Viel zu teuer: Rechnungshof kritisiert Stadionbau

Das Klagenfurter Fußballstadion hat rund 29 Mio. Euro mehr gekostet als geplant. Das geht aus dem jüngsten Bericht des Landesrechnungshofes hervor, der am Donnerstag im Kontrollausschuss des Landtages beschlossen wurde.

Die Baukosten des Klagenfurter Stadions sind um 43 Prozent überzogen worden. Aber nicht nur die explodierenden Kosten, auch die schlechte Auslastung und Fehler bei der Auftragsvergabe kritisierte der Landesrechnungshof (LRH) in seinem Bericht. Das Stadion kostete laut den Experten um 29 Mio. Euro mehr als veranschlagt. Insgesamt betrugen die Gesamtkosten knapp 96 Mio. Euro. Ursprünglich geplant waren Kosten in der Höhe von 67 Mio. Euro.

Das Stadion Klagenfurt sollte für die Fußballeuropameisterschaft 2008 mit 30.000 Sitzplätzen errichtet und danach auf 12.000 Sitzplätze zurückgebaut werden. Nach der Europameisterschaft beschloss die Landeshauptstadt Klagenfurt mit Zustimmung der Landesregierung, das Stadion doch nicht rückzubauen.

Nur 2,7 Veranstaltungen pro Jahr

Der Landesrechnungshof kritisierte, dass bei dieser Entscheidung keine Überlegungen zum weiteren Stadionbetrieb gemacht wurden. „Seit der Europameisterschaft gab es im Stadion im Durchschnitt nur 2,7 Veranstaltungen pro Jahr mit mehr als 12.000 Zuschauern“, sagte LRH-Direktor Günter Bauer. Veranstaltungen mit mehr als 18.000 Besuchern gab es durchschnittlich 1,4.

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Im Blickfeld des Landesrechnungshofes: das Stadion Klagenfurt

Die Kosten sollten zwischen Bund, Land und Stadt aufgeteilt werden. Eine Drittel-Lösung wurde vereinbart. Schlussendlich hätte aber, so steht es in dem LRH-Bericht, die Stadt mit 19,9 Mio. Euro nur 21 Prozent der Kosten übernommen. Den Großteil hat der Bund (40,1 Mio. Euro, 41 Prozent) bzw. das Land (35,8 Mio. Euro, 37 Prozent) durch Bedarfszuweisungen und Sonderbedarfszuweisungen getragen.

Kritik auch an Auftragsvergabe

Kritik übte der LRH auch an der Vergabe des Projekts. So stellte der beauftragte Bieter die Tribünenränge des Oberranges als Mietteile zur Verfügung. „Eigentlich hätte die Jury diesen Bieter ausscheiden müssen, denn es war eine Bedingung, dass der Bund die abgebauten Teile außerhalb Kärntens weiter verwenden kann“, sagt LRH-Direktor Bauer. Somit hätte dieses Angebot der Ausschreibung und der Grundsatzvereinbarung zwischen Bund, Land und Stadt widersprochen, heisst es weiter im Rechnungshofbericht.

Vier von sechs Bietern erhoben Einsprüche gegen das Vergabeverfahren, für die sich weder der Unabhängige Verwaltungssenat noch das Bundesvergabeamt zuständig erklärten. Durch den notwendigen Ankauf des Oberranges im Nachhinein entstanden zusätzliche Kosten von 3,8 Mio. Euro.

Politische Reaktionen zu Bericht

Das Team Kärnten forderte nach dem Beschluss des Rechnungshof-Berichtes eine Schadensminimierung. Das Stadion sollte für Veranstalter weiter attraktiv gemacht werden, sagte Landesrat Gerhard Köfer. Die Grünen bezeichneten das Klagenfurter Stadion in einer Aussendung als „Ruine des politischen Größenwahnsinns“.

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