Tempo 100 auf Südautobahn wird beantragt

Nach Messungen auf dem Wörthersee-Abschnitt der Südautobahn (A2) hieß es, Tempo 100 für Pkws und Tempo 60 für Lkws würde die Lärmbelastung für die Anrainer deutlich senken. Nun wird die Landesregierung das Tempolimit beim Verkehrsministerium beantragen.

Verkehrsreferent Rolf Holub (Grüne) präsentierte am Mittwoch das lärmtechnische Gutachten. An fünf Stellen zwischen Wernberg und Klagenfurt wurden in den vergangenen Monaten Lärmmessungen durchgeführt. 87 Messfahrten wurden von Experten unternommen und schließlich die Daten ausgewertet.

Wörtherseeautobahn Tempo 100 Panorama A2

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Auf rund 30 Kilometern soll Tempo 100 durchgehend gelten. Derzeit gibt es bei Wernberg und im Bereich der Raststation Techelsberg Tempo-100-Zonen.

Laut dem vorliegenden Gutachten würde sich Tempo 100 für Pkws und Tempo 60 für Lkws positiv auswirken, so der Grazer Verkehrs- und Umweltplaner Kurt Fallast: „Die Veränderung der Geschwindigkeit gibt eine Verringerung der Lärmemissionen und damit der Immissionen bei den Anrainer um rund drei dB. Das ist eine deutlich merkbare Verringerung, davon wären 3.000 Objekte mit rund 6.000 Personen betroffen.“

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„6.000 Menschen vor Lärm schützen“

Diese Reduktion wäre bei 130 km/h sonst nur bei einer Halbierung des Verkehrsaufkommens erreicht werden, so Fallast. Außerdem würde der Verkehr gleichmäßiger fließen und die Verkehrssicherheit leicht steigen. Ein Ergebnis, das selbst der Verkehrsreferent nicht in dieser Deutlichkeit erwartete: „Das kommt eindeutig heraus, dass es die billigste Methode ist, 6.100 Menschen vor dem Lärm zu schützen.“ Lärmschutzwände könnten nicht mehr erhöht werden und der Zeitverlust betrage rund 1,5 Minuten. Es werde sauberer, sicherer und leiser, so Holub.

Albert Kreiner von der Abteilung 7 des Landes sagte, man werde nun den Antrag auf Gschwindigkeitsreduktion an das Verkehrsministerium stellen. Das Ministerium habe ein Ermittlungsverfahren mit Anhörungsrechten durchzuführen. Wenn alles positiv ausgehen, könnte das Tempolimit schon ab dem späteren Herbst gelten. Doch selbst wenn aus rechtlicher Sicht einer Verordnung nichts im Wege stehen würde, rechne er mit einem harten Kampf, so Kreiner.

Vor allem Anrainer, Hoteliers, Grüne und eine Bürgerinitiative fordern Tempo 100, Autofahrerklubs und Pendler sind dagegen.

FPÖ ortet Pflanzerei der Pendler

Der Kärntner FPÖ-Obmann und Verkehrssicherheitsreferent Landesrat Gernot Darmann lehnt die Tempo-100-Pläne von Landesrat Holub weiter entschieden ab. In einer Aussendung sagte Darmann, das sei „eine unnötige Grüne Pflanzerei aller Autofahrer und Pendler“. Politiker, die nichts als die eigene Bevölkerung abzocken wollen, sollten ihre Funktion in der Politik überdenken, so Darmann. Die FPÖ Kärnten werde sich beim Verkehrsministerium für die Pendler und nicht gegen sie einsetzen. Ein Gesprächstermin mit Übergabe der Unterschriften der FPÖ-Petition gegen Tempo 100 sei bereits bei Minister Leichtfried angefragt. Die FPÖ zweifelt auch die Messmethoden an.

BZÖ Kärnten gegen Tempo 100

BZÖ-Kärnten Obmann Helmut Nikel sprach sich am Mittwoch gegen Tempo 100 aus. Holub wolle grundsätzlich nur Nutzer der Autobahnen zu Sündenböcken abstempeln, um die eigene Wählerklientel zu befriedigen, so Nikel in einer Aussendung. Viele Maßnahmen zur Lärmreduktion seien mit enormem finanziellem Aufwand in diesem Bereich schon längst realisiert worden. Sinnvoller wären vielmehr flexible Geschwindigkeitsbeschränkungen die nach Parametern wie Verkehrsdichte, Sicht und Straßenverhältnissen angepasst werden sollten.

Das Team Kärnten spricht von einem Schildbürgerstreich. Landesrat Gerhard Köfer ist der Meinung, die übergroßen Lärmschutzwände reichen völlig aus und warnte neuerlich vor einer „Radar-Abzocke“. die bei Tempo 100 unweigerlich droht.

Wirtschaftskammer sieht „Häkelei“

Ünerhaupt kein Verständnis für das Vorhaben gibt es in der Wirtschaftskammer. Im Gegenzug zu jenen 6.000 Anrainern, die profitieren, hätten „tausende Pendler und Berufskraftfahrer Tag für Tag mit der Reduktion zu kämpfen“, so Elisabeth Rothmüller-Jannach, Obfrau der Sparte Transport und Verkehr. Ein 60er auf einer Autobahn könne „doch nur ein schlechter Scherz“ sein. „Vermutlich sind 90 Prozent der erwähnten Objekte, die vom Autobahnlärm betroffen sind, jünger als dieser Abschnitt. Da darf man sich schon mal fragen, wo denn da die Raumordnungspolitik geblieben ist? Sollte man nicht davon ausgehen, dass sich bei der Umwidmung alle Beteiligten darüber bewusst waren, dass es neben einer Autobahn lauter als auf einer Almwiese am Dobratsch ist?“.

Nun ist das Bundesministerium für Verkehr am Zug. Der Antrag des Landes sei aber noch nicht in Wien eingelangt, heißt es aus dem Ministerium und müsse dann auch erst im Detail geprüft werden. Daher könne auch noch nicht gesagt werden, ob und wann eine entsprechende Verordnung ergehen werde. Es stehe auch noch nicht fest ob das Ministerium eigenen Untersuchungen dazu machen werde. Man werde aber zumindest Rücksprache mit der ASFINAG halten.

Nein in Niederösterreich

Auf der Westautobahn (A1) bei St. Pölten wird es vorerst kein Tempolimit von 100 km/h geben. Das Verkehrsministerium hat der Forderung der Stadt eine Absage erteilt. Die Zahl der Unfälle reiche für eine Temporeduktion nicht aus - mehr dazu in Absage an Tempo 100 bei St. Pölten.

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