Aufgezeigt: Sturz mit schweren Folgen

Ein - vermeidbarer - Sturz mit schweren Folgen ist diesmal das Thema bei „Aufgezeigt“. Die Betroffene „Presse“-Journalistin Claudia Richter kann bis heute nicht richtig gehen und kämpft seit Monaten um Schmerzensgeld und die Behandlungskosten.

Eine ungekennzeichnete Kante am neuen Hans-Gasser-Platz in Villach wurde Claudia Richter am 22.November zum Verhängnis. Die 63 Jahre alte Journalistin stürzte und wurde schwer verletzt. Kein Einzelfall laut Gudrun Maria Leb vom „Aufgezeigt“-Team. An genau derselben Stelle am Hans Gasser-Platz stürzte eine weitere Frau.

Aufgezeigt Schwerer Sturz mit Folgen: Unfallopfer und Gudrun Maria Leb
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„Habe monatelang für alles Hilfe gebraucht“

Claudia Richter erinnert sich an ihren Sturz: "Es gab weder ein Geländer noch einen Blumentrog oder eine Sicherung – ich bin dort runtergekugelt auf dem Weg zum Arzt. Ich habe mir mehrfache schwere Verletzungen zugezogen und monatelang wirklich für alles und jedes Hilfe gebraucht.“

Aufgezeigt Schwerer Sturz mit Folgen: Unfallopfer und Gudrun Maria Leb
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„Du wirst im Kreis geschickt“

Neben Schmerzen und langwierigen Therapien hatte Richter auch die hohen Kosten zu tragen. Den Verantwortlichen für die Stolperstelle zu finden, gelang ihr nicht. Sie humpelt noch immer ein wenig. "Du bleibst über. Ja, du bleibst einfach über. Du wirst im Kreis geschickt und niemand ist zuständig.“

Aufgezeigt Schwerer Sturz mit Folgen: Unfallopfer und Gudrun Maria Leb
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Knapp sechs Monate nach dem Sturz sagt Anwalt Alexander Jelly zu Fällen wie diesen: „Als Geschädigter sollte man sich erkundigen: Auf wessen Gelände bin ich überhaupt gestürzt? Wer ist dafür zuständig? Wie kann ich das herausfinden: Sie können jederzeit zum Grundbuch gehen oder sich an einen Rechtsanwalt wenden, der sofort eruieren kann, wem das gehört und wer der Ansprechpartner ist."

Fußgänger muss „vor eigene Füße schauen“

Im Fall Richter ist weder die Stadt Villach noch die Hausverwaltung, sondern der Bauträger namens „HGP9“, also die Hans Gasser-Platz- Entwicklungsgesellschaft zuständig, so Jelly. An diese „HGP9“ hätte sich Frau Richter direkt mit Schadensforderungen wenden müssen. Allerdings gibt es da einen Pferdefuß. „Der Oberste Gerichtshof hat einen Rechtssatz geprägt, wonach jeder Fußgänger verpflichtet ist, vor die eigenen Füße zu schauen. Das heißt, ein Hindernis oder eine Gefahr, auch wenn sie da ist, wo sie nicht sein dürfte, führt zu einem Mitverschulden des Geschädigten, wenn der Geschädigte es hätte sehen und einfach ausweichen können.“

Aufgezeigt Schwerer Sturz mit Folgen: Unfallopfer und Gudrun Maria Leb
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Die Unfallstelle wurde mit einem Blumentrog und einem Geländer abgesichert.

Das heißt nicht, dass die Haftpflichtversicherung des Errichters nicht zahlen muss – sehr wohl aber, dass es eine Teilung der Kosten gibt. „Ein Gericht könnte zu dem Schluss kommen, dass es eine Teilung der Haftung gibt. Das würde bedeuten, dass Frau Richter nur 50 Prozent ihres Schadens ersetzt bekommt."

Sendungshinweis:

Radio Kärnten Mittagszeit, 16.5.2017

Schadenersatz umfasst auch Schmerzensgeld, alles was aufgewendet werden muss. Jelly sagte weiter: "Frau Richter wurde schwer verletzt mit verschiedensten Brüchen. Ich gehe davon aus, dass man hier von einem Schmerzensgeldanspruch von rund 15.000 Euro spricht, wobei die genaue Ausmessung üblicherweise vom Richter unter Beiziehung eines medizinischen Sachverständigen erfolgt.“

Achtung bei Dauerfolgen - Anspruch erlischt

Wichtig sei für Claudia Richter, dass von der Haftpflichtversicherung der HGP9 auch die Dauerfolgen berücksichtigt werden, sagt Jelly. „Ich wünsche es der Frau Richter nicht, aber was ist, wenn sie eine Wohnung braucht, die vielleicht behindertengerecht ausgestattet werden muss. Wenn sie auf einmal einen Pkw mit Automatikgetriebe haben muss, weil sie sonst nicht mehr fahren kann. Man muss immer aufpassen: Habe ich eine Erklärung des Schädigers, dass er mir auch in Zukunft haftet – vor allem bei schweren Verletzungen. Denn dieser Dauerfolgenanspruch erlischt sonst nach drei Jahren. Frau Richter hat also viel zu erledigen.

Aufgezeigt Schwerer Sturz mit Folgen: Unfallopfer und Gudrun Maria Leb
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Wechselnde Geschäftsführung und „Aha-Erlebnis“

Es ist tatsächlich ein Hürdenlauf, auch für das „Aufgezeigt“-Team. Das liegt daran, dass bei der HGP9 Projektentwicklung ausgerechnet in diesen Tagen die Geschäftsführung gewechselt hat. Der frisch bestellte Geschäftsführer ist Herbert Waldner: „Ich möchte mich – ohne viel über diesen Sachverhalt zu wissen – bei Frau Richter entschuldigen, dass das passiert ist. Es gibt leider bis heute noch keine Versicherungsmeldung seitens der HGP9, die bei der zuständigen Generali-Versicherung eingebracht wurde.“

Aufgezeigt Schwerer Sturz mit Folgen: Unfallopfer und Gudrun Maria Leb
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Krisenmanager Herbert Waldner räumt Versäumnisse in der Vergangenheit ein.

Hochinteressant - denn der jetzt abgelöste Geschäftsführer hattee Frau Richter am 23. Jänner zugesagt, Zitat: „Selbstverständlich haben wir zwischenzeitlich eine Schadensmeldung bei der zuständigen Haftpflichtversicherung eingereicht. Wir werden alles im Rahmen unserer Möglichkeiten tun, um bestmöglich zu ihrer Genesung beizutragen.“

HGP9 räumt Versäumnis ein und hilft mit Akonto

Jetzt jedenfalls heißt es vom neuen Geschäftsführer Herbert Waldner: "Als sie mich angerufen haben, habe ich mich mit dem Landesdirektor der Generali kurzfristig in Verbindung gesetzt, weil die Frau Richter schon größere Ausgaben hatte – abgesehen von ihren Schmerzen und dem Im-Kreis-Laufen, wenn ich das so sagen darf. Wir haben uns darauf geeinigt, dass seitens der HGP9 eine Akonto-Zahlung an Frau Richter entrichtet wird. Das soll kein Schuldeinbekenntnis sein, sondern einfach ein in Vorlage treten, damit sie ihre Auslagen erfüllen kann und in weiterer Folge die Versicherung hier eintritt und den Sachverhalt klärt, wo der Verursacher und der Schaden ist. Sie soll nicht warten müssen, bis der Rechtsweg beendet ist, und soll jetzt einmal mit diesem Geld ihre größten Umstände begleichen können.“

Aufgezeigt Schwerer Sturz mit Folgen: Unfallopfer und Gudrun Maria Leb
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Unfallstelle wurde mit Blumentrog entschärft

Die Unfallstelle wurde mit einem Blumentrog und einer Stange entschärft. „Ich bin froh, dass dies – noch vor meiner Zeit - passiert ist und man erkannt hat, aha – hier sind schon mehrere Unfälle passiert. Es ist mir erzählt worden, dass schon mehrere Personen in dieses Nichts getreten sind. Dadurch kommen auch diese schweren Verletzungen zustande, weil der Körper nicht reagieren kann und wahrnehmen kann, was passiert ist. Deshalb ist vorsorglich ein Blumentrog aufgestellt worden, damit das nicht wieder passieren kann und jetzt ist der Mangel rechtlich zu beheben", so Richter.

Aufgezeigt Schwerer Sturz mit Folgen: Unfallopfer und Gudrun Maria Leb
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Krisenmanager: „Wir werden das intern klären“

Herbert Waldner sagte: "Es gibt diese Problematik am Bau immer. Der Schaden wird eruiert und es wehren sich alle dagegen. Die Planer sagen, wir haben richtig geplant, aber es wurde schlecht ausgeführt – es vergehen drei Jahre und der Geschädigte muss warten. Deshalb haben wir gesagt: Wir gehen in Vorlage, zusammen mit den Handwerkern, bzw. dem Generalunternehmen, das wir bei diesem Projekt hatten. Wir werden das intern klären, weil das schneller ist, als den Rechtsweg zu bestreiten.“

5.000 Euro vom Bauträger

Einige Wochen nach der Sendung bekam Claudia Richter 5.000 Euro vom Bauträger, ein Anwalt erwirkte auch die Abgeltung eines Teils der Folgeschäden. Dieses Verfahren lief im Juli noch.

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