Experte: Mehrere Faktoren bei Helikopterabsturz

Der Absturz von „Martin 4“ am 1. August ist laut einem Hubschrauberexperten auf das Überschreiten von mehreren physikalischen Grenzen zurückzuführen. Höhe, Temperatur, Gewicht und Wirkungsverlust des Heckrotors seien zusammengekommen.

Bei dem Unfall wurden alle vier Insassen, auch der Patient, der bei der Adlersruhe abgeholt werden sollte, verletzt. Es sei sehr viel Glück im Spiel gewesen, dass die Maschine nicht über die Felswand abgestürzt ist, sagen Hubschrauberexperten - mehr dazu in Amateurvideo zeigt Hubschrauberabsturz.

Wie Schleudern auf glatter Straße

Der Absturz sei ein klassisches Beispiel für Loss of Tailrotor Effecitveness (LTE), Wirkungsverlust des Heckrotors, gewesen, so der Experte, der namentlich nicht genannt werden will. Das bedeutet, dass der Heckrotor eines Hubschraubers wirkungslos wird. Der Hauptrotor sorgt für den Auftrieb, der Heckrotor ist unter anderem dazu da, um das Fluggerät stabil in der Luft zu halten. Sonst würde sich die Kabine im Kreis drehen. Funktioniert er nicht, kann man das mit einem auf eisiger Straße ins Schleudern gekommenem Auto vergleichen.

Video des Unfalls auf dem Glockner

Vier Menschen wurden verletzt, nur mit viel Glück stürzte der Hubschrauber nicht in die Tiefe.

Mehrere Probleme zusammengekommen

Bei dem Unfall auf der Adlersruhe seien gleich mehrere Probleme zusammengekommen, sagte der Kenner der Materie. Bei dem Rettungsflug in 3.400 Meter Seehöhe war beim Einsatz um 20.00 Uhr ungewöhnlich warm, es hatte um die acht Grad. Das verringert die Leistungsfähigkeit der Hubschrauber-Turbine in dieser Höhe stark.

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APA/EXPA/BERGRETTUNG KALS/TONI RIEPLER

Außerdem konnte der Pilot den Hubschrauber nicht vollständig mit den Kufen auf den Boden setzen, weil er dort uneben ist. Als der Patient einstieg, kam zusätzliches Gewicht in die Maschine. Der Pilot gab Gas, der Hubschrauber schwebte knapp über Grund. Mit dem Gewicht von vier Menschen schaffte es die Maschine nicht mehr, gerade zu bleiben, auch wenn der Pilot ins Pedal trat, um die Drehbewegung der Maschine auszugleichen.

Düsen statt Heckrotor

Vergleichbar ist das mit einem Pkw, das in einer Kurve mit großer Geschwindigkeit übersteuert und der Fahrer nicht mehr reagieren kann. Das dritte Problem war, dass dieser Hubschraubertyp eine Alternative zum klassischen Heckrotor hat. Er wird mit Luftdüsen gesteuert und stabilisiert das Fluggerät (System NOTAR - No Tail Rotor). Luftdüsen verringern zwar die Unfallgefahr am Boden, sind in der dünnen Luft des Großglockners nicht so wirkungsvoll wie ein Rotor.

Kontrolliertes Steuern nicht mehr möglich

Mehrere physikalische Grenzen wurden damit überschritten, der Hubschrauber kam in eine Drehbewegung. Kontrolliertes Steuern war für den Piloten nicht mehr möglich, der Absturz an der Felskante unvermeidbar, so der Experte. Dieser Hubschrauber-Typ wird international hauptsächlich im Flachland verwendet, das Problem des plötzlichen Drehens in hohen Lagen ist bekannt.

Der international anerkannte Experte der das Video analysiert hat sagt, es werde ein Klassiker für Piloten, es zeige wie dramatisch ein LTE sein kann. Das richtige Verhalten, wenn der Heckrotor seine Wirksamkeit verliert, wird bei jeder Hubschrauberausbildung gelehrt.

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