Rechnungshof zerpflückt Stadionkosten

Laut einem noch nicht öffentlich gemachten Bericht des Landesrechnungshofs ist das Wörtherseestadion in Klagenfurt für das Budget ein Fass ohne Boden. Der Bericht lässt kein gutes Haar an den politisch Verantwortlichen, die den Bau forcierten.

Auf 106 Seiten wird das Stadion und seine Vergangenheit vom Kärntner Landesrechnungshof genau unter die Lupe genommen. Das für die Europameisterschaft im Jahr 2008 errichtete und vom damaligen Landeshauptmann Jörg Haider forcierte Stadion kostete die Steuerzahler bisher bereits 95,8 Millionen Euro. 35,8 Millionen Euro davon kamen vom Land Kärnten. Die Kostenüberschreitung betrug 43 Prozent oder 28,8 Mio. Euro. Die Mehrkosten betrafen die Permanentmachung mit 13,6 Mio, die Ausbaukosten von Ballsportkompetenzzentrum und Fußballakademie mit 9,9 Mio. Euro und ein Anstieg von Nebenleistungen von 2,5 auf 8,8 Mio. Euro.

Kaum Nachfolgeveranstaltungen

Seit der Euro 2008 gab es laut Landesrechnungshof gerade einmal zehn Veranstaltungen, die von mehr als 18.000 Zuschauern besucht wurden. Für den Rechnungshof ist es betriebswirtschaftlich auch nicht nachvollziehbar, warum das Stadion nicht wie ursprünglich geplant auf 12.500 Sitzplätze rückgebaut wurde. Finanziert sollte es von Bund, Land und Stadt werden, das kam so aber nie zustande.

Geschichte des Stadions

Laut dem LRH-Bericht vereinbarten 2001 Verantwortliche des Landes, Kärnten als einen von vier Austragungsorten für die EM 2008 einzubinden. 2002 bekamen sie den Zuschlag, drei Vorrundenspiele sollten in Klagenfurt stattfinden. Da kein bestehendes Stadion den Vorgaben entsprach, sollte neu gebaut werden.

Allein die Entscheidung, das Stadion mit 32.000 Sitzplätzen zu belassen, kostete laut den Prüfern das Land und damit die Steuerzahler mindestens fünf Millionen Euro. Dazu kommen laut Bericht jährliche Folgekosten von fast 1,2 Millionen Euro. Selbst wenn das Stadion fünf Mal im Jahr bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt wäre, würden die Kosten noch immer um 357.000 Euro höher liegen, als für ein auf 12.500 Sitzplätze rückgebautes Stadion.

Konsequenzen fraglich

Bereits 2009 wurde der Landesrechnungshof beauftragt, die eingesetzten Landesmittel zu prüfen. Erst jetzt, sieben Jahre später, wurde der Bericht unter dem neuen Leiter Günter Bauer fertig. Die Landesregierung kann bis 15. September zum Bericht Stellung nehmen. Politische Konsequenzen für die Steuerverschwendung Stadion dürfte es nach Einschätzung von Experten wohl nicht geben.

Der Bericht des Landesrechnungshof zeigt deutlich, dass ein Stadion in dieser Größe betriebswirtschaftlich nicht gerechtfertigt sei, betonen Mitglieder des Kontrollausschusses des Kärntner Landtages, die aber nichts öffentlich sagen wollen, bevor nicht der Endbericht vorliegt.

Seit Jänner ist das Stadion voll bespielbar, denn die Beschwerden einiger Anrainer wurden vom Landesverwaltungsgericht abgelehnt. Es gab aber Verbesserungen beim Lärmschutz und dem Verkehrskonzept - mehr dazu in Stadion in Klagenfurt voll bespielbar.

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