HCB: Schwermetalle bei Kindern gefunden

Eine neue Untersuchung des Rechtsanwalts Wolfgang List zeigt, dass die Menschen im Görtschitztal nicht nur mit HCB, sondern auch mit Schwermetallen belastet sind. Vor allem im Harn von Kindern wurden erhöhte Werte gefunden.

List führt in der Causa HCB bereits zehn Sammelklagen gegen das Wietersdorfer Zementwerk. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Klagenfurt erklärte er, dass manche Werte um ein Vielfaches überhöht seien. Zuerst verglich List die HCB-Werte im Blut von 77 Erwachsenen und 21 Kindern und Jugendlichen aus dem Görtschitztal mit einer großangelegten Studie in Deutschland. Dabei zeigte sich bei den Kindern aus dem Görtschitztal ein deutlich höherer Durchschnittswert, sagte Statistiker Gunter Spöck: „Bei Kindern sehen wir beim HCB einen Wert von 28 oder 22. Das entspricht dem 28- oder 22-fachen von dem, was bei der Studie in Deutschland erlaubt ist.“

Hohe Werte bei Cadmium und Nickel

Um zu schauen, ob die Menschen im Görtschitztal auch anderweitig belastet sind, wurden im vergangenen Jahr auch Harnuntersuchungen gemacht. 150 Euro kostete jede dieser Untersuchungen nach giftigen Metallen in einem unabhängigen Labor in Deutschland. Bei Quecksilber oder Arsen gebe es keine großen Ausreißer im Vergleich zu deutschen Referenzdaten. Bei anderen Elementen aber schon. „Bei Cadmium beträgt der Wert bei diesem Kind 2,2, das heißt, dass das Kind einen 2,2-fach höheren Wert hat, als es der Referenzwert in Deutschland zulässt.“

Woher diese weitere Belastung kommt, könne er nicht sagen, sagte List. Es gebe aber Vermutungen. „Wer kann es sein? Wohl nur ein großer Emittent. Vor allem diese Nickelwerte kommen logischerweise aus einem Produktionsprozess. Wir haben Hotspots in Eberstein und in Klein St. Paul. Und in diesem Bereich steht nicht die VÖST, da steht nicht XXY, da steht ein Zementwerk. Da kommen wir in Richtung Wahrscheinlichkeitsüberlegung. Und wir wissen um die Bodenwerte.“

List: Noch keine Reaktion vom Land

Diese neuen Harn-Untersuchungsergebnisse würden schon beim Land liegen, sagte List. Reaktionen habe es bisher aber noch nicht gegeben. Zehn Klagen mit sieben Millionen Euro Streitwert seien bereits eingebracht, weitere Sammelklagen sollen folgen. Nächste Woche geht es am Landesgericht um den Wald des Holzindustriellen Hans Tilly. Tilly sagt, durch die Schadstoffe seien seine 6.500 Hektar Wald geschädigt, die Verkehrswertminderung betrage 18 Millionen Euro.

Land: Werte erst am Mittwoch übergeben

Das Land reagierte am Donnerstag Nachmittag auf den Vorwurf, noch nicht reagiert zu haben mit dem Hinweis, die Werte und die statistische Auswertung seien erst am Mittwoch übergeben worden. Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) sagte, sie habe sofort mit der Med-Uni Wien Kontakt aufgenommen, um eine medizinische Einschätzung der Ergebnisse zu bekommen. In der Kürze sei das aber nicht möglich gewesen. Eine reine Urinuntersuchung sei aber nicht aussagekräftig, so Prettner, es benötige mehr Hintergrundwissen zu den Patienten um die Werte beurteilen zu können.

Landessanitätsdirektorin Ilse Oberleitner sagte, die Bürgerinitiative habe bisher „die Herausgabe der Befunde verweigert“. Eine gesundheitliche Bewertung könne aber nur auf Basis der konkreten Befunde durchgeführt werden. Ohne Befunddaten und ohne Angaben zu zusätzlichen Einflussfaktoren wie Ernährungsverhalten, Wohnumfeld, Arbeitsplatzsituation könne sie auch keine seriöse Erklärung zu den in besagter Pressekonferenz kolportierten Ergebnissen abgeben, sagte Oberleitner. Eine Forderung nach eigenen flächendeckenden Gesundenuntersuchungen im Görtschitztal lehnt Oberleitner als nicht sinnvoll ab.

Wietersdorfer: „Haltlose Unterstellungen“

Die Wietersdorfer Zementwerke wiesen noch am Donnerstagnachmittag in einer Aussendung die Aussagen von List „aufs Schärfste“ zurück. Wietersdorfer spricht von „haltlosen Unterstellungen“. Vielmehr würden die Messungen aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass Emissionswerte von Nickel und Cadmium deutlich unter den dafür vorgesehenen Grenzwerten und zum Teil auch unter der Nachweisgrenze gelegen sind, heißt es in der Aussendung der Wietersdorfer. Die Anschuldigungen würden jeglicher Grundlage entbehren und einen Angriff auf die Arbeitsplätze im Görtschitztal darstellen.

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