Warum die Triestiner Maria Theresia lieben

Viele Triestiner fühlen sich nach wie vor stark mit der Zeit der Monarchie verbunden. In der Hafenstadt finden sich viele Spuren aus dieser Zeit. Kaiserin Maria Theresia wurde sogar ein eigener Stadtteil gewidmet. Eine Spurensuche.

„Andere mögen Kriege führen, du, glückliches Österreich, heirate!“ Dieser alte Spruch brachte Maria Theresia wegen ihrer Heiratspolitik den Spitznamen „Schwiegermutter Europas“ ein. Auch weite Teile Italiens gelangten wegen dieser dynastischen Beziehungen zum Hause Habsburg. In der Hafenstadt Triest wurde der Regentin ein eigener Stadtteil, Borgo Teresiano, gewidmet, sagte Antonella Caroli Palladini. Sie ist Mitglied des Vereins Italia Nostra, der sich auf nationaler Ebene für den Erhalt des architektonischen Kulturerbes einsetzt.

Maria Theresia Jubiläum Triest
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Wo sich früher Lagerräume befanden, sind heute entlang des Kanals zahlreiche Lokale angesiedelt

Canal Grande auf ehemaligen Salinen errichtet

Im Herzen von Borgo Teresiano befindet sich der Canale Ponterosso oder auch Canal Grande genannt. Er wurde im 18. Jahrhundert auf den ehemaligen Salinen erbaut und reichte einst bis zur Chiesa di Sant’Antonio Taumaturgo. Früher zierten ihn drei Brücken, zunächst aus Holz und dann aus Stahl. Sie waren beweglich, sodass sie geöffnet oder verschoben werden konnten, wenn Schiffe durchfahren mussten.

Maria Theresia hatte sich dafür eingesetzt, dass die Stadt immer mehr wächst und dass der Handel floriert. Mit Booten wurden Waren angeliefert, die in den umliegenden Palazzi gelagert wurden. Typisch für die Gebäude aus dem 18. Jahrhundert ist, dass sich im Erdgeschoß die Lagerräume befanden. In den oberen Stockwerken waren Büros und Wohnräume untergebracht.

Caroli Palladini: „Eines der wichtigsten Gebäude hier ist der Palazzo Carciotti. Er gehörte einem Händler, dessen Firma hier angesiedelt war. Auch durch Reedereien wurde hier der Grundstein für einen kleinen Hafen gelegt. Im Inneren des Palazzo Carciotti befinden sich wertvolle Fresken und eine Kuppel aus Kupfer. Auch wenn dieser Palazzo etwas heruntergekommen ist, bleibt er eines der Juwelen der Stadt Triest.“

Aus Palazzo soll jetzt Fünfsternehotel werden

Der Wert des Palazzo wird auf etwa 20 Millionen Euro geschätzt, berichtete das Triester Gemeinderatsmitglied Lorenzo Giorgi laut Medienangaben. Die Gemeinde will dafür sorgen, dass zumindest Teile des Palazzo Touristen und Einwohnern zugänglich bleiben.

Im Gebäude mit einer Fläche von 15.000 Quadratmetern wohnte 1816 eine kurze Zeit lang Österreichs Staatskanzler und Außenminister Fürst Metternich. Eine Zeit lang war es Sitz der Hafenbehörde. 1831 wurde der Palast zur ersten Niederlassung der Versicherungsgesellschaft Generali. Später diente er als Sitz der Österreichisch-ungarischen Bank. Zurzeit sind noch einige Büros der Gemeinde Triest untergebracht. Wegen der hohen Kosten für die Instandhaltung des Palazzo soll er jetzt privatisiert werden.

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Im Palazzo Carcitti soll ein Luxushotel errichtet werden

Der Standort Triest wird für österreichische Investoren immer attraktiver. Mitte April hatte sich der Klagenfurter Immobilienentwickler MID Holding bei einer Versteigerung für den Erwerb des ehemaligen Messegeländes in Triest mit einem Angebot von zwölf Mio. Euro durchgesetzt. Weitere drei Interessenten, darunter eine österreichische Firma, deren Name nicht bekanntgegeben wurde, hatten sich an der Versteigerung der Gemeinde Triest beteiligt - mehr dazu in Messegelände Triest in Klagenfurter Hand.

Alter Hafen im Dornröschenschlaf

Maria Theresia etablierte in Triest auch wichtige Bildungseinrichtungen - wie das nautische Institut und die Staatsgewerbeschule, erklärte die Historikerin: „Es war eine von 35 Schulen, die auf die Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie zurückgehen. Das Erbe aus Maria Theresias Zeit ist hier noch heute vielerorts sichtbar. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, kann man die Stadt getrost als ‚theresianische‘ Stadt bezeichnen.“

Regentin schnupperte nie selbst Triester Meeresluft

Auch wenn die Regentin - der Überlieferung nach - nie selbst in Triest gewesen sein dürfte, sind ihr die Triestiner nach wie vor verbunden. Denn Maria Theresia trug dazu bei, die Stadt - neben Wien und Budapest - zu einem wichtigen Handelsknotenpunkt zu machen, so der Triestiner Bürgermeister Roberto Dipiazza: „Schon 1719 hatte Kaiser Karl der Sechste das Abkommen für den Porto Franco, den Freien Hafen, von Triest geschaffen. Maria Theresia führte seinen Weg fort - und so entstand der Hafen, der jetzt den Namen Porto Vecchio trägt.“

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Der Hafen liegt seit Langem im Dornröschenschlaf

Dipiazza weiter: „Die Piazza Unità bezeichne ich gerne als ‚kleines Wien‘ - wenn man sich das Meer wegdenkt, ist es tatsächlich ein kleines Wien. Auch viele kulturelle Tugenden aus der Zeit der Monarchie schätzen wir sehr: die Ernsthaftigkeit und Zuverlässigkeit zum Beispiel.“

Eigenes Denkmal für die Regentin?

Nicht nur deshalb will man sich in Triest dafür einsetzen, dass auch Maria Theresia ein Denkmal erhält. Wo, ist noch unklar. Neben Kaiser Maximilian auf der Piazza Venezia zählt auch die Statue von Kaiserin Elisabeth, Sisi, an der Piazza della Libertà gegenüber dem Bahnhof zu einem beliebten Anziehungspunkt für Touristen.

Zu Ehren von Kaiserin Maria Theresia finden heuer in Triest zahlreiche Veranstaltungen statt. Besucher konnten im Castello di San Giusto in einer Fotoausstellung erfahren, wie die Stadt zur Zeit der k. u. k. Monarchie ausgesehen hat. Alinari, das eigenen Angaben zufolge älteste noch bestehende fotografische Unternehmen der Welt, errichtete dort vor Kurzem ein kleines Museum, das der Geschichte der Fotografie gewidmet ist.

Die Besucher erfuhren mehr, als die ausgestellten Aufnahmen zeigen. Es ging um Zukunft und Vergangenheit der Fotografie. So wurden nicht nur Papierabzüge ausstellt, sondern es wird auch über die Fotografie als Medium sowie über ihre Entwicklung im Laufe der Zeit unter den Voraussetzungen der Digitalisierung nachgedacht - mehr dazu in Imagemuseum.

Maria Theresia setzte sich für religiöse Toleranz ein

Als Hafenstadt zog Triest seit jeher Händler aus der ganzen Welt an. Die Stadt wurde zum Schmelztiegel der Kulturen und der Religionen.

Maria Theresia habe religiösen Frieden nach Triest gebracht, wo - dank ihrer Initiative - die Anhänger der katholischen, orthodoxen und evangelischen Kirchen einander bis heute wertschätzend gegenübertreten, sagte Don Ettore Malnati von der Diözese Triest: „Maria Theresia war prägend für das friedliche Zusammenleben der Menschen aller Konfessionen, fernab der Glaubensgrenzen: Während vielerorts religiöse Konflikte vorherrschten, setzte sie sich immer dafür ein, dass in ihrem Reich die Gesellschaft auf spiritueller Ebene näher zusammenrückte. Neben dem wirtschaftlichen Reichtum sorgte sie auch für einen enormen Reichtum auf spiritueller Ebene.“

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Kaiserin Maria Theresia (1717 - 1780)

Am 26. Oktober steht ein runder Tisch zum Thema „Religiöse Toleranz im Triest Maria Theresias“ auf dem Programm. Organisiert wurde er von der Kurie, der jüdischen, der griechisch-orthodoxen, der serbisch-orthodoxen und der islamischen Gemeinschaft in Triest.

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Don Ettore Malnati und Sabrina Strolego bei einer Vorbesprechung für den runden Tisch am 26. Oktober

Vorbild für moderne Karrierefrauen

Auch für viele moderne Karrierefrauen kann Maria Theresia durch ihr Wirken ein Vorbild sein, ist die Honorarkonsulin von Österreich in Triest überzeugt. Sie selbst ist als Unternehmerin in der ganzen Welt unterwegs.

„Obwohl sie Mutter von zwölf Kindern war, hat sie ihre Funktion als Regentin eines Vielvölkerstaates und das Familienleben vereint. Mich fasziniert an ihrer Persönlichkeit besonders, dass sie über eine unglaubliche Intuition verfügte. Sie sah in unserer Stadt großes Entwicklungspotenzial, und ihr ist es gelungen, das voll auszuschöpfen - immerhin hat sie wirtschaftlichen Aufschwung bewirkt und das kulturelle Leben hier geprägt. Sie war für ihre Unternehmungslust bekannt, sie galt als äußerst aktiv und hat Wohlstand hinterlassen“, sagte Sabrina Strolego.

Zahlreiche Initiativen zu Ehren Maria Theresias

Am 6. Oktober weiht der Mailänder Kunstkritiker Philippe Daverio die Ausstellung „Maria Theresia und Triest: Geschichte und Kultur der Stadt und seines Hafens“ ein. Geplant ist auch ein Filmfest zum Thema „Das Europa von Maria Theresia im Film“.

Im neuen Ausstellungsraum der Region Friaul-Julisch Venetien, im „Magazzino delle Idee“ in Triest, ist ab 6. Oktober 2017 eine große Ausstellung geplant, bei der vor allem die Reformbestrebungen der Monarchin und ihre Verdienste um Triest hervorgehoben werden sollen.

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