Die seltenste Eidechse Österreichs

Die Kroatische Gebirgseidechse ist laut Biologin Karin Ernst die seltenste Eidechse Österreichs, bisher wurde sie österreichweit nur in Kärnten nachgewiesen. Forscher führten in Kärnten eine computergestützte Suche nach weiteren Habitaten durch.

Die Kroatische Gebirgseidechse wurde bereits 1904 als Art beschrieben. „Bis ihre Existenz in unserem Land nachgewiesen wurde, dauerte es jedoch bis 1986. Grund dafür war aller Ansicht nach die Ähnlichkeit zur Mauereidechse, die sich lediglich durch die Nasenschilder und die Schwanzschuppen von den Kroatischen Gebirgseidechsen unterscheidet“, sagte Karin Ernst. Untersuchungen zeigen jedoch, dass diese Art der Eidechsen bereits vor der letzten Eiszeit gelebt hatte. Wo die Zufluchtsgebiete während der Eiszeit waren und welche Regionen sie nach der Eiszeit wieder besiedelt hat, lasse sich nicht genau sagen, so Ernst.

Kroatische Gebirgseidechse
Karin Ernst
Der Körper ist an die sechs Zentimeter lang, der Schwanz hat etwa die doppelte Länge

Schwer zu entdecken

Laut Ernst sei sie die derzeit seltenste Eidechse Österreichs. Die nördlichste natürliche Verbreitungsgrenze sei die Drau, die Echse lebt in steilen Felswänden und meidet Siedlungsräume, daher wird sie selten gesehen, es dürfte durchaus noch unbekannte Vorkommen geben. Sie seien außerdem schwer zu entdecken, so die Biologin, was eine Zählung schwierig mache. Seit der ersten Fundmeldung im Jahr 1986 wurden rund 600 Tiere in 16 Tälern an 48 Standorten gezählt.

Wissenschaftliche Suche nach Eidechsen

Um neue Erkenntnisse zur Verbreitung zu erlangen, führten die Wissenschaftler eine Computer-Modellierung der potenziellen Lebensräume der Eidechse durch. Mit Hilfe von neun Variablen aus der Geologie, Klimatologie und Topografie wurden die Untersuchungsgebiete auf einer Raster-Karte virtuell beschrieben, sagte Ernst. Ein spezielles Programm sucht nach Rastern, die den bisher bekannten Fundorten ähnlich sind als Lebensraum in Frage kommen.

Das Ergebnis ist eine Landkarte der potenziellen Verbreitung. Um das Ergebnis zu nutzen und im Freiland zu überprüfen, wurde an 22 Tagen an 25 Standorten nach der Kroatischen Gebirgseidechse gesucht. Dabei konnten die Forscher 20 Tiere in fünf Tälern an elf Standorten erstmalig nachweisen. Die Anzahl der bekannten Fundorte erhöhte sich um 23 Prozent und die Anzahl der Täler um 31 Prozent. Jeder einzelne Fund trage laut der Biologin einen Teil zum Artenschutz bei, denn nur wenn man die Verbreitung einer Art kenne, könne man die Tiere und ihre Lebensräume schützen.

Erkennbar an den Nasenschildern

Die Grundfarbe ist leicht variabel von Beige bis Grau-Grün. An den beiden Körperseiten verläuft vom Kopf bis zum Schwanz ein dunkelbraunes Zick-Zack-Band und manchmal in Rückenmitte eine dünne braune Linie. Dieses Aussehen teilt sie sich allerdings auch mit der zum verwechselnd ähnlich schauenden Mauereidechse, von der sie sich durch die Nasenschilder und die alternierenden Schwanzwirtel unterscheidet.

Name täuscht durch Übersetzungsfehler

Der Erstbeschreiber des Reptils, Lajos Méhely, widmete 1904 den Artnamen seinem Kollegen Geza von Horvath - „horvathi“. Der ungarische Name „Horvath“ heißt auf Deutsch „Kroate“, woraufhin sich „Kroatische Gebirgseidechse“ als deutscher Trivialname durchsetzte. Die ersten Exemplare wurden zwar in Kroatien gefunden, deren Gattungsursprung liegt aber, wie man heute weiß, auf der Iberischen Halbinsel. Besser passen würde also „Horvath’s Gebirgseidechse“.

Eine eindeutige Unterscheidung der beiden Arten ermöglicht nur eine Nahaufnahme des Tieres: Bei der Kroatischen Gebirgseidechse berühren sich immer das vorderste mittlere Nasenschild und das dahinterliegende Nasenschild, die beiden seitlichen Nasenschilder treffen sich hingegen nie. Bei der Mauereidechse verhält es sich genau umgekehrt, sagte Ernst.

Kärnten als nördlichster Lebensraum

„Auf der Suche nach neuen Lebensräumen der Reptilien, besuchten wir zuletzt 25 Täler, wobei in fünf davon elf neue Standorte entdeckt werden konnten“, sagte Ernst über die Forschungen rund um die Kroatische Gebirgseidechse. Bei den Untersuchungsgebieten handle es sich größtenteils um die Karnischen Alpen, die Karawanken und die Gailtaler Alpen. „Zu den neuen Fundpunkten zählen der Eggenbach, der den Grenzfluss zwischen Kärnten und Osttirol darstellt, das Tal bei St. Daniel, in der Nähe von Nölbling, bei Tröpolach und in der Garnitzenklamm“, so die Zoologin.

Kroatische Gebirgseidechse
Karin Ernst
Im steinigen Gebiet fühlen sich die Tiere am wohlsten

„Neben dem Lebensraum in Kärnten begegnet man dem Reptil auch im italienischen und slowenischen Grenzgebiet zu Österreich, bis in die Dinarischen Alpen in Kroatien, welche den südlichsten Lebensraum darstellen“, so Ernst. In den Pyrenäen und auf der gesamten iberischen Halbinsel sind insgesamt sieben verwandte Arten der kroatischen Gebirgseidechse bekannt.

Kroatische Gebirgseidechse
Karin Ernst

Nachwuchs ab dem ersten Lebenstag unabhängig

Die kroatischen Gebirgseidechsen sind in Österreich bisher zwischen 650 und 1.700 Meter Seehöhe anzutreffen und leben auf steilen Felshängen, wo sie sich bei Temperaturen über 20 Grad im Tagesmittel wohl fühlen und nur nachts, oder bei Schlechtwetter oder bei extrem heißen Temperaturen in kühlen Felsspalten verstecken, um sich zu schützen und nicht zu überhitzen. Die Reptilien, die von April bis Oktober aktiv sind, schlagen sich jetzt im Spätsommer den Magen mit Insekten voll. „Im Winter fallen sie dann während der in ihren Lebensräumen durchschnittlich vorherrschenden 100 Frosttage in Winterstarre“, so die Zoologin.

Nach dem Winter beginnt wieder ein neuer Zyklus. Im Mai und Juni ist Paarungszeit, das Weibchen legt im Durchschnitt drei Eier und 42 Tage später schlüpfen dann die jungen Eidechsen. „Diese sind vom Schlupftag an unabhängig, auf sich alleine gestellt und werden dann im besten Fall sechs bis acht Jahre alt“, sagt Ernst. Natürliche Feinde der kroatischen Gebirgseidechse sind Vögel und Schlangen, jedoch werden die Reptilien immer öfter durch die menschliche Bewirtschaftung von Naturflächen verdrängt.

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