Volksbefragung zur HCB-Deponie

Bei einem „Görtschitztal-Gipfel“ ist am Donnerstagnachmittag diskutiert worden, wie die Deponie der Donau-Chemie in Brückl nach dem HCB-Skandal saniert werden kann. Landesrat Rolf Holub (Grüne) kündigte dazu eine Volksbefragung an.

Die Donau-Chemie-Deponie in Brückl gilt immer noch als eine der gefährlichsten Deponien Österreichs. Bis 2022 müssen 400.000 Tonnen der Kalkdeponie in Brückl fachgerecht entsorgt sein.

Entsorgungsvertrag weiter gültig

Nach Bekanntwerden des HCB-Skandals entzog das Land dem Zementwerk die Genehmigung zur Verbrennung des Blaukalks aus der Brückler Deponie. Der Entsorgungsvertrag, den die Donau-Chemie erfüllen muss, hat aber immer noch Gültigkeit.

Dass die Sanierung der Blaukalkdeponie dringend erforderlich sei, darüber waren sich alle Beteiligten beim runden Tisch am Donnerstag in Klagenfurt einig. Bei der Besprechung waren Vertreter von Donau-Chemie und Wietersdorfer ebenso dabei wie das Umweltbundesamt, die Kommunalkredit, das Umweltministerium, Greenpeace und Global 2000, dazu noch die zuständigen Beamten des Landes. Doch die Suche nach einer Lösung gestaltet sich schwierig, wie Umweltlandesrat Holub vor Journalisten erklärte. „Technisch ist die Verbrennung das Beste, aber es wird keine Lösung gegen den Willen der Bevölkerung geben.“

Nachdem Beamte und Experten alle Varianten durchgedacht haben, sollen die Görtschitztaler laut Holub im Zuge einer Volksbefragung über die einzelnen Varianten entscheiden.

Wietersdorf: Zehn-Millionen-Investition wäre nötig

Für die Umweltschutzorganisationen ist die Verbrennung die sauberste Lösung, doch noch ist kein Zementwerk in Österreich dazu technisch in der Lage, und es will auch keines den Blaukalk - zumindest derzeit. In Wietersdorf selbst wären Investitionen von zehn Millionen Euro und mehr vonnöten, damit keine Schadstoffe entweichen.

Sowohl Herwig Schuster von Greenpeace als auch Helmut Burtscher von Global 2000 betonten, dass auch aus ihrer Sicht die thermische Behandlung die beste Lösung wäre, vorausgesetzt, die technischen Anlagen entsprechen den Standards. Nichts zu tun sei jedenfalls die schlechteste aller Lösungen.

Holub sagte, Wietersdorfer habe zugesagt, aus dem Zementwerk im Görtschitztal eine „gläserne Fabrik“ zu machen. Das geschehe aber unabhängig von einer möglichen Wiederaufnahme der HCB-Verbrennung und solle dazu dienen, das verloren gegangene Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen.

Donau Chemie AG Blaukalk mit Planen abgedeckt
ORF

Donau-Chemie bevorzugt Verbrennung

Laut Donau-Chemie ist die Verbrennung des HCB-belasteten Materials immer noch die umweltschonendste Variante. Sollte eine Verbrennung nicht mehr infrage kommen, muss das belastete Material der Deponie künftig sicher gelagert werden, etwa in wasserdichten Betonwannen. Lösungen abseits der Verbrennung könnten teuer werden. Umweltlandesrat Holub hofft deswegen auf finanzielle Unterstützung vom Bund. Theoretisch könne der Blaukalk auch anderswo sicher gelagert werden, das wäre aber keine nachhaltige Lösung, sagte er. Ein anderes Zementwerk könnte die Verbrennung übernehmen, müsste dafür aber wohl 15 bis 30 Millionen Euro investieren. Die Verwertung könne aber auch auf verschiedene Standorte aufgeteilt werden, so Holub.

Nächstes Treffen in drei Wochen

In etwa drei Wochen wird es das nächste Treffen geben. Bei der Frage, wie lange es dauern wird, bis eine Lösung gefunden ist, wollte sich der Landesrat nicht festlegen, dazu sei die Materie zu komplex. Der aufrechte Entsorgungsvertrag zwischen Donau-Chemie und Wietersdorfer Zementwerk soll am Donnerstag jedenfalls kein Thema gewesen sein.

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