Pieris: Wo das Tiramisu erfunden wurde

Pieris, in der italienischen Provinz Gorizia in der Region Friaul-Julisch Venetien, ist eingeschichtsträchtiger Ort. Hier wurde vor vielen Jahren angeblich das Tiramisu erfunden. Geburtsort soll die Trattoria „Vetturino“ gewesen sein.

In Pieris befand sich die Trattoria „Vetturino“. Sie war früher in der ganzen Region und weit darüber hinaus bekannt für ihre Spezialitäten, allen voran die „Coppa Vetturino“. So hieß das hier kreierte Tirmisù ursprünglich.

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Eine alte Aufnahme der Trattoria al Vetturino

Erfunden wurde die „Coppa Vetturino“ 1935 von Mario Cosolo - bei einem Wettbewerb, wer die schnellste und beste Nachspeise für den König macht.

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Noch heute wird die „Coppa Vetturino“ nach dem Originalrezept zubereitet

Flavia Cosolo hat für 80 Jahre das Originalrezept ihres Vaters gehütet wie einen Schatz. Uns verrät sie einige Zutaten aus dem Rezept: Die Basis der „Coppa Vetturino“ besteht aus einer leichten Schokolademousse und in trockenem Marsala-Wein getränktem Sandkuchenteig. Mit pasteurisierten Eiern wird Zabaglione, eine Weinschaumcreme, eingekocht.

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Flavia Cosolo, die Tochter von Mario Cosolo, dem Erfinder des Tiramisù

Originalrezept „Coppa Vetturino“

Teig:
5 Eier, Zucker, Mehl, ein halbes Sackerl Trockengerm, geriebene Zitronenschale

Creme:
6 Dotter
8-9 Löffel Zucker
1 Liter Flüssigsahne
90 ml trockener Marsala-Wein
2-3 Löffel Kakao

Außerdem:
trockenen Marsala zum Einweichen des Teiges
Kakao zum Verzieren

Schlag statt Mascarpone

Flavia Cosolo: „Es unterscheidet sich von den anderen, weil es keine Mascarpone enthält. Mein Vater hat ihn 1935 auf dem Schiff von König Vittorio Emmanuele dem Dritten zubereitet. Damals gab es noch keine Mascarpone, deshalb hat mein Vater Schlagobers verwendet. So ist dieses Tiramisù viel leichter und bekömmlicher. Es enthält weniger Fett.“

Die „Erfindung“ von Tiramisu soll in den 40er-Jahren passiert sein, sagte Flavia. „Ein Gast aus Triest war ganz verliebt in eine Kellnerin und er scherzte mit ihr, dass sie ihn ‚aufgerichtet’“ hätte. Was im triestiner Dialekt tirime su heißt. Mein Vater änderte daraufhin den Namen von Coppa Vetturino in Tiramisù.“ Gastro-Experten allerdings streiten sich darüber, ob das Tiramisu tatsächlich hier erfunden wurde oder in den 1970er-Jahren in Treviso.

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Gästescherz: „tirime su“ - richte mich auf

Tradition und Brauchtum in Turriaco

In Turriaco in der Provinz von Görz in Friaul Julisch Venetien - zwischen der Adria, dem Fluss Isonzo, dem Timavo und dem Karst - liegt die sogenannte „Bisiacaria“. Der Name für diesen Landstrich leitet sich von dem venezienischen Dialekt „Bisiacco“ ab, der hier noch gesprochen wird. Giorgio Benfatto und seine Frau Maria sprechen regelmäßig den heimischen Dialekt „Bisiacco“. Sie sind Mitglieder der örtlichen Brauchtumsgruppe und beide tragen - jeder auf seine Weise - zum Erhalt der Traditionen bei.

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Giorgio Benfatto und seine Frau Maria in der Werkstatt

Giorgio ist leidenschaftlicher Musiker und Handwerker. Er arbeitet gerade an einer „Benfatta“, die nach ihm benannt wurde. Die Harmonika ist bei den Auftritten der „Bisiachi“ das wichtigste Instrument - die anderen dienen der Begleitung. Alle sind handgefertigt.

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Die Benfatta von Giorgio

„Harte Hölzer klingen einfach schöner“

Wie früher einmal wird alles, was gerade zur Verfügung steht, zum Klingen gebracht. Giorgio Benfatto: „Für unsere Instrumente werden nur harte Holzarten wie Eiche oder Mahagoni verwendet, die genügend Resonanz erzeugen. Weiche Hölzer hingegen hätten keinen schönen Klang, deshalb verwenden wir sie nicht. Die harten Hölzer klingen einfach schöner.“

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Rhythmusinstrumente, handgefertigt

Traditionelle Trachten der Folkloregruppe

Die traditionellen Trachten der Mitglieder der Folkloregruppe „Gruppo Costumi Tradizionali Bisiachi“ werden von den Frauen aus Turriaco alle handgefertigt. Bis sie komplett sind, braucht es viele Arbeitsschritte.

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Die Trachten der Folkloregruppe „Gruppo Costumi Tradizionali Bisiachi“ werden selbst gemacht

Trachten aus allen Jahrhunderten

Caterina Chittaro: „All die Trachten sind komplett mit der Hand gemacht und so ist es viel Arbeit, bis zu 40 Stunden pro Tracht. Wir haben auch Unterhosen, Unterrock und es sind so viele Sachen zu machen. Wir haben drei verschiedene Varianten unserer Tracht: Eine stammt aus dem 19. Jahrhundert, eine aus dem 18. Jahrhundert und dann haben wir noch eine aus dem 16. Jahrhundert. Sie unterscheiden sich in der Farbe und im Modell.“

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Die Trachten unterscheiden sich auch in der Unterwäsche

Einzig die Art, das Kopftuch zu tragen, ist bei allen Trachten-Varianten gleich. Eigene Maskottchen machen die Bisiachi auch: „pupette“ werden die Stoffpuppen genannt.

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Die „pupette“ sind die Maskottchen der Bisiachi

Die Bisiachi sind regelmäßig bei Brauchtumsveranstaltungen in Nah und Fern zu Gast. Zuletzt waren sie auch am Villacher Kirchtag.

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