Kärntner Ärztin forscht ein Jahr in Antarktis

Ab 20. November bewohnt die Klagenfurterin Carmen Possnig gemeinsam mit zwölf weiteren Forschern die Antarktisstation Concordia. Ein Jahr lang wird sie im Auftrag der Weltraumorganisation ESA medizinische Tests an ihren Mitbewohnern durchführen.

Außentemperaturen von bis zu minus 80 Grad, völlige Dunkelheit von Mai bis August und ein ganzes Jahr lang fernab jeglicher Zivilisation erwarten Carmen Possnig. Ab 20 November lebt die Ärztin in der französisch-italienischen Forschungsstaion Concordia in der Ost-Antarktis: „Wenn ich runterkomme ist es Sommer mit angenehmen minus 30 Grad. Und den ganzen Tag hell. Von Mai bis August herrscht komplette Dunkelheit, es hat bis minus 80 Grad, dazu kommt noch der Wind“, sagte Possnig gegenüber dem ORF Kärnten. Darum sei die Ausrüstung so wichtig. Sie müsse fast jeden Tag hinaus, denn ihre Proben müssen eingefroren werden.

Carmen Possnig Antarktis
APA/Hans Klaus Techt
Carmen Possnig setzte sich unter 150 Bewerbern durch

Wie wirkt Isolation auf Menschen?

Carmen Possnig untersucht die Langzeitauswirkungen auf Menschen in der Isolation. Im Wesentlichen sollen diese Forschungen künftige Mars-Missionen ermöglichen. Der Stützpunkt selbst befindet sich deshalb in über 3.000 Meter Höhe: „Im besten Fall, wenn die Experimente gut laufen, hoffen wir, dass wir Wissen sammeln können, wie man künftige Raumflüge sicherer gestalten kann.“ Es gebe noch viele Probleme und keine Studien über Menschen, die ein Jahr lang auf 3.250 Meter Höhe verbringen. „Ein Teil der Forschung ist daher auch Höhenmedizin und wie sich der Körper adaptiert.“

Antarktis Station Carmen Possnig Ärztin
ESA
Eine Eiswüste erwartet das Team in der Antarktis

Ein weiteres Projekt widmet sich dem sogenannten Mikrobiom, speziell der Darmflora. Jeder Mensch hat eine ganz individuelle Zusammensetzung von Mikroorganismen im Darm, Possnig will nun untersuchen, wie sich diese im Laufe der Monate in Isolation verändert.

Alle Teammitglieder Antarktis-Neulinge

Die 1.500 Quadratmeter große Concordia-Station teilt sich die 28-jährige Medizinerin mit zwölf weiteren Forschern. Die Teammitglieder lernten einander schon kennen, fast ein Jahr lang laufen ja bereits die Vorbereitungen auf das Abenteuer Antarktis: „Die Station gibt es seit zwölf Jahren, es wird dort regelmäßig auch überwintert. ESA macht erst seit fünf Jahren Experimente dort. Wir sind aber alle Neulinge, von uns war noch keiner unten.“

Antarktis Station Carmen Possnig Ärztin
ESA
Die Forschungsstation Concordia

Carmen Possnig ist die erste Österreicherin, die auf der abgelegenen Südpol-Station leben und arbeiten wird. Schon in ihrer Diplomarbeit beschäftigter sie sich mit der Physiologie im Weltall. Das ESA Forschungsprojekt knüpft nahtlos daran an: „Die Jobausschreibung habe ich durch Zufall auf der Homepage der ESA gesehen, und hab es versucht.“

Unter 150 Bewerbern durchgesetzt

Die ESA sponsert jährlich einen Mediziner, der mit den übrigen Crew-Mitgliedern verschiedene Experimente durchführt. Possnig, die in Graz Medizin studiert und erst im September ihre Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin in Wien abgeschlossen hatte, setzte sich dabei gegen rund 150 Bewerber aus den ESA-Mitgliedsländern durch.

Antarktis Station Carmen Possnig Ärztin
ESA
Polarlicht über der Station

„Ähnliche Isolation wie in Raumschiff“

Der nächste von Menschen bewohnte Ort ist die russische Antarktis-Station „Vostok“. Sie ist 600 Kilometer weit weg: „Vermissen werde ich sicher, dass ich einfach raus gehen kann, ohne Jacken, Brillen und Sturmhauben anziehen muss, dazu Natur und frisches Essen.“ Bei der Isolation bietet der Standort ähnliche Bedingungen wie ein Raumschiff. Das Leben dort gleicht in vielerlei Hinsicht einer bemannten Langzeitmission im All“, sagte Possnig. Man dürfe im Winter nur zu zweit hinaus, jeder habe ein Funkgerät und müsse ständig in Kontakt mit dem Funkraum bleiben.

Per Skype und WhatsApp Kontakt halten

Der Kontakt zu Eltern und Freunden ist möglich, wenn auch eingeschränkt, so Possnig: „Es gibt Skype und es ist die einzige Station, die WhatsApp hat.“ Die Forscher seien so isoliert, dass man gemeint habe, es sei klug, so viel Kontakt wie möglich mit Zuhause zu haben. Auf die Frage, was sie in die Antarktis mitnimmt, sagte Possnig: „Ich habe drei Alukisten mit je 40 Kilo wegschicken dürfen, die fahren per Container hin und kommen im Februar an. Da ist alles drin, was man für ein Jahr brauchen kann. 120 Kilo klingt viel, aber ich habe einiges rausnehmen müssen, was ich mitnehmen wollte.“

Bücher seien zu schwer, sonst sind Kekse, Schokolade, auch zum Herschenken mit dabei. Auch Bodylotions und Cremes, damit nicht alles einfriert. Außerdem warme Kleidung. Die wird Carmen Possnig brauchen bei dem täglichen Gang ins Freie, um ihre Blutproben zu lagern.

Für das Experiment wurde ein Teil des Cockpits der Sojus-Kapsel nachgebaut. Die Crew-Mitglieder müssen in dem Spiel mit zwei Joysticks die Sojus zur internationalen Raumstation ISS fliegen und dort andocken, wobei es verschiedene Szenarien und Herausforderungen zu bewältigen gibt.

Gespräch mit Carmen Possnig in Radio Kärnten

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