Papierkunst „zum Anfassen“ in Šmartno

In der Künstlerstadt Šmartno in Slowenien sind derzeit Werke der in Kärnten wohnhaften Künstlerin Marlies Liekfeld-Rapetti zu sehen. Sie hat sich auf fragile Papierkreationen spezialisiert, die gerne auch „erfühlt“ werden dürfen.

Die sanften Hügel rund um Šmartno sind für Marlies Liekfeld-Rapetti immer wieder aufs Neue ein Anziehungspunkt: „Zwei Mal war ich hier im Künstleratelier der Stadt Klagenfurt zu Gast. Als ich 2007 zum ersten Mal hierher kam war alles noch recht verschlafen. Aber die Leute sind sehr freundschaftlich und nett auf mich zugekommen. 2009 war ich zum zweiten Mal im Atelier der Stadt Klagenfurt.“

Zur Person

Die in Königsberg geborene Künstlerin lebte von 1985 bis 2009 in Kärnten, zog dann aus familiären Gründen nach Berlin. Seit 2016 ist sie wieder zurück in Klagenfurt und nutzt - wann immer es Ihre Zeit zulässt - die Nähe zu den Nachbarregionen. So bewohnt sie zeitweise auch ein kleines Künstleratelier in Šmartno.

Dann habe sie sich in den Ort und in die Menschen in der Brda verliebt: „Ich konnte dann Gott sei Dank ein kleines Atelier hier kaufen. Nun bin ich mehrmals im Jahr hier.“

Papier als Werkstoff in vielen Facetten

Blätter aus Papier sind es, die Marlies Liekfeld-Rapetti in ihrem künstlerischen Schaffen veredelt. Papier diene eben nicht nur als Grundlage für Zeichnungen, sondern sei für sie der Werkstoff an sich. Sie fertigt diesen seit Jahrzehnten auch selbst mit einer eigenen Technik an, erklärt die Künstlerin: „Das Papier wird nicht geschöpft, sondern es sind Schichtarbeiten. Man kann sie eben ganz frei hinhängen - sie sind ganz fragil und hängen locker. Man kann dann ihren Charakter besser erkennen.“

Smartno Marlies Liekfeld-Rapetti
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Einige Arbeiten wurden auf Tafeln aufgebracht, um sie besser konservieren zu können: „Man kann sehr schön mit den Händen darüberfahren und merkt diese Struktur, die sich dadurch ergibt - ein bisschen wie Blindenschrift. Ich sage immer: meine Arbeiten dürfen ruhig angefasst werden.“

en Karner, der an die Pfarrkirche von Sveti Kriš in Kojsko, unweit von Šmartno, grenzt, schmücken derzeit Werke der Künstlerin. Unter dem Titel „Fragile“ stehen Papierkunstwerke im Mittelpunkt, die weiblichen Körperformen nachempfunden sind.

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Künstlerin Marlies Liekfeld-Rapetti in Šmartno

Raumatmosphäre für Künstlerin entscheidend

Das Dachgeschoß des Kulturhauses in Šmartno verwandelte Marlies Liekfeld-Rapetti für ihre aktuelle Ausstellung in einen „meditativen Raum“, wie sie sagt. Mit ihren Kreationen eine gewisse Atmosphäre zu schaffen, die sich harmonisch in die Gegebenheiten einfüge, sei ihr wichtig: „Ich arbeite immer für Räume und mit den Räumen. Ich mache keine Bilder, die ich wo hinhänge, sondern immer mit Bezug zu den Räumen auch.“

Sendungshinweis:

Servus Srecno Ciao; 18.11.2017

Der Ort, wo sich im Sommer zahlreiche Kunstschaffende tummeln, inspirierte Marlies Liekfeld-Rapetti auch zu Arbeiten mit Asche: „In meinem Atelier habe ich einen Ofen, den ich mit Holz beheize und da fällt immer Asche an. Da kam ich mir vor wie Aschenputtel, um das immer sauber zu machen. Dann habe ich eben auch mit Asche gearbeitet und habe eine ganze Ausstellung mit Asche gemacht.“

Smartno Marlies Liekfeld-Rapetti
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Für alle lesbare Zeichen mit Interpretationsspielraum

Die aktuelle Schau läuft unter dem Titel „Die Sprache der Zeichen“ und zeigt symbolhafte Darstellungen, die mitunter an Stein- und Pflanzenstrukturen erinnern: „Es ist eine Sprache, die nicht Text schreibt, aber lesbar für alle ist. Jeder kann die Zeichen auch selber interpretieren, sich selber etwas reindenken.“ Deshalb tragen die einzelnen Werke auch keine Titel.

Bis Ende November ist die Ausstellung im Kulturhaus von Šmartno zu sehen. Sie ist von Montag bis Freitag von 11.00 bis 17.00 Uhr geöffnet und an Sonn- und Feiertagen von 10.00 bis 18.00 Uhr.

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