Traditionelle Strohhüte aus Domzale

In Domzale gab es bis 2003 eine berühmte Strohhutproduktion. In der k.u.k-Monarchie lebte die ganze Region von den Strohhüten, die große Mode waren. Heute beherrschen nur noch wenige das Handwerk. Die Geschichte der Strohhutindustrie wird im Museum gezeigt.

Die Strohhut-Erzeugung war ursprünglich eine typische Winterarbeit, eine aufwendige wohlgemerkt, denn praktisch alles wurde mit der Hand gemacht. Die wesentliche Vorarbeit bestand daraus, die getrockneten Strohhalme zusammenzuflechten. Aus jeweils drei Stück fertigten die Frauen ein Band. Dieses wurde dann mit einer Art Mangel gepresst.

Strohhüte aus Domzale SSC
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Im Strohhutmuseum sieht man die Herstellung der Hüte Schritt für Schritt
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Das Stroh wird geflochten

Früher wurde alles mit der Hand genäht

Die ersten Strohhüte wurden wohl noch mit der Hand genäht, nach der Erfindung der Nähmaschine ging dann alles wesentlich schneller. Jozi beherrscht das Strohhutnähen perfekt, hat sie doch jahrzehntelang in einer Fabrik bearbeitet: „Ich habe 37 Jahre lang Strohhüte genäht. Das mache ich noch heute sehr gerne und gebe mein Wissen auch gerne weiter. Auch die jungen Menschen sollen weiter Hüte nähen, weil das ist für uns eine Tradition, eine alte Handwerkskunst. Etwas mit den eigenen Händen zu erzeugen, macht mich einfach glücklich.“

Strohhüte aus Domzale SSC
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Strohhut-Industrie sorgte für Aufschwung

Vor mehr als 300 Jahren kam der erste Strohhut nach Domzale. Ein Mann aus Florenz soll ihn aus Dankbarkeit für eine herzliche Bewirtung hinterlassen haben. Bald begann die vorwiegend bäuerliche Bevölkerung selbst solche Hüte zu erzeugen. Einige richteten Werkstätten ein, der große Aufschwung kam dann aber in der Zeit der k.u.k-Monarchie, als sich ab 1870 geradezu eine Strohhut-Industrie entwickelte. 12.000 Frauen und Männer hatten Arbeit, rund 800.000 Strohhüte wurden jährlich erzeugt.

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Roman Kos vom Strohhutmuseum sagte: „Auf unsere Region hatte das eine große Auswirkung. So erfolgte dadurch die Elektrifizierung, viele konnten sich später sogar Autos kaufen und auch eine Bahnlinie wurde gebaut. Praktisch hat sich das gesamte Bild der Gegend hat sich dadurch verändert.“

Sendungshinweis:

Servus Srecno Ciao; 25. November 2017

Dem Aufstieg folgte allerdings nach dem ersten Weltkrieg bald der Niedergang. Endgültig Schluss war dann im Jahr 2003, als die letzte Fabrik die Pforten für immer schließen musste.

Beispiel der ursprünglichen Baukultur

In Domzale gibt es aber nicht nur Strohhüte, sondern auch eine architektonische Besonderheit. Das Menacenk Haus ist eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse der ursprünglichen Baukultur in und um Domzale. Blumen aus Krepp-Papier schmückten schon zur Jahrhundertwende die Stuben und werden heute noch gern gebastelt. Ursprünglich war es das Haus eines Schneiders, der hier gleichzeitig wohnte und arbeitete. Gekocht wurde in der schwarzen Küche und damit auch gleich der Kachelofen in der Stube geheizt. Wesentlich frischer war es da schon im Schlafzimmer, wo es ursprünglich gar keine Heizung gab.

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Erinnerung für die Jugend

Das Menacenkhaus ist - soweit möglich - originalgetreu erhalten beziehungsweise nachempfunden und soll vor allem für die Jugend als Erinnerung an die Geschichte dienen. Katarina Rus ist Museumspädagogin. Über die Pläne für das Haus sagte sie: „Dieses Haus ist sehr wichtig für unsere Gegend, weil wir hier unser Kulturerbe präsentieren und darstellen. Wir wollen es mit Leben erfüllen durch Ausstellungen, Workshops und vor allem Arbeit mit der Jugend.“

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