Spiritueller Ausflug durch die Carnia

Die Region Karnien wird immer öfter von Menschen besucht, die Abstand vom hektischen Alltag und spirituelle Bereicherung suchen - zum Beispiel entlang des Pilgerweges „Cammino delle Pievi“.

In Illegio steht die Leidenschaft - aus menschlicher und göttlicher Sicht betrachtet - derzeit im Mittelpunkt einer Kunstausstellung. „Amanti. Passioni umane e divine“ (übersetzt: „Liebende. Menschliche und göttliche Leidenschaften“) lautet der Titel der Schau, die auch heuer wieder vom Comitato di San Floriano auf die Beine gestellt wurde. Seit 2004 organisiert es jedes Jahr eine Kunstausstellung zu einem Glaubensthema.

29.08.17 SSC Ausstellung Leidenschaft Illegio
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Das Bergdorf Illegio
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Die Liebe steht im Mittelpunkt der Kunstausstellung

„Wir haben diesen Weg begonnen mit dem Wunsch, jedes Jahr eine Meditationsmöglichkeit zu einem wichtigen Thema des Lebens der Menschen von heute anzubieten, ausgehend von der Sprache der Kunst. Es war eine Herausforderung, weil ein kleines Bergdorf, wo nur 350 Menschen Leben und wo die Straße eigentlich aufhört, ist ja nicht unbedingt ein Tourismusort. So etwas genau hier anzubieten, war schon etwas komisch. Aber die Idee ist gut angekommen und heuer haben an die 35.000 Besucher die Ausstellung gesehen. Das zeigt, dass es großen Bedarf gibt - an etwas Schönem fürs Auge und an Denkanstößen. An einem Ort wie diesem findet man genau das wieder“, so Kurator Don Alessio Geretti.

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Neben Gemälden sind auch Skulpturen zu sehen

Auch ungezeigte Werke werden sichtbar

Die laufende Ausstellung dreht sich rund um das Thema „Liebe“. Ausstellungsobjekte aus 30 bedeutenden Museen und öffentlichen, sowie privaten nationalen und internationalen Kunstsammlungen sind zu sehen. Die heurige Schau zeigt mehr als 40 Werke aus den vergangenen sieben Jahrhunderten und die Interpretationen namhafter Künstler - von Canova über Artemisia Gentileschi bis hin zu Caravaggio.

29.08.17 SSC Ausstellung Leidenschaft Illegio
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Die Werke kommen von überall her

Herzstück ist für Kurator Don Alessio Geretti ein Kunstwerk von Letzterem aus dem Jahr 1605. Bevor Caravaggio seine berühmte Jungfrau Maria für den Louvre anfertigte, verlangten seine Auftraggeber eine „Probearbeit“. Der Künstler wählte ein Bildnis der weinenden Maria aus Magdala. Das Gemälde befindet sich in Privatbesitz und bleibt sonst der Öffentlichkeit verschlossen, erst kürzlich wurde es wiederentdeckt, so Don Alessio Geretti: „Es berührt unser Herz, weil wir den Grund für Maria Magdalenas Gram nicht kennen - entweder ist sie es, weil sie ihren Geliebten, den Herrn Jesus Christus, verloren hat oder weil sie weiß, dass sie ihm - nach seiner Auferstehung - noch nicht ins Paradies folgen kann. Auch das ist Liebe - zwischen einer Seele und dem Herrn. Wie alle Liebenden haben auch sie den Wunsch, alles miteinander zu teilen - die Menschen und das Leben. Maria aus Magdala erinnert und daran, dass das unser Schicksal ist.“

29.08.17 SSC Ausstellung Leidenschaft Illegio
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Kurator Don Alessio Geretti mit der weinenden Maria aus Magdala im Hintergrund

Hochzeitsbild von Klimt-Bruder

Zu sehen auch ein seltenes Gemälde von Ernst Klimt, dem Bruder von Gustav Klimt. Er schenkte es seiner Frau Helene zur Hochzeit und so trägt es den Titel „Ein Hochzeitspaar in einem blühenden Garten“, erklärt Ausstellungsbegleiterin Claudia Baumgardt: „Ernst Klimt studierte zusammen mit Gustav Klimt an der Kunstgewerbeschule in Wien. Er hat teilweise auch die Ringstraße mit affreskiert und ist leider dann sehr früh an einer Herzbeutelentzündung gestorben. Wir wollten dieses Idyll der Liebe mit seiner Frau - ein Jahr später stirbt er dann - als Abschluss wählen, um noch einmal hervorzuheben, dass die Liebe am Ende das Wichtigste im Leben ist und alles zusammen hält - das Universum.“ Zu sehen ist die Ausstellung bis 8. Oktober in der „Casa delle Esposizioni“ in Illegio. Führungen auf deutsch sind nach Voranmeldung möglich.

29.08.17 SSC Ausstellung Leidenschaft Illegio
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Das Gemälde von Ernst Klimt „Ein Hochzeitspaar in einem blühenden Garten“

Sendungshinweis:

„Servus, Srečno, Ciao“, 9.9.17

Von der Ausstellung abgesehen gibt es in Illegio einen Mühlenweg, auf dem man unter anderem die noch aktive „Mulin da Flec“ aus dem 17. Jahrhundert, besichtigen kann.

Bei archäologischen Ausgrabungen im Dorf wurden Fundamente der Kirche des Heiligen Paulus entdeckt. Sie stammt aus dem 4. Jahrhundert und ist somit die älteste bisher entdeckte Dorfkirche im gesamten Alpenraum. Zu den interessantesten Bauten zählt auch die Pfarrkirche San Floriano. Sie liegt in einer Höhe von 730 Metern über Illegio auf dem Berg Gjaideit. Das Gebäude wurde einst zum Schutz der Bewohner erbaut.

Pilgerweg verbindet Mutterkirchen

Wer die Carnia bei einer Pilgerwanderung kennenlernen möchte, sollte dem „Cammino delle Pievi“ folgen. Er verbindet die historischen Mutterkirchen, Pievi genannt, der Region untereinander.

29.08.17 SSC Ausstellung Leidenschaft Illegio
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Der Pilgerwanderweg verbindet die Kirchen der Region

Eine der Etappen des „Cammino delle Pievi“ führt von der Urkirche von San Floriano aus zur „Cjase Emmaus“ in Imponzo. Der Name des Ortes stammt von einer Brücke, ponte, die einst die Straße in das Valle d’Incaroio mit der Via Julia Augusta verband. Eine Legende besagt aber auch, dass der Name auf Pontius Pilatus zurückgeht, der angeblich vor seinem Tod in der Carnia gewesen sein soll. Dem Volksglauben nach soll jeder, der an seinem Grab vorbeigekommen sein soll einen Stein hinein geworfen haben, zum Zeichen der Missachtung. Diese war dermaßen groß, dass irgenwann aus den ganzen Steinen die Anhöhe von San Floriano entstanden sein soll.

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Eine Kirche auf der Pilgerwanderung

„Schreine voller Wunder“ erleben

Don Alessio Geretti sagt, gemeinsam mit Don Giordano Cracina, dem Ideator des Pilgerweges, wollte man Pilgern die Möglichkeit bieten, die Carnia hier als einen Ort für die Seele kennenzulernen: „Ein Ort, der die Seele und das Herz nährt, sie heilt. Auf 273 Kilometer werden 20 Etappen zurückgelegt. In den Kirchen der kleinen Bergdörfer gibt es Fresken und Skulpturen zu entdecken - sie sind wie kleine Schreine voller Wunder.“

In einem eigenen Pilgerführer wurden Routen und Wissenswertes rund um die geschichtlichen Hintergründe der Mutterkirchen, der Pievi, aber auch Sehenswertes rundherum zusammengefasst.

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Die Kathedrale des Heiligen Peter in Zuglio

Als eine der imposantesten Mutterkirchen der Region gilt die Kathedrale des Heiligen Peter in Zuglio, einst Bischofssitz. Die einstige „Schatzkammer“ ist noch heute gut erhalten, genau wie die Statue des Heiligen Peter aus dem 14. Jahrhundert.

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Die Statue des Heiligen Peter ist noch gut erhalten

Vom rund um die Kirche gelegenen Friedhof aus eröffnet sich einem ein herrlicher Ausblick auf das But-Tal, la Valle del But in der Carnia - die einlädt, auf Pilgerwegen erkundet zu werden.

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Die Aussicht vom Friedhof der Kirche auf das But-Tal

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