„Aufgezeigt“: Im falschen Körper geboren

Der junge Kärntner William wurde als Mädchen geboren und hat fast alle geschlechtsanpassenden Operationen hinter sich. Doch die letzte, die ihn auch zu einem sexuell aktiven Mann machen würde, wurde von der Krankenkasse nicht bezahlt.

Transgender-Persönlichkeiten sind Menschen, die im falschen Körper geboren wurden. Von Kindheit an leiden sie massiv psychisch unter diesem Zustand. Vor sechs Jahren entschied sich William dazu, sein Geschlecht anpassen zu lassen. Für William war diese Zeit schmerzhaft und schwierig: „Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich mich wieder im Alltag bewegen konnte.“

Unterstützt wurde er von Angela Teyrowsky, die ihn seit Beginn seiner Geschlechtsanpassung betreut: „Es war beim ihm ziemlich klar. Ich kann mich an eine Episode erinnern, wo William noch ein letztens Mal in Mädchenkleidern in die Schule ging. Es war furchtbar. Es hat noch weniger zu ihm gepasst als die männliche Identität, die er ja bereits lebte und auch schon sehr stimmig war. Damit war es für ihn auch klar, diesen Weg fortzuführen.“

Aufgezeigt Fall William
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Letzte OP ausständig - GKK will nicht zahlen

Jeder Schmerz und jeder Euro habe sich ausgezahlt, ist William überzeugt. Rund 7.000 finanzierte er bis jetzt auf seinem Weg zum Mann aus eigener Tasche - für Gutachten, Operationsfreigaben, die Schmerzbehandlung danach und eine Psychotherapie.

Die Gebietskrankenkasse kam bisher für die Kosten der Geschlechtsanpassung auf. Nur die letzte Operation will sie nicht bezahlen. Dabei soll William ein Implantat eingesetzt werden, das ihn zu einem potenten Mann macht. Besonders bitter für den Patienten, der seit Kurzem verliebt ist. Seine Psychologin sieht die Vorgangsweise der GKK als problematisch an: „Aus meiner fachlichen Sicht ist es die logische Konsequenz einer bereits begonnenen operativen Angleichung, dass man diesen Weg fortführt.“

Von Gesellschaft zu Leben im Versteck gezwungen

Genau so sieht das auch Edith Walzl. Sie leitet die Selbsthilfegruppe für Transgender Kinder und Jugendliche: „Da Österreich ein sehr konservatives Land ist möchte ich sagen, dass Transgender zum Großteil noch immer ‚undercover‘ leben. Sie trauen sich nicht, sich zu outen, weil sie von ihrem Umfeld oder in der Schule diskriminiert werden. Ich selbst kenne acht Transgender-Jugendliche und zehn Transgender-Erwachsene. Die Dunkelziffer ist sehr groß.“

Nur zehn Prozent der Betroffenen wollen die Geschlechtsanpassung überhaupt, sagt Edith Walzl. William kämpft also nicht für sich allein: „Er möchte wirklich seinen Weg zu Ende gehen und ich finde es schlimm, wenn jemand Operationen vorher genehmigt und dann sagt: Nein, den Rest machen wir nicht mehr. Wer A sagt, sollte auch B sagen.“

Aufgezeigt Fall William
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Edith Walzl, Gudrun Maria Leb und William

Gesetz klammert Geschlechtsverkehr aus

Vom „Aufgezeigt“-Team mit dem Fall „William“ konfrontiert sagte Kurt Possnig, ärztlicher Leiter der Kärntner Gebietskrankenkasse, dass laut aktueller Rechtssprechung eine Geschlechtsangleichung dazu führen soll, dass die Person in der Öffentlichkeit in dem Geschlecht wahrgenommen werde, in dem sie sich „zu Hause“ fühle: „Diese Rechtssprechung schließt die Möglichkeit, die Fähigkeit zum Geschlechtsverkehr nicht ein.“

Sendungshinweis:

„Aufgezeigt“, 26.9.2017

Kostenübernahme für Einzelfall erwirkt

Für diesen Einzelfall sei es vernünftig, eine tragbare Lösung zu finden, räumt Possnig ein: „In Österreich gibt es drei Universitätskliniken, die eine entsprechende Kompetenz haben und die diese Leistungen anbieten, wo wir die Finanzierung tragen würden.“

Das bedeute zwar, dass jeder Betroffene extra kämpfen muss, aber für William wird sich sein Lebenstraum erfüllen. Im kommenden Jahr kann er seinen Weg endlich abschließen. Er wird vermutlich in Graz operiert. William kann es noch gar nicht richtig glauben: „Ich fühle mich mehr im Reinen, ich fühle mich komplett und normal. Wenn ich die letzte OP hinter mir habe wird für mich ein neues Leben beginnen.“

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