Armutskonferenz: Arme werden immer ärmer

60.000 bis 80.000 Menschen sind in Kärnten armutsgefährdet. Ihre Zahl sinkt zwar, aber jene, die arm sind, haben durch gestiegene Kosten immer weniger Geld für ihr Leben. „Leben ohne Armut“ ist Ziel der diesjährigen Kärntner Armutskonferenz.

Arm ist, wer essen muss, was er sich gerade noch leisten kann. Arm ist, wer seine Wohnung nicht ausreichend beheizen oder kaputte Geräte nicht ersetzen kann. 60.000 bis 80.000 Menschen in Kärnten gelten als armutsgefährdet. Die Sozialmärkte haben immer mehr Kunden, darunter häufig Pensionisten, arbeitslose Jugendliche und alleinstehende Mütter.

Armut Sozialmarkt
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Es herrscht reger Betrieb im Sozialmarkt

Manche wollen aus Scham nicht in den Sozialmarkt gehen. In einem Interview seine Situation schildern wollte am Mittwoch keiner der Kunden. Der Bedarf an den Sozialmärkten ist dennoch offensichtlich - schon am Vormittag waren einige Regale leer.

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Frisches ist schnell ausverkauft

Kalter Winter für Zehntausende Kinder

„Leben ohne Armut“ lautete das Motto der fünften Kärntner Armutskonferenz. Dieses Ziel sei nur mit großer Anstrengung zu erreichen, sagte Heinz Pichler vom Kärntner Armutsnetzwerk. Zwar sinke die Gesamtzahl der Armutsgefährdeten, trotzdem würden auch in diesem Winter in Kärnten viele Menschen frieren. 12.000 Kärntner können es sich laut Pichler nicht leisten, ihre Wohnung im Winter angemessen zu heizen. 17.000 Kinder würden in diesen armutsbetroffenen Haushalten leben.

Armut Armutskonferenz Kärnten
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Auch Kleidung wird angeboten

Sozialreferentin Beate Prettner (SPÖ) appellierte an die neue Bundesregierung, nicht an Arbeitsmarktaktionen oder Mindestsicherung zu rütteln: „Die Mindestsicherung ist kein Kostenfaktor. Sie ist eine Investition in unsere öffentliche Sicherheit.“

In Steueroasen versickern Millionen

Eine gerechtere Verteilung des Geldes wäre eine Möglichkeit, Armut zu bekämpfen, sagte Ellen Ehmke von der deutschen Hilfsorganisation Oxfam. Jährlich entgingen der EU Millionen durch Steueroasen. Die Experten drängen deswegen, auch in Österreich Steuerschlupflöcher zu schließen.

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Nach Berechnungen in Deutschland würden die in Steueroasen versickernden Millionen reichen, „um allen hungernden Menschen 61 Jahre lang genug zum Essen zu gebe“, sagte Ehmke. Niedrige Steuern seien für Firmen nur ein Grund, sich niederzulassen, so die Referenten der Armutskonferenz in St. Georgen am Längsee. Genauso wichtige Entscheidungskriterien seien für die Firmen sozialer Friede und Gesundheitsstandards.

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