Amateurvideo zeigt Hubschrauberabsturz

Der Absturz eines Rettungshubschraubers am Dienstagabend auf dem Großglockner beschäftigt nun die Flugunfallkommission. Der Flugbetreiber Knaus schließt ein technisches Gebrechen aus. Ein Amateurfilmer filmte den Absturz mit.

Die Besatzung des Hubschraubers rückte kurz nach 20.00 Uhr aus, weil ein Bergsteiger auf der Erzherzog-Johann-Hütte über Herzbeschwerden klagte. Alarmiert wurde der Hubschrauber Martin 4 in Matrei in Osttirol. Ein 36-jähriger Pilot aus Niederösterreich, ein 53-jähriger Flugretter aus Osttirol und ein 53-jähriger Notarzt aus Deutschland machten sich trotz einbrechender Dunkelheit sofort auf den Weg zu der in 3.400 Meter Seehöhe liegenden Schutzhütte.

Ein Augenzeuge filmte die dramatischen Minuten mit seinem Handy mit und stellte das Video dem ORF zur Verfügung.

Als der Hubschrauber mit dem Patienten an Bord abheben wollte, kam es zu Problemen. Laut Pilot drückte eine heftige Windböe den Hubschrauber wieder nach unten. Das Fluggerät begann, sich immer schneller zu drehen, der Hubschrauber kippte dann zur Seite.

Hubschrauber Unfall Matrei Martin 4 Unfall Großglockner

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„Technisches Gebrechen ausgeschlossen“

Das Wrack wurde Donnerstagnachmittag mit einem Schwerlast-Hubschrauber ins Tal nach Kals gebracht. Die polizeilichen Ermittlungen nach dem Zwischenfall sind noch nicht abgeschlossen und auch die Flugunfallkommission will das Wrack noch in Wien weiter untersuchen. Der total zerstörte Hubschrauber soll mit einem Lkw am Freitag abtransportiert werden.

In großer Höhe und bei diesen hohen Temperaturen gelten andere Regeln als im Tal, sagen Flugexperten. Der Hubschrauber hat weniger Leistung, weil die Luft dünner wird. Kommt dann noch starker Wind dazu, kann das Fluggerät schnell instabil werden. Risikolos sei so ein hochalpiner Einsatz nie, sagt Flugbetriebsleiter und Eigentümer der Hubschrauberflotte Roy Knaus: „Die Wetterverhältnisse können in dieser Höhe immer schnell wechseln.“ Nach den Gesprächen mit Pilot und Flugretter könne ein technisches Gebrechen ausgeschlossen werden, Leistungsreserven habe es gegeben.

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APA/EXPA/BERGRETTUNG KALS/TONI RIEPLER

Michael Umschaden, Pilot und Stützpunktleiter des ÖAMTC-Rettungshubschraubers C11 in Klagenfurt sagt, als Pilot habe man in solchen Situationen nur begrenzte Möglichkeiten zu reagieren: „Konstanter Wind hilft beim Flug, plötzliche Windböen, die vor allem in den Bergen auftreten, sind aber schwer einzuschätzen.“ Deswegen werde der C11 bei hochalpinen Einsätzen auf das Nötigste geleert, um mehr Leistung zu haben.

Notarzt bei Aufprall verletzt

Pilot und Flugretter konnten sich nach dem Zwischenfall unverletzt aus dem Hubschrauberwrack befreien. Der Notarzt wurde verletzt, der Patient überstand den Zwischenfall unverletzt. Er wurde anschließend vom Rettungshubschrauber C7 in das Krankenhaus Lienz geflogen, der Notarzt wurde im Krankenhaus Zell am See ambulant behandelt.

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Pilot 2012 an tödlichem Unfall beteiligt

Der Unfall am Dienstagabend war nicht der erste der Firma Knaus. Firmeninhaber Roy Knaus verlor seinen Vater im Jahr 1997 bei einem Hubschrauberabsturz - mehr dazu in Immer wieder Unfälle in Firmengeschichte Knaus (tirol.ORF.at, 29.4.2012). Bestätigt wurde mittlerweile, dass der Pilot, der am Dienstagabend auf dem Glockner unterwegs war, 2012 in Tirol an einem tödlichen Unfall beteiligt war. Damals war er auf dem Großvenediger in eine Nebelbank geraten, drei Männer am Seil klinkte er deswegen aus, einer davon starb beim Aufprall auf den Gletscher, zwei weitere wurden schwer verletzt - mehr dazu in Spaltenbergung: Alpinpolizist tot (tirol.ORF.at; 28.4.2012). Die Staatsanwaltschaft hatte damals keine Fahrlässigkeit des Piloten gesehen und die Ermittlungen eingestellt.

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Der Rettungshubschrauber wurde schwer beschädigt

Laut Knaus seien im aktuellen Fall noch viele offene Fragen zu klären, zum Beispiel, warum es in unmittelbarer Nähe zur Hütte keinen Landeplatz gebe.

Knapp neben Felswand abgestürzt

Die Insassen der Rettungshubschraubers hatten noch Glück, die Absturzstelle befindet sich knapp neben einer steil abfallenden Felswand. Wäre der Hubschrauber nur ein paar Meter weiter zum Stillstand gekommen, wäre er abgestürzt.

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ORF/Matha

Knapp rechts unter der Hütte stürzte der Rettungshubschrauber ab, nur wenige Meter davon entfernt befindet sich eine steil abfallende Felswand

Der Hubschrauber ist ein amerikanisches Fabrikat der Type MD 902, er besitzt keinen Heckrotor, sondern ein im Heckausleger installiertes Gebläse, er wird als Polizei- und Rettungshubschrauber eingesetzt.

Bis Samstag ist der Betrieb des Notarzthubschraubers Martin 4 eingestellt. Der Pilot wird bis auf Weiteres keine Flüge mehr absolvieren.