Kartause Žiče: Das älteste Gasthaus Sloweniens

Im einsamen Tal von Žiče in Slowenien befindet sich die Kartause von Žiče und das älteste Gasthaus Sloweniens, das einst zur Verköstigung der Pilger diente. Erbaut wurde die Kartause 1165.

Markgraf Ottokar der Dritte gründete im Jahr 1165 im damals unbewohnten Tal südlich von Slovenske Konjice das Kloster und vertraute es dem Kartäuser-Orden an. Es dauerte nicht lange und das Kloster wurde zum wirtschaftlichen und geistigen Zentrum der Region. Nach dem raschen Aufstieg und einer wechselhaften Geschichte kam dann aber der Verfall. Als eines der ersten im Habsburger-Reich wurde im Jahr 1782 das Kloster von Žiče auf Anordnung von Josef dem Zweiten geschlossen.

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Arnulf Prasch und Fremdenführerin Vida Šmid bei der Besichtigung der alten Klosteranlage

Bei einem Rundgang bekommt man ein Gefühl für die Ausmaße des Klosters, ein Modell in der ehemaligen Friedhofskapelle zeigt, wie es früher aussah. Dabei lebten hier immer nur zwölf Mönche und ihr Prior. Sie waren für die Zeit hochgebildet, konnten vor allem lesen und schreiben und hielten ihr Wissen auch fest.

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Vida Šmid: „Die Bücher wurden per Hand geschrieben, abgeschrieben oder übersetzt. Deshalb gab es hier eine große Bibliothek mit mehr als 2.000 Exemplaren mit Büchern aus den Bereichen Astronomie, Mathematik, Philosophie, und weiteren, die das Leben der Menschen betrafen. So haben die Mönche dieses Wissen schon vor der Erfindung des Buchdrucks festgehalten.“

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In einem kleinen Museum ist die Geschichte des Klosters dokumentiert. Die Bibliothek wurde schon im 18. Jahrhundert nach Graz gebracht, in Žiče kann man Kopien besichtigen und auch sehen, wie die Kartäuser-Mönche bekleidet waren.

Sendungshinweis:

Servus Srecno Ciao, 25. März 2017

Nur wenige Meter vom Kloster entfernt besuchen wir noch das „Gastuz“, das älteste Gasthaus Sloweniens und einzigartig in Europa. Errichtet im 15. Jahrhunderte diente es der Verkostung und Beherbergung von Pilgern. Es drohte zu verfallen, wurde aber gemeinsam mit den Überresten des Klosters renoviert.

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Uralte Kräuterkunde noch heute gefragt

Die Mönche hatten ein fundiertes Wissen, was Kräuter betrifft und der Umgang damit wird noch heute gepflegt. In der Kräuterstube gibt es Mittelchen für und gegen vieles, was dem Körper gut tut oder ihn leiden lässt.

Kalšek: „Neben dem Aderlass hielten sich die Mönche ausschließlich mit Kräutern, die sie im eigenen Garten gezogen haben, gesund. Diese verarbeiteten sie zu verschiedensten Tinkturen, Wässerchen, aber auch Schnäpsen und Likören. Damit heilten sie sich selbst und die Bevölkerung.“ Die Kartause ist für Besucher geöffnet, hier erlebt man eine Welt, die es schon hunderte Jahre nicht mehr gibt und trotzdem ist zumindest ein Hauch davon zu spüren.

Štefan Kalšek: Korbflechter aus Leidenschaft

Mitten in den Weinbergen liegt der Hof von Stefan Kalšek. Er ist Weinbauer und Schnapsbrenner. Seit mehr als drei Jahrzehnten beschäftigt er sich auch mit der Korbflechterei, zuerst als Hobby, dann immer professioneller. Stefan arbeitet ruhig und genau und hat aufgrund seiner Arbeit schon zahlreiche Anerkennungen bekommen.

Štefan Kalšek Korbflechter: „Ich flechte aus den dickeren Ruten Körbe. Die dünneren werden gekocht und geschält. Diese verwende ich dann für die Korbflaschen und ähnliches. Oft kommen auch Gäste zu mir, schauen bei der Arbeit zu und kaufen eine kleine Erinnerung.“

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Štefan Kalšek zeigt auch Schulklassen gerne, wie man Körbe flechtet, denn er will, dass sein Wissen erhalten bleibt.

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