HCB: Greenpeace pocht auf Verbrennung

Ein Jahr nach Bekanntwerden des HCB-Skandals hat am Freitag die Umweltorganisation Greenpeace Bilanz gezogen. Eine große Sorge gilt der Sanierung der Giftmüll-Deponie in Brückl. Einzig tragbare Lösung sei die Verbrennung.

Die Sanierung der Deponie wurde EU-weit ausgeschrieben. Ganz entscheidend ist für Greenpeace, was genau in der Ausschreibung steht, die die Donauchemie in den nächsten Tagen erstellen wird – mehr dazu in Deponiesanierung EU-weit ausgeschrieben. Für Greenpeace kommt nur eine Variante in Frage, die rückstandsfreie Verbrennung des HCB-belasteten Materials bei über 800 Grad.

Neben dieser thermischen Variante gibt es noch zwei andere Varianten: Der HCB-belastete Blaukalk wird zusammen mit anderen Abfällen deponiert oder er wird vor Ort eingehaust. Beides sei keine Lösung, sagt Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster: „Das verschiebt das Problem nur um 20 bis 30 Jahre.“ Die Donau Chemie habe diese beiden Varianten bisher aber nicht ausgeschlossen.

Sorge um Ausschreibungsbedingungen

Die Umweltorganisation befürchtet auch, dass die Ausschreibungsbedingungen bewusst so schwierig gestaltet werden, dass eine thermische Lösung nicht mehr möglich sei. Schuster: „Wenn für die thermische Lösung so schwierige Bedingungen gestellt werden, dass sie keiner erfüllen kann, könnte die Donau Chemie das als Argument für die Deponielösung verwenden.“ In einigen Tagen - vielleicht schon Anfang nächster Woche - wird es Klarheit geben, wie viel Spielraum die Ausschreibung für die Sanierung der Deponie zulässt.

Experte fordert Abfall-Analysen

Auch für den Deponieexperten Karl Lorber von der Montanuniversität Leoben ist die thermische Variante die einzig richtige und nachhaltigste: „In einem ersten Schritt müssen engmaschige chemische Abfall-Analysen durchgeführt werden, um stark kontaminierte Teile von weniger stark kontaminierten unterscheiden zu können. Danach gilt es, die 140.000 Tonnen Kalkschlamm nachhaltig zu entsorgen: weniger kontaminierte Teile durch thermische Verwertung in einem nachgerüsteten Zementwerk und höher kontaminierte Abfälle in einer Sonderabfallverbrennungsanlage.“ Lorber betonte: „Entscheidend ist, dass die Anlagen für die Verwertung ausreichend gerüstet sind.“

Abseits der dringend nötigen Lösung für die Giftmülldeponie in Brückl stellte Greenpeace dem Land am Freitag ein positives Zeugnis aus. Es seien in den letzten Monaten zahlreiche Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Umweltskandale in die Wege geleitet worden. Allerdings müssten auch weiter umfassende HCB-Analysen von Fleisch und Milch durchgeführt werden.

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