Schulungen am LKH zu Formen der Gewalt

Jede dritte Frau ist in ihrem Leben Opfer von Gewalt. Mitarbeiter von Krankenhäusern werden bei einem Kongress geschult, Gewaltopfer zu erkennen und richtig anzusprechen. Auch das Thema Gewalt in der Pflege wird am LKH Villach thematisiert.

Am häufigsten sind die Mitarbeiter der Krankenhäuser mit Opfern häuslicher Gewalt konfrontiert, meistens sind die Opfer Frauen. Wichtiges Thema des einwöchigen Kongresses in Villach daher das richtige Vorgehen von Krankenhausmitarbeitern, wenn ihnen solche Zeichen häuslicher Gewalt auffallen.

Hinschauen und nicht wegschauen

Viele Opfer würden aus Angst oder Scham schweigen, sagte Christa Rados, Vorständin der Abteilung für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin am LKH Villach. Auch seien die Merkmale von Gewalt nicht immer äußerlich sichtbar. Oft hätten Betroffene mit psychischen Folgen zu kämpfen.

Am LKH Villach befasst sich seit einigen Jahren eine eigene Gewaltschutzgruppe mit diesem Thema. Sie will Krankenhausmitarbeiter motivieren, bei verdächtigen Verletzungen von Patienten aktiv zu werden, „wir wollen für Anzeichen von Gewalt sensibel sein, hinschauen und nicht wegschauen", so Christa Rados.

Besonders wichtige Nachtdienste

Besonders den Nachtdiensten käme dabei erfahrungsgemäß eine große Rolle zu, sagte Rados. Denn der „netten Pflegehelferin“ im Nachtdienst würden sich Opfer eher anvertrauen. Diese Pflegerinnen werden deswegen auch geschult, Andeutungen zu verstehen. Seit letztem Jahr liegen in den Toiletten des LKH Villach außerdem Visitenkarten von diversen Hilfsdiensten auf, die Betroffene unauffällig einstecken können.

Manche wollen sich nicht anvertrauen

Ulrike Hager, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Villach ist in ihrer Berufspraxis immer wieder mit Verdachtsfällen auf Sexualdelikte konfrontiert: „Die Patientinnen, denen sexuelle Gewalt widerfahren ist, die sprechen das in den meisten Fällen direkt an. Sie kommen mit dem Anliegen - manchmal auch mit der Exekutive - weil sie vergewaltigt wurden. Viel schwieriger ist es bei denen, die das nicht äußern und wir anhand von Äußerungen oder Verletzungen, die sie erlitten haben und die man dann bei einer Untersuchung findet, wo wir aufmerksam werden und dann wir erst die Patientin darauf ansprechen, weil sie das vorher nicht geäußert hat.“

Gewalt hat viele Gesichter

Einen generellen Anstieg der Gewalt in Familien ortet die Kärntner Polizei nicht. Auffällig sei hingegen, dass es immer mehr unterschiedliche Täter gebe, sagte Gottlieb Türk, Leiter des Landeskriminalamtes Kärnten: „Es gibt hier alle Konstellationen - das sind Kinder oder Jugendliche, die gegen Eltern tätlich werden, es gibt auch Frauen, die gegenüber den Männern und Kindern tätlich werden und natürlich sind es die Männer.“

Die Polizei habe die Möglichkeit, etwa gegen aggressive Ehemänner ein Betretungsverbot auszusprechen, so Türk. In der Regel gilt das Betretungsverbot für zwei Wochen. Wird eine einstweilige Verfügung beantragt, kann das Betretungsverbot nochmal um 14 Tage verlängert werden, eine weitere Verlängerung erfolgt gerichtlich.

Auch Männer werden zu Opfern

Es kommt aber auch vor, dass Männer Gewalt erfahren müssen, zum Beispiel im Pflegebereich, sagt Barbara Schabata, Psychologin am LKH Villach: "Wenn Männer zum Beispiel pflegebedürftig sind und die Frauen dann mehr oder weniger als ‚Rache‘ die Pflege nicht so ausführen, wie man es eigentlich machen sollte, wenn man noch in einer guten, funktionierenden Beziehung ist. Das komme seltener vor, aber es komme vor, so Schabata. Vor nicht so langer Zeit habe sie auch einen Patienten gehabt, der von seiner Frau auch körperlich angegriffen worden sei.

Vorträge

  • 9. November: „Opferschutz bei Kindern und Jugendlichen“ (Sonja Wilhelmer-Hörmann) Wann: 13l.00-14.30 Uhr, Ort: Seminarraum der Chirurgie
  • 13. November: „Psychische Folgen von Gewalt“ (Christa Rados) Wann: 13.00-14.30 Uhr, Ort: Seminarraum A/Neurologie
  • „Das Opfer im Kriminalroman“ mit Krimiautorin Andrea Nagel, Beginn: 18.00 Uhr, Ort: Seminarraum A/Neurologie
  • 16. November: „Die Opferschutzgruppe am LKH Villach stellt sich vor“. Wann: 13-14.30 Uhr, Ort: Seminarraum A/Neurologie

Tabuthemen vor dem Vorhang

Unter dem Titel „Gewalt in der Pflege – ein Tabu“, befasst sich ein Vortrag des einwöchigen Kongresses auch mit Patienten, die von Pflegern verletzt werden und umgekehrt, ebenso wird die Gewalt in Pflegeheimen thematisiert. Pfleger sind hier oft verbalen und körperlichen Attacken ausgesetzt.

Der Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten, Supervisionen und Deeskalationstrainings sollen den Mitarbeitern des LKH Villach dabei helfen, schwierige Situationen zu überwinden, sagte Pflegedirektorin Brigitte Stingl-Herzog. Für die Mitarbeiter gebe es auch einen schriftlichen Leitfaden.

Kostenlose Teilnahme an Vorträgen

Der 25. November wurde vor mehr als 30 Jahren von der UNO zum Internationalen Gedenktag gegen Gewalt an Frauen erklärt, woraus sich in vielen Ländern die „16 Tage gegen Gewalt“ vom 25. November bis zum 10. Dezember (Tag der Menschenrechte) entwickelten. Im Rahmen dieser internationalen Aktionstage findet auch der Villacher Opferschutz-Kongress bis zum 17. November statt, die Teilnahme ist kostenlos. Im Rahmen des Kongresses ist im LKH Villach auch die Wanderausstellung „silent witness“ zu sehen.“ Die Ausstellung wurde vom Verein der autonomen österreichischen Frauenhäuser und der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie zur Verfügung gestellt.

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