Neuer Einheitswert: Droht Bauernsterben?

Hohe Abgaben trotz sinkenden Einkommens treffen momentan fast jeden dritten Bauern in Kärnten. Die neuen Einheitswertberechnungen des Finanzamtes könnten das Bergbauernsterben beschleunigen. „Aufgezeigt“ widmet sich diesmal den Sorgen der Bauern.

Seniorbauer Roman Lobner bewirtschaftet am Unterwietingberg im Görtschitztal gemeinsam mit seiner Frau und seinem Sohn seit vier Generationen den Haberer-Hof, seit 150 Jahren ist der Berbauernhof in der Familie. Obwohl die Bauernfamilie heute um knapp 40 Prozent weniger verdient als noch vor fünf Jahren, steigen die Abgaben für den Hof extrem. Auf Milchlieferungen habe man verzichtet, der Milchpreis rechne sich nicht für den kleinen Hof, so Roman Lobner. Allein die Fahrt zur Sammelstelle sei zu mühsam. Auch bei den Tieren bekomme man weniger, vor zehn Jahren bekam man auch für das Holz mehr als jetzt.

Einheitswert mehr als Verdoppelt

Die neue Einheitswertberechnung des Finanzamtes ist nun das Problem: Der alte Einheitswert des Hofes betrug 2.600 Euro, der neue liege bei 6.000 Euro. Damit vervielfachen sich auch alle Abgaben für den Bergbauernhof, der kaum etwas abwirft. Betroffen von der Neuberechnung sind rund 20.000 Höfe, jeder dritte muss nun mehr Abgaben zahlen.

Der Einheitswert ist der steuerliche Wert eines land- und forstwirtschaftlichen Grundvermögens und der dazu gehörigen Grundstücke und wird vom Finanzamt per Bescheid berechnet. In ganz Kärnten gibt es Musterhöfe des Finanzamtes, die auf jeden Bauern umgelegt werden. Die Betriebsprämie wird zu einem Drittel eingerechnet. Dass der neue Einheitswert für viele kleine Höfe extrem hoch ausfällt, weiß man in der Landwirtschaftskammer. Trotzdem befürwortete die Kammer diese Einheitswertfeststellung.

Haberer-Hof Unterwietingberg
ORF
Ein Leben am Bergbauernhof können sich immer weniger Bauern leisten. Jetzt kommt noch der neue Einheitswert hinzu, der Vielen Kopfzerbrechen bereitet

Alternative zur Einkommenssteuer

Kammeramtsdirektor Hans Mikl sagt, man müsse irgendwie feststellen, auf welcher Ertragsbasis die Betriebe arbeiten: „Wenn man das nicht mit einem Pauschalsystem feststellt, muss man das mit einem Buchführungssystem machen. Das ist ein sehr mühsamer Prozess. Da würden uns viele Betriebe sehr verfluchen, wenn wir dies nicht zu verhindern wüssten.“

Sendungshinweis:

„Radio Kärnten Aufgezeigt“, 17.1.2017

Der Einheitswert wird sozusagen als Alternative zur Einkommenssteuer gesehen. Jeder dritte Bauer muss künftig mehr an Sozialversicherung, aber auch an Kammerumlage bezahlen. Die Kammer geht davon aus, dass es sich zwischen fünf und zehn Prozent mehr handle. „Bei fünf Prozent sind es 100.00 Euro und bei zehn Prozent sind es dann 200.000 Euro. Das hält sich bei uns sozusagen in Grenzen“, so Mikl.

Bescheide vorbeibringen und prüfen lassen

Dafür nehme man nicht in Kauf, dass die einkommensschwachen Bergbauern aufgeben müssen, unterstreicht der Kammeramtsdirektor: „Jeder, der einen Bescheid bekommt und mit ihm nicht zufrieden ist, soll sich bei uns in der Außenstelle melden. Wir werden ihm dabei helfen, den Einheitswertbescheid durchzuschauen und herauszufinden, wo Dinge vielleicht nicht so bemessen wurden, wie die Wirklichkeit ist.“

Die Sozialversicherung der Bauern ist der größte Gewinner der Neuberechnung, denn der Beitrag richtet sich nach dem Einheitswert. Für Bauern Lobner bedeutet das in seinem Fall eine Verdoppelung. Interview gab es für den ORF keines, denn die Eiheitswertberechnung sei Bundessache und die Sozialversicherung der Bauern nur ausübendes Organ, hieß es. Auch das Finanzamt verwies auf Bundessache und lehnte ein Interview ab.

FPÖ: Bauern sollen beeinspruchen

In einer Aussendung reagiert die FPÖ und sagte, die Bauern sollen ihre Einheitswerte auf jeden Fall beeinspruchen. Denn die saftigen Erhöhungen fördern das Bauernsterben. Der Einheitswert sei ein Ertragswert und die Erträge der Bauern seien dramatisch gesunken. Schon allein deshalb wäre eine Senkung und keine Erhöhung nötig, so FPÖ-Obmann Gernot Darmann.

Mößler: Freibetrag bringt Entlastung

Auch die Landwirtschaftskammer reagierte. Präsident Johann Mößler sagte, die Neufeststellung des Einheitswertes sei auf Grund verfassungsrechtlicher Bedenken unumgänglich gewesen. Er fordert aber Abfederungsmaßnahmen. Man fordere, dass die Sozialversicherung nicht überproportional mit dem Einheitswert steige. Man habe ein Freibetragsmodell vorgeschlagen und es gebe eine Online-Petition auf der Internetseite der Kärntner Landwirtschaftskammer.

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