Flüchtlingslager in Tarvis regt auf

Die italienische Regierung will in einer aufgelassenen Kaserne in Tarvis ein Erstaufnahmelager für Flüchtlinge einrichten. Der Tarviser Bürgermeister hat 1.700 Unterschriften gesammelt, gegen ein großes Erstaufnahmelager in unmittelbarer Grenznähe ist man aber auch in Kärnten.

Die leerstehende Kaserne „LaMarmora“ am Ortsende von Tarvis soll zum Erstaufnahmelager für Flüchtlinge umfunktioniert werden. 100 Asylwerber sollen in einer ersten Phase in den teilweise schon desolaten Häusern untergebracht werden.

Kaserne Tarvis
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Dass es viel mehr Flüchtlinge werden könnten, wird in der Grenzstadt mit 4.500 Einwohnern befürchtet. Willkommen ist ein Großquartier jedenfalls nicht. Mehr als 1.700 Protestunterschriften hat Bürgermeister Renato Carlantoni in den letzten Wochen gesammelt: „Tarvis ist klein - man kann nicht mehrere hundert Leute fix hierher schicken, ohne die Auswirkungen zu bedenken, die es ohne Zweifel gibt. Außerdem sind wir eine Grenzgemeinde. Bei uns sind die Asylwerber freie Leute, die sich frei bewegen können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele dableiben. Das ist ein Problem für die Migranten und für die Bevölkerung.“

Alte Kaserne Tarvis
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Renato Carlantoni, Bürgermeister von Tarvis

Ein großes Flüchtlingsquartier hätte auch negative Folgen für den Tourismus, fürchtet der Bürgermeister - liegt die Kaserne doch in unmittelbarer Nähe der Skipisten. Vorbehalte, die man auch aus der Bevölkerung hört. Die Flüchtlingsproblematik ist ein heißes Thema. Tenor der Wortmeldungen: Eine kleine Flüchtlingsunterkunft mit 20 bis 40 Leuten sei kein Problem, eine Massenunterkunft schon.

Kärnten protestiert mit Brief

Dass in Tarvis ein Erstaufnahmezentrum eingerichtet werden soll, hat man jenseits der Grenze aus den Medien erfahren. Ein Brief aus Kärnten an die italienische Regierung ist deshalb schon unterwegs. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ): „Ein Lager in Grenznähe ist sicher problematisch, weil es dazu animiert, über die EU-Staatengrenze hinweg zu gehen. Vor allem, nachdem es eine offene Grenze ist. Ich fürchte, dass solche Dinge zu Reaktionen führen, die man nicht unbedingt will, nämlich temporäre Grenzkontrollen.“

Alte Kaserne Tarvis
ORF

Dass das Flüchtlingsquartier auf Eis gelegt wird, ist unwahrscheinlich. Nur wie viele Personen tatsächlich hier einziehen werden, steht noch nicht fest.

FPÖ: Grenzenkontrollen einführen

FPÖ-Klubobmann Christian Leyrout forderte am Freitag ein sofortiges Aussetzen des Schengenabkommens und kündigte an, im Landtag Anträge zur Einführung von Grenzkontrollen und zur Auflöung der Kündigung der 15a Vereinbarung mit dem Bund einzubringen. Sie regelt die Asylquote.

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