„Aufgezeigt“: Vier Monate ohne Trinkwasser

Seit knapp vier Monaten ist das Trinkwasser für 30 Haushalte in Hundsdorf (Gemeinde Feistritz/Rosental) mit Koli-Bakterien belastet und nur abgekocht genießbar. Ein Ortsaugenschein mit Experten der Behörden soll Klärung bringen, warum das Problem bis jetzt nicht behoben wurde.

Justine Doujak ist eine der vielen Betroffenen in Hundsdorf und wird seit knapp vier Monaten von ihren drei Töchtern mit Trinkwasser versorgt.

Gefährlich für Kinder und Ältere

Vor allem Kleinkinder und ältere und kranke Personen könnten Schaden nehmen, wenn sie mit Kolibakterien verunreinigtes Wasser trinken. Um die Keime zu vernichten, müsse das Wasser einige Minuten abgekocht werden.

Während dieser Zeit hörte sie – wie sie sagt - nichts von der Wassergenossenschaft Hundsdorf. Deren Obmann, Josef Kropiunik, habe ihr lediglich gesagt, dass man auch etwas anderes als Wasser trinken könne. Trotz mehrmaliger Nachfrage stand er dem ORF nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung.

Aufgezeigt Wasserstreit Hundsdorf
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Das Hundsdorfer Wasser kann momentan nur abgekocht verwendet werden.

Die Genossenschaft hat nur eine einzige Quelle. Diese befindet sich am Berg, nahe einer Pferdehalt. Dort suchte eine Fachfirma mit Kanalkamera nach der Ursache. Bis jetzt brachte dies keinen Erfolg. Was sonst noch unternommen wurde ließ sich ohne Stellungnahme der Genossenschaft für den ORF nicht rekonstruieren.

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Gudrun Maria Leb mit Justine Doujak und ihrer Tochter

Experte: Drei von vier Proben unauffällig

Die Aufsichtsbehörde ist die Bezirkshauptmannschaft Klagenfurt. Klaus Bidovec kontrolliert auch private Genossenschaften, wie jene in Hundsdorf. Er sagt, die Wasserrechtsbehörde habe erst Ende August erstmals die Information bekommen und den Obmann der Wassergenossenschaft in einem Schreiben ersucht, die Bevölkerung zu informieren, dass das Wasser abgekocht werden müsse und dass entsprechende Instandsetzungsmaßnahmen zu erfolgen hätten.

Es habe telefonischen Kontakt gegeben und die Amtsärztin hätte auch noch Schreiben erlassen. In Hundsdorf selbst seien laut Bidovec neuerliche Untersuchungen durchgeführt worden. Diese hätten das Ergebnis hervorgebracht, dass von vier drei Proben weitestgehend in Ordnung gewesen seien, also dass keine Gesundheitsgefährdung gegeben sei.

Zu Gast im Studio

Klaus Bidovec und Johannes Leitner von der Bezirkshauptmannschaft Klagenfurt sind um 15.00 Uhr zu Gast im Radio-Kärnten-Studio.

Ortsaugenschein mit Probenentnahme

Weil nur eine Probe nicht in Ordnung gewesen sei habe die Aufsichtsbehörde zugewartet, obwohl die Wassergenossenschaft laut Gesetz nur vier Wochen und nicht vier Monate Zeit hat, das Problem zu lösen. Jetzt will Klaus Bidovec nicht mehr zuwarten; er beraumte für kommenden Montag mit zwei Amtssachverständigen des Landes, einem Zivilingenieur und der Bürgermeisterin von Feistritz/Rosental, einen Ortsaugenschein an. „Es werden neuerlich Proben genommen“, so Bidovec. Wie lange es dauern werde, bis das Problem tatsächlich behoben werde, sei unklar.

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Tafel Quellenschutzgebiet in Hundsdorf

Wenn die Trinkwasserversorgung - wie in Hundsdorf - vier Monate unterbrochen ist, ist es üblich und vielfach vorgeschrieben, dass die Genossenschaft Ersatz-Trinkwasser zur Verfügung stellen muss. Der Obmann habe ihm telefonisch zugesichert, dass er dies der Bevölkerung auch angeboten habe. Das habe auch Bürgermeisterin Sonya Feinig bestätigt. „Eine gesetzliche Verpflichtung ist mir nicht bekannt“, sagte Bidovec. Justine Doujak sagt, sie habe nie ein solches Angebot bekommen.

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Klaus Bidovec und Gudrun Maria Leb

Bürgermeisterin: Gemeinde kein Aufsichtsorgan

Bürgermeisterin Sonya Feinig sieht die Zuständigkeit eindeutig bei der Wassergenossenschaft Hundsdorf. Als Gemeinde sei man kein Aufsichtsorgan: „Eine Genossenschaft ist selbstständig. Das heißt, die Eigentümer der 30 Anwesen sind quasi die Eigentümer der Anlage, weil sie Mitgliedsbeträge bezahlen.“

Sendungshinweis:

„Aufgezeigt“, 28. November 2017

Ein Geologe werde bei der Ursachenfindung behilflich sein, kündigte Feinig an. Die Gemeinde werde zudem einen technischen Zivilingenieur für Wasserbau beiziehen und die Kosten dafür übernehmen. Die Maßnahmen selbst müssten von der Wassergenossenschaft durchgeführt werden.

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Sonya Feinig, Bürgermeisterin der Marktgemeinde Feistritz im Rosental
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