Hypo-Prozess Jakljan: Striedinger belastet

Im Hypo-Prozess gegen den kroatischen Unternehmer Goran Strok am Landesgericht Klagenfurt sind am Donnerstag die ersten Zeugen befragt worden. Ex-Hypo-Vorstand Wolfgang Kulterer belastete seinen in der Causa bereits verurteilten Ex-Kollegen Günter Striedinger.

Ex-Hypo-Vorstand Kulterer bezeichnete den angeklagten Unternehmer Goran Strok als „integre Unternehmerpersönlichkeit“ und belastete seinen in dieser Causa bereits verurteilten Ex-Kollegen Günter Striedinger. Strok wird Beitrag zur Untreue vorgeworfen. Er soll im Jahr 2005 auf Striedinger Druck ausgeübt haben, ihm rund 6,7 Mio. Euro ohne Sicherheiten für den Ankauf eines Grundstücks auf der Insel Jakljan vor Dubrovnik als Kredit zur Verfügung zu stellen. Striedinger wurde in dieser Causa wegen Untreue bereits rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt - mehr dazu in 18 Monate Zusatzstrafe für Striedinger.

Hypo Prozess Jajkljan Goran Strok
APA/Gert Eggenberger
Goran Strok vor Gericht

„Nur durch Zufall von Kredit erfahren“

Kulterer erzählte, er habe nur durch einen Zufall erfahren, dass Strok, der zu diesem Zeitpunkt mit seiner Unternehmensgruppe ein Gesamtobligo von 77 Mio. Euro bei der Hypo hatte, beim Bieterverfahren von Striedinger mit einem Kredit finanziert wurde. Er selbst hingegen habe einen anderen Bieter in derselben Sache unterstützt. Er habe Striedinger zur Rede gestellt und den Vorsitzenden des Aufsichtsrats darüber informiert. Das sei nicht der erste Konflikt mit Striedinger gewesen.

„Striedinger entschied ohne Rücksprache“

Der Vorsitzende des Schöffensenats, Richter Christian Liebhauser-Karl, wollte von Kulterer wissen, ob er seine Anschuldigung aus der Voruntersuchung aufrechterhalte. Da hatte Kulterer erklärt, Striedinger habe seine Funktion als Vorstand wissentlich missbraucht, um seinen Kandidaten zu platzieren. Kulterer erklärte, es sei eine harte Formulierung, in der Sache aber korrekt. Denn Striedinger hatte die Garantie-Entscheidung für den Ankaufspreis ohne Rücksprache mit der Kontrollinstanz Market Support und seinem Vorstandskollegen getroffen. Diese wurde dann nachträglich in einen Kredit umgewandelt und dem Aufsichtsrat zur Genehmigung vorgelegt.

Tourismusprojekt auf Insel nahe Dubrovnik

Im Prozess geht es erneut um einen Kredit für ein Tourismusprojekt auf der Insel Jakljan nahe Dubrovnik. Insgesamt 6,7 Mio. Euro flossen von der Hypo an den Tourismusunternehmer und Hypo-VIP-Kunden Strok. Das Grundstück auf der Insel wurde von Serbien verkauft, grundbücherlicher Eigentümer war aber die Republik Kroatien. Das Projekt kam nie zustande.

„Die Kuh war aus dem Stall“

Zum generellen Procedere erklärte Kulterer, Projekte mit hoher Qualität seien durchaus auch zu 100 Prozent fremdfinanziert worden. Aber Jakljan wäre sicher nicht darunter gefallen, weil es das Risiko mit der Grundbucheintragung gegeben habe. Die Republik Serbien war Verkäuferin, im Grundbuch stand jedoch Kroatien. Wenn die Garantie nicht draußen gewesen wäre, wäre der Kredit niemals bewilligt worden, sagte Kulterer. „Aber die Kuh war aus dem Stall.“

Grigg: Glaubten an Sinnhaftigkeit

Der Vorstand der Grazer Wechselseitigen (GraWe), Siegfried Grigg, damals Mitglied des Hypo-Aufsichtsrats, erklärte als Zeuge, es habe zwar diesen Befugnismissbrauch Striedingers gegeben, aber man sei von der Sinnhaftigkeit des - günstigen - Liegenschaftsankaufs überzeugt gewesen, daher habe der Kreditausschuss des Aufsichtsrats den Kredit auch nachträglich bewilligt. Die Frage nach einer persönlichen Garantie Stroks sei kein Thema gewesen, da das Grundstück hätte einverleibt werden sollen und man auch mit dem Weiterverkauf der Liegenschaft ein Geschäft hätte machen können.

Ohne die Möglichkeit einer grundbücherlichen Sicherheit hätte er dem Kredit daher nicht zugestimmt. Darüber hinaus sei bekannt gewesen, dass Strok neben Hotels in Kroatien auch eine Hotelgruppe in England besitze und damit über Bonität verfügt habe. Die Hauptverhandlung wurde am Nachmittag mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt.

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