufsuchen.

„Geruchsprobe“ liefert entscheidende Hinweise

Erst wenn ein Hund mit Schleppleine oder mit Flexi-Leine entlaufen sei oder Tabletten benötige, sei es ratsam, sofort die Pettrailer einzuschalten, da jede Minute kostbar sei: "Dann müssen wir da hinfahren und der Hunde- oder Tierbesitzer muss einen Geruchsartikel bereitstellen - das kann ein Halsband sein, ein Geschirr, eine Haarbürste.“ Genauso funktioniert auch das Training, wo die Spur eines Tieres im Parcours in einer Staffel erschnüffelt werden muss. Damit die Hunde wissen, wonach sie suchen müssen, bekommen sie eine Geruchsprobe aus einem Glas.

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Die Geruchsprobe ist die Grundlage für jede Suche

Markus Burkhardt: „Wir haben oft Einsätze, wo die Spuren zehn, 14 Tage alt sind oder noch länger. Es kommt darauf an, wo es ist. In einem Waldgebiet hält sich die Spur länger als in der Stadt oder im Wohngebiet.“ Mit etwas Übung gelingt es den Hunden, alte von frischen Geruchsspuren zu unterscheiden und sich nicht mehr von anderen für sie interessanten olfaktorischen Einflüssen irritieren zu lassen. Positiv verstärkt wird der Lerneffekt durch Belohnung.

Sicherheitsabstand muss eingehalten werden

Wird das Objekt der Begierde geortet, muss ein gewisser Sicherheitsabstand eingehalten werden, sagt Burkhardt, „weil die Gefahr besteht, dass der Hund schon zwei, drei Tage hängt und dann vielleicht aggressiv ist und nicht begrüßt werden will. Wir wollen den Hund ja auch nicht wegjagen. Dann halten wir ein bisschen Abstand und wenn wir schon sehen, dass er hängt, gehen wir gleich zurück und lassen den Besitzer kommen. Der muss den Hund befreien.“

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Der richtige Umgang mit den Hunden ist sehr wichtig

Die Pettrailer legen großen Wert darauf, nicht mit Hundefängern verwechselt zu werden, wie man sie aus amerikanischen Filmen kennt, gibt Burkhardt zu bedenken: „Was die Leute oft nicht verstehen, ist, dass wir die Hunde ja nicht jagen und dann fangen können. Wir können sagen: Er war da.“

Für Suchaktionen in Maisackern stehen den Teams seit Kurzem auch Wärmebildkameras zur Verfügung. „Es wäre zu wenig Platz dort, um gemeinsam mit den Hunden nach den entlaufenen Tieren zu suchen. Würde man die Hunde ableinen, könnten sie selbst verloren gehen. Mit Hilfe der Technik wird die Suche leichter durchführbar“, sagt Burkhardt.

Notrufnummer der Pettrailer: 0043/720/310560

Richtiges Verhalten nach Sichtung entscheidend

Letztendlich würden Futterfallen oder zur Not auch Betäubungsschüsse dabei helfen, den entlaufenen Tieren habhaft zu werden. Generell gilt: Wird ein freilaufender Hund ohne Besitzer gesichtet, der entlaufen sein könnte, sollten die Pettrailer sofort verständigt werden. Wichtig ist, die Tiere nicht durch unachtsames Verhalten in Panik zu versetzen. Burkhardt: „Immer wieder pfeifen die Leute den Hund an - er hört einen Menschen und rennt. Also einfach nur melden: Wir haben ihn gesehen. Dann müssen wir sagen: Er ist es. Dann rücken wir an und schießen mit einem Blasrohr, oder mit einem Narkosegewehr."

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Sobald ein entlaufener Hund gesichtet wird, müssen die Pettrailer verständigt werden

Vielfach mehrere Anläufe nötig

Immer wieder passiert es in der Praxis, dass die Pettrailer den entlaufenen Tieren schon sehr nahe kommen - aber es gelingt erst nach mehreren Versuchen, sie einzufangen. So wie im Fall der entlaufenen Dogge Herr Schulz aus St. Veit an der Glan, erzählt Burkhardt: „Sie war nur ein paar hundert Meter vom Bauernhof entfernt. Wir haben sie 13 Tage lang gesucht. Dann haben wir sie gefunden. Sie hat 21 Kilo abgenommen während dieser Zeit.“

30.08.17 Pettrailer Tiersuche Suchhunde

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Die Dogge Herr Schulz konnte gefunden werden

Unterstützung für Tierschutzorganisationen

Tierrettung und Tierschutzeinrichtungen sehen die Pettrailer als Bindeglied zu den Besitzern entlaufener Tiere, sagt TIKO-Geschäftsführerin Tara Geltner: „Das Tierefangen ist nicht unsere Kompetenz. Es braucht ein Spezialwissen und es braucht auch Zeit. Das alles haben wir nicht. Dass Tiere eingefangen werden müssen, kommt regelmäßig vor. Das ist sicher wöchentlich ein- bis zweimal so, dass wir angerufen werden wegen freilaufender Tiere. Es geht um Katzen, um Hunde, es geht aber zum Beispiel auch um Schwäne, die verletzt sind. Wenn sie nicht gesichert sind, können wir sie nicht holen.“

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TIKO-Geschäftsführerin Tara Geltner

Weltrekordversuch Ende September geplant

Spielerisch ist die Schnüffelkompetenz auch am 30. September gefragt, wenn - rund um den Wörthersee - ein Weltrekordversuch mit Teilnehmern aus Österreich, Deutschland, Slowenien und England gestartet wird. Insgesamt 55 Teams haben sich angemeldet. Beginn ist bei Morgengrauen um 4.00 Uhr, was für zusätzlichen Nervenkitzel sorgen soll. Die Aufgabe der Teilnehmer wird es sein, binnen 24 Stunden die Spur eines Hundes aufzunehmen.

Burkhardt: "Wir legen eine Spur mit einem Hund rund um den Wörthersee, darum sind es insgesamt 55 Kilometer. Die Schwierigkeit ist die Logistik, weil man ja die Hunde zur richtigen Zeit an den richtigen Ort bringen muss und auch wieder weg. Da wird jeder Hund mit einem Tracker ausgestattet. Der Hund, der rumgeführt wird, der hat auch einen Tracker, das ist unsere Referenzspur und den suchen wir und wir hoffen, dass wir ihn innerhalb von 24 Stunden finden werden.“ Mit Spannung wird also erwartet, welches „Schnüffelteam“ dann tatsächlich die „Nase vorn“ hat.

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