HCB nicht nur im Görtschitztal

In Kärnten werden die Bodenuntersuchungen ausgeweitet. Dabei wurden in Gemeinden außerhalb des Tals, die etwa 50 Kilometer entfernt sind, höhere Konzentrationen von HCB gefunden. HCB kommt aber in den Böden in ganz Österreich vor.

Auch am Rande des Görtschitztales werden nun Bodenproben gezogen; in Pischeldorf, Hüttenberg, Guttaring und Kappel am Krappfeld. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, betonte Landeskoordinator Albert Kreiner. Man wolle wissen, wo die Emissionen der Wietersdorfer hingeweht worden seien. HCB-Belastung im Boden wurde bei Stichproben auch in anderen Tälern festgestellt, in Paternion und Ebental gab es sogar höhere Werte als im Görtschitztal.

Bericht mit Bodenproben-Ergebnissen zum Nachlesen:

PDF (227.0 kB)

Die Belastung des Bodens mit Hexachorbenzol ist aber in ganz Österreich zu finden, sagte Herwig Schuster, Chemiker bei Greenpeace, denn bis in die 80er-Jahre wurde HCB als Pestizid eingesetzt. In der Südsteiermark aber auch in Kärnten gebe es daher im Boden relativ hohe Werte. Diese haben aber nichts mit dem aktuellen HCB-Fall zu tun, so Schuster.

Einlagerung besonders in Fett

Damit HCB in eine Pflanze gelangt, brauche das Umweltgift Fett, so Schuster: „Wie beim steirischen Kürbiskernöl. Weil das HCB fettlöslich ist und sich daher besonders gut in Öl einlagert. Da in der Südsteiermark früher besonders viel HCB verwendet wurde, findet man dort auch auch heute noch viel.“ Anders ist das bei Weizen, so Schuster. Denn Weizen enthalte kein Fett. Es sei daher nicht zu erwarten, dass Weizen belastet sei, selbst wenn der Boden noch belastet sein sollte. Ähnlich auch bei Gras, das HCB nicht aufnehmen kann, weshalb HCB in der Milch aus dem Boden ausgeschlossen werden kann.

„Extreme Belastung über lange Zeit nötig“

Die bisher gefunden Konzentrationen von HCB seien zudem ungefährlich, sagte Thomas Jakl, Leiter der Chemieabteilung im Umweltministerium. Er verwies auf einschlägige Studien an Tieren: „Dass sich die Befunde, die im Tierversuch belegt wurden am Menschen zeigen, würde eine extreme Belastung über lange Zeiträume brauchen.“ Die derzeitigen Konzentrationen des aktuellen Falls seien davon weit entfernt. Selbst wenn man davon ausgehe, dass die kontaminierten Produkte über Monate konsumiert wurden, stelle das keine Gefahr dar, so Jakl.

Auch Belastungen aus früheren Zeiten

Erst im Jahr 1991 wurde das Pestizid in Österreich verboten. Der jahrzehntelange Einsatz des gefährlichen Giftes führte in vielen Teilen Österreichs zu einer Belastung der Böden. Von einer historischen Belastung durch HCB spricht auch Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer des Umweltbundesamtes: „Dieser Stoff ist überall vorhanden und hält sich sehr lange, er wird schwer abgebaut. Man muss damit rechnen, dass es historische Belastungen gibt, dass auch durch Ausbringung von Kalk Belastungen herkommen, als man noch nicht wusste, wie sehr der Kalk belastet war.“

Gerhard Köfer (Team Stronach) verlangte am Dienstag die Offenlegung der anderen belasteten Regionen. Am Mittwoch kritisierte die FPÖ, der HCB-Untersuchungsausschuss im Landtag „schlummere“ unter seinem Vorsitzenden Willi Korak (BZÖ). Die Konstituierung sei erst für den 16. Dezember anberaumt worden. Die FPÖ spricht von einem „Schneckentempo“.

Links: