Alte Parkstrafen werden eingetrieben

Ein Urlaubssouvenir, das keiner haben will, landet derzeit bei mehr als einhundert Kärntnern: Die Aufforderung eines britischen Inkassobüros, eine teils Jahre zurückliegende Parkstrafe in Kroatien zu bezahlen. „Aufgezeigt“ klärt die Hintergründe.

Es geht bei den Zahlungsaufforderungen für angebliche Parksünden nicht um Kinderlitzchen, die Forderungen reichen von rund 80 bis ca. 350 Euro. „Angeblich“ deshalb, weil die gebürtige Kroatin Maja Taupe wie viele andere Lenker immer bezahlt, wenn sie in Zagreb parkt. Ein Jahr lang habe sie die Zettel sogar aufbewahrt, weil sie die Polizei schon kenne. Aber nach so vielen Jahren habe sie alles weggeworfen und könne nicht mehr beweisen, dass sie bezahlt habe. Damit ist sie nicht alleine.

Acht Tage Einspruchsfrist

Kaum jemand kann nachweisen, dass er bezahlt hat, sagte die ÖAMTC-Rechtsexpertin Cornelia Friesser. Jeden Tag bekommt sie bis zu acht Anfragen zu solchen Strafzetteln. In erster Linie kommen die Schreiben vom Londoner Inkassobüro, es gebe aber auch welche von einem slowenischen Anwalt und einem kroatischen Notar. Die Einspruchsfrist betrage nur acht Tage, daher sollten die ÖAMTC-Mitglieder gleich kommen, um richtige Rechtsschritte einzuleiten.

Sendungshinweis:

Radio Kärnten Mittagszeit; 24. Jänner 2017

Manchmal lasse sich die Strafe durch einen Einspruch reduzieren, manchmal sogar ganz aufheben, so der ÖAMTC. Einspruch ja, nicht bezahlen empfiehlt sich aber auf gar keinen Fall, sagte der Vekehrsrechtsexperte des Landes, Albert Kreiner: „Wenn man nicht bezahlt, kann das Inkassobüro einen Gerichtstitel erwirken und der wird auch vollstreckt.“

Ausländische Autos im Visier?

Maja Taupe ist ziemlich sauer auf die Behörden in ihrem Geburtsland. Sie glaubt, dass ganz bewusst Ausländer abgestraft werden. Oft werde sogar abgeschleppt, erzählt sie aus eigener Erfahrung: „Kärntner Kennzeichen, sicher. Ich habe den Abschleppwagen öfter gesehen, der auf Parkplätze fährt und nach Autos sucht, die er abschleppen kann.“

Das lässt sich nicht beweisen, aber wer auf Wochenendtrips nach Kroatien nicht verzichten will, sollte beim Parken künftig vorsichtig sein, sagte Friesser. Man empfehle, ein Foto vom Parkticket und dem Auto zu machen und fünf Jahre aufzubewahren. Wichtiger sei das noch bei Motorrädern, weil man hier das Ticket nicht sicher hinter die Windschutzscheibe legen könne.

Auch in Italien sollte man bezahlen

Vor Ort kostet die Parkstrafe zehn bis 30 Euro, während das britische Inkassobüro ein Vielfaches verlangt. Bezahlen sollte man Strafen im EU-Ausland generell. Ignorieren und wegwerfen zahlt sich auch in Italien nicht wirklich aus, so Kreiner. Wenn man in Italien nicht zahlt, dann könne es sein, dass man im Verkehrsregister vermerkt werde. Dann müsse man nachzahlen oder das Auto werde beschlagnahmt.

Kroatien ist mit seinem harten Weg gegen ausländische Parksünder nicht alleine, auch in Ungarn geht man den zivilrechtlichen Weg. Wenig charmant und ganz sicher keine gute Tourismuswerbung, da waren sich alle Gesprächspartner einig.

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