Brežice: Tradition und Strom für die Zukunft

In Brežice in Slowenien hat das Kunsthandwerk Tradition. Das zeigt sich auch im Museum im Schloss von Brežice. Für den Strom der Zukunft sorgt ein Projekt am Rande der Stadt. Dort wird ein neues Flussspeicherkraftwerk errichtet.

Brežice gehört zur slowenischen Region Untersteiermark und ist eine der größten Gemeinden in Slowenien. Noch heute sieht man, wo früher die Straße der Handwerker verlief und parallel dazu die Straße der Händler. Die Silhouette der mittelalterlichen Stadt prägt seit 1914 der Wasserturm, der mit seinem Helmdach an einen mittelalterlichen Wehrturm erinnert. Bis heute ist der Wasserturm der dominanteste und höchste Bau der Stadt.

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In Brežice münden die Krka und das Grenzflüsschen Sotla in die Save. Das Wasser des Flusses wird zum Kühlen bei der Erzeugung von Atomstrom im nahegelegenen Kraftwerk Krško verwendet. Eineinhalb Kilometer entfernt wird gerade eine umweltfreundlichere Form der Energiegewinnung errichtet, ein Flussspeicherkraftwerk samt Stausee.

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Energiegewinnung und Hochwasserschutz

Seit 2014 wird in Brežice gebaut. Es handle sich um das derzeit größte in Slowenien realisierte Infrastruktur-Projekt, erklärten die Eigentümer. Für die Kraftwerksbetreiber war es eine Herausforderung, bei der Errichtung unterschiedlichen Interessen und rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden, auch im Hinblick auf die Anrainer und den Umweltschutz, sagte Andrej Vizjak vom Unternehmen Hess.

Vizjak: „Bei diesem Projekt war uns auch der Hochwasserschutz ein Anliegen. Nicht nur jedes Gebäude hier im näheren Umkreis soll vor hundertjährlichen Hochwassern geschützt sein. Auch die landwirtschaftlich genutzten Flächen sind zumindest vor zwanzigjährlichen Hochwassern geschützt. Durch das neue Kraftwerk wird sich der Hochwasserschutz wesentlich verbessern.“

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430 Fußballfelder passen in den Stausee in Brezice

80.000 Tonnen Zement geben nötigen Halt

Der aufgeschüttete Stausee wird so groß wie 430 Fußballfelder sein. Damit er einmal 20 Millionen Kubikmeter Wasser fassen kann, muss der Uferbereich stabilisiert werden. 80.000 Tonnen Zement werden zur Verstärkung eingespritzt. Dadurch soll eine besondere Festigkeit garantiert werden.

Geliefert wird der Zement großteils von Salonit Anhovo, einem Tochterunternehmen der Kärntner Wietersdorfer-Gruppe. Sie hat in Slowenien schon an zahlreichen Großprojekten mitgearbeitet, wie an der Errichtung des nordischen Skisprungzentrums in Planica.

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Der Zement für das Kraftwerk kommt von Salonit Anhovo, einem Tochterunternehmen der Kärntner Wietersdorfer-Gruppe

Zement: Rezepte ständig überarbeitet

„Als Kärntner Familienunternehmen sind wir ja seit 125 Jahren sehr aktiv im Bau- und Bauzuliefergeschäft. Seit über 30 Jahren sind wir auch sehr international aufgestellt. Auch im Zementbereich gibt es viele unterschiedliche Spezialitäten. Da kommt es dann auf die Zusatzstoffe an in der Veredelung des Zements, gerade auch bei Wasserkraftwerken, wo teilweise auch unter Wasser gearbeitet werden muss“, sagte Michael Junghans von der Wietersdorfer Holding GmbH.

„Es ist wichtig, dass bei jedem Projekt die richtige Mischung zur Anwendung kommt. Die Grundrezepte werden immer überarbeitet und in unseren Laboratorien wird ständig weiter geforscht, um unseren Kunden die passenden Produkte anbieten zu können“, sagte Julian Fortunat von Salonit Anhovo.

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Eine der zwei Turbinen, die bald von Wasserkraft betrieben werden

Nächstes Jahr soll das neue Flussspeicherkraftwerk in Betrieb gehen und dann etwa ein Prozent des jährlichen Strombedarfs Sloweniens abdecken. Das Kraftwerk Brežice wird dann auch voll automatisiert und fast unbemannt betrieben werden. Brežice ist das vierte von fünf geplanten Wasserkraftwerken im unteren Bereich der Save.

Entdeckungsreise im Schloss von Brežice

Ursprünglich diente das im 12. Jahrhundert von den Salzburgern erbaute Schloss zu Verwaltungs- und Abwehrzwecken. Nach einem Brand wurde 1529 die neue Renaissance-Festung erreichtet.

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Das Schloss von Brežice

Die Adelsfamilie Attems residierte hier lange Zeit. Heute befindet sich hier ein Museum, das das kulturelle Erbe der Region von der Vorzeit bis heute darstellt und einen Überblick über Handwerk und Traditionen liefert. Ein Schwerpunkt ist heuer dem Wasser gewidmet.

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Vier Elemente: Wasser, Feuer, Erde und Luft

Der Rittersal ist das Prunktstück und zeigt barocke Wandmalereien von slowenischen Künstlern. Alenka Černelič Krošelj, die Museumsdirektorin: „Im Rittersaal sind Bilder mit den vier Elementen Wasser, Feuer, Erde und Luft zu sehen. Wir wollen auch hier im Museum zeigen, wie sich die vier Elemente im kulturellen Erbe widerspiegeln: materiell, symbolisch und zum Beispiel in Form der Volksweisheiten. Im Mittelpunkt steht immer die Bedeutung der vier Elemente für unsere Gegend.“

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Der Rittersal mit barocken Wandmalereien von slowenischen Künstlern

Restauratoren arbeiten im Museum

Im Museum haben die beiden Restauratoren Aleš Vene und Jože Lorber ihre Werkstatt. die beiden haben bereits jahrzehntelange Erfahrung im Konservieren und Wiederherstellen alter Fundstücke aus der Region. Diese Stücke werden später im Museum ausgestellt.

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Aleš Vene bei der Restauration eines Gemäldes

„Auch wenn viel Kleinarbeit dahinter steckt: Wenn wir es mit unserer Arbeit schaffen, den Ausstellungsstücken wieder ihr ursprüngliches Aussehen zu verleihen und die Zeichen der Zeit zu beseitigen, ist das ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Das gibt uns die Motivation, immer weiter zu machen“, sagte der Restaurator Aleš Vene.

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Die Arbeit scheint Aleš und Jože nicht auszugehen und so dürfen sich die Besucher des Schlosses von Brežice auf immer wieder neue, interessante Ausstellungen freuen.

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