Pfahlbauten im Friaul sind Weltkulturerbe

In der Nähe von Pordenone wurde eine der ältesten Pfahlbausiedlungen Norditaliens entdeckt, die „Palù di Livenza“. Die UNESCO nahm sie in die Liste der Weltkulturerbestätten der Menschheit auf.

Das Sumpfgebiet nahe der Quelle des Livenza-Flusses gab Geheimnisse der Vergangenheit preis. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten Bauern dort auf den Feldern erste Überreste aus der späten Jungsteinzeit. Erst in den 1960er-Jahren begannen die Trockenlegungsarbeiten.

Pfahlbauten  Palù di Livenza
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Funde aus prähistorischer Zeit

Dabei kamen Holzstrukturen ans Licht, wie auch eine große Anzahl von Keramikfragmenten und Werkzeugen aus Stein, die zu einem prähistorischen Ort der Jungsteinzeit gehören.

Serena Vitri war eine der Ersten, die hier Forschungen betrieben hat. Seit damals gilt das Interesse der Wissenschaft dem „Palù di Livenza“, als eine der wichtigsten paläolithische Stätten Norditaliens. Im gesamten Alpenraum gibt es 110 archäologische Standorte, die die UNESCO zum Welterbe der Menschheit erklärte. Dass der “Palù di Livenza” einmal Teil dieses Netzwerks sein würde, hätte hier zunächst niemand für wahrscheinlich gehalten.

Pfahlbauten  Palù di Livenza
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Eine der letzten Fundstellen

Serena Vitri: “Aber dass diese Ausgrabungsstätte sehr bedeutsam ist, das wussten wir sofort - alleine schon wegen der großen Anzahl an Fundstücken aus dem Kanal. Das war aus quantitativer Sicht etwas Außergewöhnliches. Außerdem ist diese eine der letzten Fundstellen dieser Art in Richtung Osten.“

Pfahlbauten  Palù di Livenza
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Fundstücke sind zu besichtigen

Im archäologischen Museum von Torre bei Pordenone werden einige der Fundstücke aus der Gegend des „Palù di Livenza“ gezeigt. Keramik-Gefäße, Küchen- und Haushaltsutensilien, Steinwerkzeug und Pfeilspitzen - sie geben Aufschluss über den Alltag der Menschen in der Jungsteinzeit. Dass die Auswahl der Ausstellungsstücke eher überschaubar erscheint hat einen rein wissenschaftlichen Grund.

Pfahlbauten  Palù di Livenza
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Roberto Micheli:„Wenn die Fundstücke aus der Torfschicht entnommen werden, in die sie Jahrhunderte lang eingebettet waren, kann das mitunter zu ihrer Zerstörung führen. Man muss also sehr behutsam vorgehen und kann nicht alles ausstellen, auch wenn das natürlich interessant wäre. Das macht die Überreste von Pfahlbausiedlungen - anders als Fundstücke an Land - zu etwas Besonderem.“

Phänomen der Alpenländer

Pfahlbauten und Moorsiedlungen aus urgeschichtlicher Zeit sind ein besonderes Phänomen der Alpenländer. In zahlreichen Seen und Feuchtgebieten des Alpenvorlandes blieben sie großteils erhalten. Einige Fundstücke des Palù di Livenza werden auf das Jahr 5.400 vor Christus datiert. Palù di Livenza zählt zu einer Reihe von ähnlichen Orten in den Alpen: in Frankreich, Slowenien, der Schweiz, Deutschland, Österreich und weiteren Gegenden Italiens.

Die UNESCO schreibt vor, dass an den von ihr auserwählten historischen Plätzen regelmäßig geforscht wird und dass die Ausgrabungsstätten instandgehalten werden. Für Roberto Micheli und sein Team ist die Arbeit hier in der Nähe des Kanals schwierig. Der feuchte Boden lässt so manche Grube rasch einstürzen. Neue Techniken wurden entwickelt, um Kernbohrungen durchzuführen und es wurden Forschungsmethoden der Unterwasser-Archäologie eingesetzt.

Proben wurden genommen

Ziel des aktuellen Forschungsprojekts war es nicht primär, neue Funde freizulegen, sondern Proben zu entnehmen. Die Wissenschaftler sind dennoch fündig geworden, sagte Micheli: „Wir haben Spuren einer Siedlung entdeckt. Wir haben zahlreiche Abfallprodukte dieser gefunden - zum Beispiel Keramik, Feuersteine, Hölzer, Tierknochen und pflanzliche Überreste. Es wurden auch Holzpfosten freigelegt, die von Hütten oder Zäunen stammen könnten.“

SSC Pfahlbauten Livenza
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Die nächsten Monate werden die Forscher damit zubringen, die gewonnenen Daten auszuwerten und diese mit den Erkenntnissen aus vorangegangenen Grabungen zu vergleichen. Im nächsten Frühjahr soll dann weitergeforscht werden - denn es gibt noch vieles zu erfahren über den „Palù di Livenza“.

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